anerkennt, den Begriff des Urteils aber dabei unter Aufgabe der ursprünglichen Bedeutung von „Aussage", „Erläuterung“ usw. nach einer transzendentalen Leistung bestimmt. Nur dann er- scheint aber das Formale der Logik als eine Universalität ihrer Verbindlichkeit. Analytisch und synthetisch sind bei Kant Arten der Erkenntnis, die dabei als das Ergebnis einer Operation genommen wird, die nur gezwungen als Urteil bzw. als Prädi- kation bezeichnet werden kann. Zusatz. Fürs erste bezeichnet Identität Nichtverschiedenheit. Verschieden bzw. identisch ist aber jeweils etwas. Die Verschiedenheit ist keine Beziehung, die zwischen demjenigen besteht, von dem wir sagen, daß,,es (!) verschieden ist“. ,,Die Farbe“ ist verschieden, aber rot und grün sind das nur in dem anderen Sinn, als sie z. B. in dem Verhältnis der spezifischen Differenz zueinander stehen. Oder etwa zwei Dinge sind verschieden, insofern, als sie nicht gleich sind. Bloße Verschiedenheit besteht nicht zwischen demjenigen, betreffs dessen, wenn es irgend-wie aufeinander bezogen würde, diese Verschieden- heit nicht einmal als in re erfüllt vorausgesetzt ist. In re besteht sie nur inso- fern, als die Angabe, etwas sei verschieden, zutrifft oder nicht. Verschieden- sein leugnet das identisch-sein und umgekehrt. Und ebensowenig als die Ver- schiedenheit eine mehrgliedrige Relation ist, ist die Identität eine eingliedrige ,,reflexive" Relation.,,An sich selbst" ist nichts identisch. Das Nichtver- schiedene ist nicht schlicht und geradezu,,dasselbe", sondern z. B. die selbe Farbe.,,Numerische" Verschiedenheit ist sinnlos. Meint man, etwas da und dort sei identisch, so verweilt man weder bei dem, auf das man dabei da und dort gleichsam nur den Finger gelegt hat, noch etwa gar bei etwas, was man als,,das Identische“ hierbei festgestellt hätte. Das genügt aber zur Demon- stration des Unsinnigen eines Satzes der Identität¹). = 1) Die Formel A A hat dagegen mathematisch sehr wohl einen Sinn. Man drückt ihn aus: Jede Größe ist sich selbst gleich. Auf die Gleichheit einer mathematischen Größe mit sich selbst rekurriert man z. B. beim Be- weise der Kongruenz zweier Dreiecke, welche eine Seite gemeinsam haben. Die Kongruenz besteht so sagen wir fürs Erste - zwischen den Dreiecken, die gezeichnet sind, und nicht zwischen den Zeichnungen auf der Tafel. Zweitens wäre aber die Kongruenz sinnlos, wenn zweimal,,dasselbe Dreieck“ gezeichnet wäre, d. i. wenn sich der Mathematiker mit,,eidetischen Singu- laritäten" von Dreiecken beschäftigte. Der Mathematiker bringt in der Konstruktion seiner Dreiecke nur gewisse, vielleicht unter,,Definitionen" versteckte Axiome in Ansatz, und was vorgeblich von den Dreiecken richtig ist, ist Folge dieses Ansatzes von Axiomen und der Verknüpfung mit weiteren Axiomen. Die Figur, die konstruiert ist, kommt als das, was es auch nur in irgend einem Sinne auch in dem Sinne von ,,idealen Gegenständen" gibt, für den Mathematiker überhaupt nicht in Betracht. Das auf die Basis eines gleichschenkligen Dreiecks A B C gefällte Lot CD ist freilich Dreieck- seite in A D C und in B C D, und als Subjekt dieser und anderer Prädikationen 87