Wärme besteht im besonderen nicht bloß eine so abstrakte Be- ziehung, wie die sog. Inhärenz einer Eigenschaft, die des nä- heren als prädikative Eigenschaft entworfen war und nur eben,,kopulativ" zu einem andern treten konnte. Die Wärme ist weiter nichts als ein Zustand. Trotz- dem ist sie an den Dingen zu finden. Denn man kann sie fe s t- stellen, und darin gerade ist sie gleich mit der Sprödigkeit oder der Schwere. $ 21. Bei der Feststellung der Wärme vermittelt die Empfin- dung.,,Erfahrungen" dieser Art sind aber nur ein ausgezeich- neter Fall des Umgangs mit den Dingen. Es bleibt offen, ob Sehen und Hören nicht in anderer Weise darin eingestellt sind. Das Eigentümliche von deren Leistung bleibt verdeckt, wenn man diese Leistung von vornherein nur nach der Funktion bestimmt, die den Sinnen in dem ja doch durch ein beson- deres telos bestimmten Gefüge der Erfahrung zukommen könnte. Man nimmt es als unvermeidlich, daß das Sehen mit einer,,Bestimmung" endet. Aber was wird in den Farben ,,bestimmt“? Darauf zu antworten ist schwierig. Und zwar ge- rade deshalb, weil sich das Sehen als ein unvermittelter Zugang gibt. Man sieht die Farben an den Dingen. Man,,hat“ sie nicht, wie man die Wärmeempfindung z. B. an der Hand hat. Von den Dingen sagt man geradezu, daß sie gesehen wer- den. Freilich ihre Farbe wird gesehen. Was besagt das aber: ,,ihre Farbe? Das Weiß des Stückes Kreide, diese Farbe, diese Qualität ist von der Farbe eines Stückes Papier nicht unterschieden. Die Bemerkung, daß die Farben nicht in den Zu-Stand dieses oder in den anderen jenes Körpers geknüpft sind, drängt aber dann zu dem Ansatz: die Farben,,selber" - nämlich als die und die bestimmten und untereinander nur ja spezifisch differenten Farben - seien das, was im Sehen ohne Vermittlung erreicht wird. - Das anscheinend Unvermittelte dabei, wenn Dinge gesehen werden, leitet nun aber ebenso die These von der Relativität 76