Ebenso wie etwa das nicht-vorhanden-sein meines Löschblattes dessen Fehlen meint¹). Das nicht-scheinen-der-Sonne ist der defiziente Modus²) ihrer Gegenwart. Die Sonne scheint nicht ist fürs erste eine Aussage. Daß sie eine Negation enthält, d. i. daß das, was sie sagt, so wie es gerade ausgelegt gesagt wird, irgend- wo negativ gewendet ist, berechtigt noch nicht, sie als negative Aussage zu klassifizieren. Auch in den Fällen nicht, wo die Ver- neinung insofern in die Aussage als Äußerung gehört, als durch die Verneinung etwas gestrichen oder abgewiesen wird,—wie z. B. in: .. nicht eben oft... Oder ein anderes Beispiel: durch die Worte Der Mond ist aufgegangen wird ein Bild vom Abend draußen geschaffen³). In- sofern wird er darin geschildert. Daß es möglich ist, einer Schilde- rung zu widersprechen, besagt noch nicht, daß man hier einfach etwas,,verneinen" kann. Denn durch das Beifügen einer Negation wird das An- bzw. Ausgesprochene eben etwas anderes, und es steht sehr dahin, ob es dann als Konzeption überhaupt noch einen ,,Sinn“ hat. Zu einer Aussage gehört überhaupt kein negatives Gegenstück. Die Scheidung zwischen positivem und negativem ‚Urteil“ kann sich hier überhaupt nicht auf die Aussage, sondern nur auf die Behauptung und Leugnung beziehen. Daß die Sonne nicht scheint, kann aber beides: behauptet und geleugnet werden. "" Was man behauptet, ist im vorliegenden Beispiel nicht anders als durch das Wie seines Ausgesagt-seins anzugeben. Ich behaupte 1) Nicht-vorhanden-sein sagt dasselbe wie Fehlen. Es ist nicht nur die- selbe Sachlage darin getroffen. Wie es etwa dieselbe Sachlage ist, die als ,A ist rechts von B“ und „,B ist links von A" formuliert werden kann. Solche Umformungen zwischen sachlichen Beziehungen sind etwas anderes als die Übersetzung der einen sprachlichen Wendung in die andere. 2) Terminus von Heidegger. 3) Vgl. hierzu H. Ammann (Vom doppelten Sinn der sprachlichen Formen, Sitz.-Ber. d. Heidelb. Akad. d. Wiss., Philos.-histor. Kl., XII. Abhandl., 1920), Die ,,Fähigkeit der Sprache, Bilder frei zu schaffen, beschränkt sich keines- wegs auf den engen Bereich der dichterischen Produktion. Sie geht vielmehr Hand in Hand mit einem ganz elementaren Grundtrieb des Sprachlebens, der wohl in gewissen Formen der Sprachäußerung unterdrückt sein mag,... der aber mindestens so grundlegend und bestimmend für den inneren Bau unseres ganzen sprachlichen Organismus ist, wie diejenigen Motive, denen wir auf dem Boden der konkret-zweckbestimmten, eindeutig bezogenen Mitteilungsäußerung als dem Maßgebenden begegnen." (S. 12.) 38