sehen weiter nichts wäre als ein Bild, eine Abschrift. Auch wenn das Aussehen kausal verändert wird, bleibt es ein Sta- tus. Zuständlich wird ja hier das Ding gerade nicht ver- ändert. Man nimmt den Widerstreit der einzelnen Sinnesinhalte ge- geneinander als Argument dafür, daß ihnen eine „,wirkliche Existenz" nicht zukommen könne.,,Für die Gegenstände der Sinneswahrnehmung liegt der volle Beweis ihrer Falsch- heit vor" 2.- Der hinter dieser These verborgene Ansatz eines Setzungen durchhaltenden, als „wahr“ sich bewährenden Ge- genstandes, die stillschweigend vollzogene Transposition der Existenz in simple Tatsächlichkeiten sind nicht zu verkennen. Die Dinge stellen sich hier dar als so und so, bzw. als das und das Seiendes. Daß der Widerstreit dann das an seinem Ort ge- rade Verlangte ist, diese Konsequenz ist hier freilich nicht ge- zogen worden. Durch die Fassung des Dinges als eines ens praedicabile hat man sich aber von vornherein der Möglichkeit begeben, die Tragfähigkeit der Sinnesqualitäten überhaupt zum Problem zu machen. Das vorgeblich philosophische Raisonne- ment ist hier von dem Boden der natürlichen bzw. dogmatischen Einstellung nicht losgekommen. Das Aussehen, d. i. etwas, was zu dem Ding,,gehört", ist das, was verfälscht und affi- ziert wird. Die Verfälschung besteht nicht einfach darin, daß die Dinge nicht so sind, wie sie da erscheinen. So als ob die Dinge als ,,etwas Rotes" usw. sich darstellten und in ihrem prädikativen Bestande,,selbst" nämlich so wie sie in einem gänzlich sachleeren und indifferenten Sinn,,an sich“ sind zu finden sein könnten bzw. müßten. - - Herbart spricht von dem Körper,,so, wie er in Ruhe ge- lassen ist". Das ist hier aber keine Metapher zur bloß nähe- ren Erläuterung einer abstrakten Bestimmung wie derjenigen des,,an sich". Es stellt sich heraus als etwas sehr Konkretes. Wir erfassen es durch seinen Gegensatz: I Von mir gesperrt. 2 Franz Brentano, Psychol. v. empir. Standpunkte 1874 I, S. 122. 91