was gegeben". Beim Sehen gibt es aber keine Empfindungen im Sinne von Eindrücken. Und merkwürdig ist ja doch die Ge- bundenheit des Sehens an faktische Konstellationen, wo die In- tentionalität des Bewußtseins gerade keine solche faßbare Re- lation zwischen dem Bewußtsein und dem Gegenstand sein kann. Eine Relation ist im Sehen überhaupt nicht da. Denn dasjenige, was zu sehen wäre, fehlt. Die sog. Sichtbarkeit ist zunächst weiter nichts als eine Tatsache, deren Auftreten an die Materie gebunden ist. Auch der Schein nimmt dort seinen Aus- gang; durch Reflexion an dem Wassertropfen usw. entsteht der Regenbogen. Nur im Bereiche der Sichtbarkeit gibt es aber den ,,Schein“, und daß so der Schein in Materialität als die eigent- liche Wirklichkeit verkoppelt ist, das ist für die Dialektik der Sichtbarkeit gerade bezeichnend. Von daher ist die dem Sehen eigentümliche Funktion, seine ausgezeichnete Stel- lung unter den Sinnen zu begreifen. Die Sinne haben eine Stelle in dem Hantieren mit den Dingen. Sie sind eine Art des Hantierens. Man tritt mit ihnen den Dingen gegenüber. Das Sehen ist primär ein Tun, das, zusammen mit dem Licht, Ma- terialität zur Sichtbarkeit aufschließen kann. Auch im Falle des Regenbogens, der aus Farben besteht, und der ein Schein ist, d. i. wo nur nichts dahinter ist, was nun so auch aussieht. Das Sehen ist eine Bedingung der Farbe. Es ist primär eine Funktion. Das Sehen ist ausgezeichnet durch Strahlig- keit¹: das Sehen kommt dem Körper entgegen und wirkt zu- sammen mit dem Licht bei der Spiegelung oder bei dem irisie- renden Aussehen eines Minerals. Hier ist nicht nur ein idealer ,,Orientierungspunkt" erforderlich, sondern vorzüglich die Ge- richtetheit des Sehens als dessen an ihm schlicht aufweisbare Eigenschaft. Die Genese irisierender Oberflächen zeigt deut- lich, wie das Aussehen allererst in dem Sehen zustande kommt. Trotzdem ist es,,sein“ d. i. des Körpers Aussehen. Es wäre vor- eilig, dieses,,sein" zu bestreiten von Voraussetzungen aus, die zu einer bestimmten willkürlichen Interpretation dessen ge- I Pleßner, Die Einheit der Sinne, Bonn 1923, S. 241 ff. 79