5. DAS EXISTENTIALURTEIL 1. Ein Modus des Besagens ist das es gibt, es gibt nicht. Es gibt schwarze Panther nicht anders als in dem Sinn, in dem es zur Diskussion steht, ob es z. B. eine Zahl von der Eigenschaft x „gibt“. „Existenz“ besagt beidemal verschiedenes. Die schwar- zen Panther,,kommen vor". Man begegnet ihnen vereinzelt oder häufig. Eine Zahl von der Eigenschaft x,,gibt es“ aber inso- fern, als sie z. B. konstruiert werden kann. Und beidemal besagt Existenz etwas anderes als eine,, Seins"-Weise, wie es z. B. die,,Wirklichkeit" von etwas ist. Bei Kant tritt beides nicht auseinander. Er begann damit, das Existentialurteil als nicht-analytisch zu erweisen:,, Ihr habt schon einen Widerspruch begangen, wenn ihr in den Begriff eines Dinges, welches ihr lediglich seiner Möglichkeit nach denken wolltet, es sei unter welchem versteckten Namen, schon den Begriff seiner Existenz hinein brachtet¹)." Kant bemerkt dann die Inkommensurabilität der Existenz mit anderen Prädikaten und kommt in die Verlegenheit, die synthetische Natur des Existentialurteiles dartun zu müssen ineins damit, daß er die additionale Natur der Existenz gerade hierbei zu leugnen hatte. Er löst das Dilemma durch die Trennung der Exi- stenz als eines logischen Prädikates von den „realen“ Prädi- katen.,,Es ist aber das Daseyn in denen Fällen, da es im ge- meinen Redegebrauch als ein Prädikat vorkommt, nicht so wohl ein Prädikat von dem Dinge selbst, als vielmehr von dem Gedanken, den man davon hat. Z. E. dem See-Einhorn kommt die Existenz zu, dem Land-Einhorn nicht. Es will dieses nichts anders sagen, als die Vorstellung des See-Einhorns ist ein Erfahrungsbegriff, das ist, die Vorstellung eines exi- stierenden Dinges. ... Es ist daher kein völlig richtiger Aus- druck zu sagen: Ein See-Einhorn ist ein existierend Thier, sondern umgekehrt, einem gewissen existierenden Seethiere 1) K. d. r. V. (Hartenstein, Werke 1838, II, S. 460). 49