― Wenn man also es sich angelegen sein läßt, zu untersuchen, was,,schon im Begriffe enthalten“ ist, so ist es sehr die Frage, ob denn dies, was,,schon im Begriffe enthalten" ist, überhaupt für dasjenige zutrifft, was unter den sogenannten Begriff fällt. Andererseits: Der Satz, daß,,im verneinenden analytischen Urteil sich unter den Merkmalen des Subjektes eines finden muß¹*), dem das Prädikat widerspricht“, setzt eine Fassung des analytischen Urteils voraus, nach der dieses nicht einmal all- gemein - eine Prädikation ist. Verneinende analytische Urteile wären z. B. ein Zirkel ist nicht viereckig oder ein Schimmel ist nicht schwarz. In diesen Sätzen hat das Subjekt bereits eine Bestimmung in der Richtung erfahren, in der das Prädikat liegt. Der Grund der Möglichkeit einer solchen zweiten Bestimmung ist aber hier auch anzugeben. Gerade im Falle der analytisch verneinenden Urteile kann man―entgegen Kant2*)—,, einen Bestimmungsgrund der Wahrheit unserer Erkenntnis" bezeichnen. Nämlich den Satz über die spezifisch differenten Merkmale. Die Dignität solcher verneinenden analytischen Sätze ist aber dann keineswegs aus- gezeichnet. Wir finden sie auch bei anderen Sätzen, sofern diese nur in irgend welchen Sätzen einer solchen,,formalen Ontologie“ gründen, die wir geradezu als eine,,Analytik“ bezeichnen könnten. Die bejahenden analytischen Urteile bezeichnet Kant als Erläuterungs urteile. Indessen Erläuterungen sind über- haupt keine,,Urteile", deren Richtigkeit an die Erfüllung eines Kriteriums gebunden ist. Es ist einfach ihr,, Sinn", daß sie etwas ,,explizieren". Falsch und richtig sind unmittelbare Eigenschaften der Erläuterung. Die Formulierung: in prae- gibt,,,die sich willkürlich abändern läßt, ohne die Wahr- oder Falschheit desselben zu stören". Der Ausdruck,,Vorstellung" bezeichnet aber hier den mit einem Wort als Zeichen lediglich verbundenen,, Begriff“ im Sinn einer Bestimmung“. Bolzano bestimmt das analytische Urteil im Zusammenhang mit Erörterungen über die Gültigkeit von Sätzen:,,Wie viel ein Satz gelte, oder wieviele Gültigkeit er habe, soll... soviel heißen, als wie sich die Menge der wahren Sätze, die sich aus ihm entwickeln, wenn man gewisse in ihm als abänderlich zu betrachtende Vorstellungen nach einer gegebenen Regel mit anderen vertauschet, zur Menge aller verhalten“. (l. c. II. S. 82). 1*) von mir gesperrt. "" 2*) Kr. d. r. V. S. 167. ― 85