und sie schließlich auf Grund dieser vermeintlichen Apriorität unberechtigterweise auf die Mathematik der unendlichen Mengen angewendet hat¹)." Brouwers Argumentation bezieht sich auf die Schwierigkeiten, die bei,,Urteilen" über Zahlfolgen ent- stehen. Nämlich insbesondere betreffs solcher Folgen, die nicht durch ein Gesetz definiert sind, sondern die,,Schritt für Schritt durch freie Wahlakte" entstehen. Sofern nämlich eine solche Folge eine freiwerdende ist, bleibt es notwendig offen, ob in dieser Folge eine Zahl von bestimmter Eigenschaft noch einmal auftreten wird oder nicht.,,Nur die geschehene Auffindung einer bestimmten Zahl mit der Eigenschaft E kann einen Rechts- grund abgeben für die Antwort ja, und nur die Einsicht, daß es im Wesen der Zahl liegt, die Eigenschaft E zu haben, einen Rechtsgrund für die Antwort nein; ... aber diese beiden Möglichkeiten stehen sich nicht mehr wie Behauptung und Negation gegenüber; weder die Negation der einen noch der anderen gibt einen in sich faßbaren Sinn²).“ An diesen Bemerkungen fällt der Mangel einer Unterscheidung zwischen dem generellen und dem universalen Urteil auf³).,,Nicht das Hinblicken auf die einzelnen Zahlen, sondern nur der Hin- blick auf das Wesen der Zahl kann ein allgemeines Urteil über Zahlen liefern." Diese generellen werden aber als universale Urteile genommen, wenn sie,,als negative Existentialurteile" ausgelegt werden können. Die Skepsis Weyls ist denn auch tatsächlich auf die allgemeinen und Existentialurteile ineins bezogen: Beide Urteilsarten sucht er als bloße Anweisungen auf Urteile zu kennzeichnen.,,Ein Existentialsatz - etwa es gibt eine gerade Zahl ist überhaupt kein Urteil im eigentlichen Sinne, das einen Sachverhalt behauptet; Existential-Sachverhalte sind eine leere - 1) Brouwer, Intuitionistische Mengenlehre, Jahresber. d. D. Mathem. Vereins Bd. 28 S. 203 ff., 1919. 2) Hermann Weyl, Über die neue Grundlagenkrise der Mathematik. Mathemat. Ztschr. 1920. 3) Zur gleichsinnigen Kritik der von Weyl gegebenen Begründung von Brouwers Standpunkt (die sich keineswegs mit der von Brouwer selbst ge- gebenen deckt) vgl. W. Burkamp, Die Krisis des Satzes vom ausgeschlossenen Dritten, Beitr. z. Philos. d. dt. Idealismus IV 1927 S. 77 ff. 7* 999