violett als Farbe „sehen". Daß man primär die Farben nur,,im Auge" zu suchen hat, wird freilich meist gerade dahin verstanden, daß,,sie (d. i. die Sinnesqualitäten) ihren Ort in dem empfindenden Organismus haben, mithin als solche dem Gegenstande der Wahrnehmung nicht anhängen." Die der Physik und Physiologie entnommenen Gründe reichten aber nicht hin, „um die Subjektivität der Qualitäten in einem an- deren Sinne wahrscheinlich zu machen, als sie in diesem Theo- rem von der Relativität ausgedrückt ist"¹. Und Frischeisen- Köhler glaubt im Anschluß an Riehl, die Frage nach dem Realitätswert der Sinnesqualitäten erneut in dem Sinne zur Diskussion stellen zu können, als die ,,ausschließliche Sub- jektivität“ der Sinnesqualitäten noch keineswegs bewiesen sei. Es sei die Frage,,,ob das Wirkliche nicht Eigenschaften ent- halte, die in irgend einem Grade dem subjektiv Empfundenen ähnlich seien" 2. Hier ist zu entgegnen, daß die Frage nach dem Realitäts- wert der sinnlichen Qualitäten überhaupt keine solche,,wissen- schaftliche Streitfrage" ist. Im besonderen geht es nicht um eine so oder anders begründete Entscheidung darüber, ob den Sinnesqualitäten auch eine außersubjektive Realität zukommt. Gerade die Sinnesqualitäten demonstrieren einen diesem Rea- lismus und der üblichen Ansicht gemeinsamen Irrtum. nur aus sich selbst kennt". So als ob hier nur die Empfindungen dasjenige sein könnten, was der kausalen Analyse entzogen bleibt. Daß aber ein,,rotblinder nicht weiß, was rot ist", beweist noch nicht die Subjektivität der Farbe in dem Sinn, daß sie,,im Subjekt" die Stelle ihres Bestehens hätte. Das gilt nicht einmal von dem Nachbild, dessen Existenz auf ein Subjekt bezogen ist. Denn sie ist es nicht anders, als etwa das Dasein des Schattens von der Lichtquelle gehalten wird. (cf. Th. Beer, A. Bethe, J. v. Uexküll, Vorschläge zu einer objektivierenden Nomenklatur in der Physiologie des Nervensystemes, Centralbl. f. Physiol. XIII, S. 137 ff. und J. v. Uexküll, Über die Stellung der vergleichenden Physiologie zur Hypothese der Tierseele, Biol. Centralbl. XX, S. 497 ff.) I Frischeisen-Köhler, Die Realität der sinnlichen Erscheinungen, Ann, der Naturphilos., VI, S. 365. - 2 Die Lehre von der Subjektivität der Sinnesqualitäten und ihre Gegner (Vierteljahrsschr. f. wissensch. Philos. u. Soziol. XXX, S. 284). Ebenso z. B. Lotze, Metaph. 1879, S. 507. 3 Frischeisen-Köhler, l. c. S. 327. 85