- anderen Zweck verwandt werden, es bleiben Teile meines Fahrrades. Zerstört, hat es nur eben die als dingliche,,Identität“ mißverstandene Be- deutung verloren, auf die etwas als Fahrrad angesprochen und gebraucht werden kann. Etwas, was bleibt, d. i. was,,dauernd weiter vorhanden“ ist, ist dagegen z. B.,,das Wachs", wenn die Kerze schmilzt und zu einem Klumpen wird. ,,Bleiben“ ist ein Existenzmodus.,,Identisch" ist hierbei gar nichts. Denn ,,statt" der Kerze ist hinterher nur noch ein Klumpen da. Aber das eine hat sich in das andere verwandelt. Es tritt nicht nur das eine bloß an die Stelle des anderen. Am Anfang und am Ende des Prozesses steht freilich Ver- schiedenes. Aber das Zweite entstand aus dem Ersten. Die Verwandlung ist gleichsam das Gegenstück zur Metamorphose, bei der ,,nur die Gestalt" wechselte. Beide sind aber ursprüngliche, also nur hermeneutisch aufzu- klärende Konzeptionen, aber nicht ontologisch zu begreifende Tatsachen. Die sog. Identität ist weder für die eine, noch für die andere konstitutiv¹). Sie ist es hier ebensowenig als im Falle der Gleichheit, oder als sie etwa im Falle der Erläuterung deren Prinzip war. Und schließlich noch ein dritter Fall: ein Körper sieht so und so aus. Seine Erscheinung ist nicht er selbst. Aber sie ist sein Aussehen. Er verwandelt sich nicht darein, und er wechselt dabei auch nicht realiter seine Gestalt. Sein Aussehen zu bekommen, ist kein (zeitliches) Schicksal des Körpers. Sein Aus- sehen ändert sich mit seinen Zuständen²). Auf verschiedenen Stufen ist er als jeweils manifest geworden zu finden. És gehört aber zur Konzeption des Aussehens, daß die Farben, in denen der Körper erscheint, als Übersetzung seiner physikalischen Zuständlichkeit verstanden werden. Sofern hier die Farbe in das Aussehen von etwas eingestellt ist und so begegnet sie ur- sprünglich kommt die,,Identität“ eines ,Gegenstandes" gar nicht zur Erinnerung. Der nämlich beides- ,,rot" etwa und,,so und so beschaffen" wäre. Der Gegenstand ist freilich,,identisch". Nämlich sofern er trans- zendent ist. Die Identität bezeichnet nur hier und hier gerade die Wendung, auf die hin der Gegenstand als ens praedicabile zu verstehen ist. Nämlich als dasjenige, in dem das in der Erfahrung Gegebene zur Ueberein- stimmung und Deckung kommt. Daß ein Körper,,so aussieht, wie er ist“, ist der Versuch, das Aussehen zu erläutern, ohne dabei des indefiniblen,,so, wie er ist" entraten zu können. Daß aber dieses bestimmte Aussehen und diese - 1) Vgl. dagegen Linke, Phänomenologie und Experiment in der Frage der Bewegungsauffassung (Husserls Jahrb. II S. 9). Dort wird die Verwandlung gerade als Metamorphose beschrieben: Um... die Idee der Verwandlung mit einem Schlage zu zerstören, bedarf es nur der Meinung,,,was am Anfang und Ende der Verwandlung steht" seien verschiedene, einander innerlich fremde Gegenstände, nicht aber bloße Zuständlichkeiten oder,,Erscheinungsweisen" eines und desselben Etwas. Sofern sich das eine in das andere verwandelt, ist etwas,,dahinter“, was nur „verschieden erscheint“, nicht zu entdecken. Freilich ,,etwas verwandelt sich". Nämlich z. B.,,die Szene" auf der Theaterbühne. Daß es hier möglich ist, das angeblich identische,,etwas“ bei der Verwandlung anzugeben (als deren Ansatz sonst nur dasjenige bezeichnet wird, was an ihrem Beginn steht), liegt aber nur an dem Besonderen dieses Falles. Die Szene - das sind nicht die Kulissen usw. Es gehört zum Begriffe der,,Szene", daß sie,,sich wandelt", nicht anders, als es etwa auch zur Konzeption des Wetters gehört, daß es je so und so ist, also,,wechselt“. 2) s. Teil I S. 88. - - 89