kommen die Prädikate zu, die ich an einem Einhorn zusam- men gedenke¹)." ,,des Man bemerkt hier vielleicht, daß das Vorkommen See-Einhorns" - d. i. dieses vom Land-Einhorn verschiedenen Tieres doch etwas anderes ist als das Dasein,, eines See- einhorns"; nur dieses letztere sei ein,,existierendes Ding". Diese Bemerkung verfängt aber nicht Kant gegenüber. Denn das, was bei ihm Position erfährt, ist die ,,Vorstellung", die sich insofern als ein,,Erfahrungsbegriff" darstellt²). - Kant nahm den,,Gegenstand" aus der „Erfahrung“ im Sinn einer vollzogenen Synthesis.,,Ein existierendes Ding" ist bei ihm nicht das, was als auf irgendeine Seite hin angesprochen begegnet. Das Vorkommen des ... und das Dasein eines See- Einhorns sind ineins in der Position einer ,,Vorstellung" ent- halten. Der,,Gegenstand" ist aber auch dasjenige, was,,es gibt“. ,,Vorkommen“ und „,Dasein“ sind „,logische" Prädikate in dem Sinn, als sie überhaupt nur im Felde des Besagtwerdens des Gegebenen auftreten. Herbart vermißt, was denn nun eigent- lich bei Kant als seiend gesetzt sei. Es ist vergeblich, danach 1) Über den einzig möglichen Beweisgrund vom Dasein Gottes, 1763, I, 1. 2) Vgl. oben S. 43. Die Kantische Bemerkung, daß mit dem Subjekt das Prädikat fällt, wird mißverstanden dahin ausgelegt, daß jede Prä- dikation die Existenz ihres Subjektes voraussetze. Nur von dem,,als existierend vorgestellten" Zentauren könne z. B. gesagt werden, daß er einen Pferdeleib hat. Indessen:,,der Zentaur" hat einen Pferdeleib. Nämlich dieses Fabelwesen, das man aus dem griechischen Mythos kennt. Nicht anders als ,,der Schwefel" gelb ist, nämlich dieser chemische Stoff, der nur unter anderen Bezügen begegnet als der Zentaur. Daß der Schwefel tatsächlich vorkommt, verschafft ihm hier keinen Vorzug. Die angebliche,,Setzung“ des Begriffs an Subjektstelle ist weiter nichts als die Notwendigkeit, dem begegnen zu können, von dem ich synthetisch prädiziere. Sofern nämlich die Prädikation als ein Modus des Besagens ihr Prädikat nur schöpfen kann aus dem vorgängigen sich-befaßt-haben-mit dem, worüber sie etwas sagt. Die Differenz gegenüber Prädikationen von demjenigen, was es,,nicht gibt“, bleibt bestehen. Von einem runden Viereck kann ich nur das prädizieren, was aus seinem (unmöglichen) Begriff analytisch aufzuzählen ist (Vgl. später S. 86.) Daß das Subjekt einer Aussage,,als existierend vorgestellt werden müsse“, bedeutet etwas anderes im Falle einer Erzählung oder Fabel usw. Nur von Zentauren, die,,irgendwo auftreten", kann ich etwas erzählen. Ein Ort ihres Auftretens ist aber in dem griechischen Mythos ebenso bezeichnet, wie in ,,meiner (Phantasie)-Vorstellung". Beide sind mögliches Thema meiner Aussage. 50