Kant hat die Frage, was denn existiere, überhaupt nicht beantwortet. Im einzelnen Falle ersetzte er sie durch die Frage nach der Bestimmtheit von vorausgesetzt Existentem. Und so- fern diese Bestimmtheit einfach prädikativ war, blieb von der Existenz nichts anderes übrig als gleichsam die Randbedingung zum Vollzug dieser prädikativen Synthesis. Indessen - das was existiert, hatten auch wir nur bezeich- net. Herbart stellte aber die Frage im Ausgang von den Merk- malen, durch die das Was der Dinge wohl bestimmt werde, mit deren keinem es aber identisch sei.,,Das Was der Dinge wird uns durch die Sinne nicht bekannt". Herbart orientiert seine Frage an den Sinnesqualitäten, und beläßt diese dort, wo er sie gefunden hatte. Nämlich am Ding. Nur hier könnte die in den fraglichen Qualitäten indizierte Realität greifbar wer- den. Daß die Farben usw. an eine leibliche Organisation ge- bunden sind, bleibt eine durch Deutung oder Erklärung nicht belastete Feststellung. Eine solche Interpretation steht aber bereits am Ausgang des Beginnens der sog. Erkenntnistheorie. Sie fragt nach dem Verhältnis der Empfindungen zu in ihnen allenfalls nur bezeugten Seinsqualitäten. Der Ansatz liegt dann in dem Realitätsindex, der in dem Auftreten der Empfindun- gen gegeben ist. Und statt nach der seinsmäßigen Stellung des Blau im Aufbau der Dinge zu fragen, glaubt man einfacher und geradezu danach fragen zu können, ob Blau- bzw. was statt dessen,,existiert". Daß so etwas wie die,,Existenz von Blau" schon im Ansatz gleichsam notwendig stecken bleibt, zeigten wir oben. Aber so meinte man es wohl auch kaum. Man stellte den Wirklichkeitswert der Sinnesqualitäten zur Diskussion und griff dabei eine Frage auf, die durch die negative Ent- scheidung der Skepsis eigentlich schon überholt war. Eine Korrektur oder Rechtfertigung der gemeinen Weltansicht kann nur auf deren eigenem Boden unternommen werden. Die Skep- sis hat ihn auch nie verlassen. Philosophisch kann es darauf nicht abgesehen sein. Die Frage nach dem Wirklichkeitswert 68