Bei Kant entsteht hier durch einen Sprung dasjenige, in bezug auf das es hier eine nur zu behandelnde, aber keine zu lösende Aporie des Anfangs gibt. Die Synthesis löst das Pro- blem des Maimon eher als es überhaupt gestellt werden konnte. Subjekt und Prädikat sind allererst analytisch aus dem ur- sprünglichen Sinn, zu dem als Resultat des transzendentalen Tuns Notwendigkeit gehört, entstanden. Einen Sinn gibt es überhaupt allererst in diesem Resultat. So ist bei Kant die Tat- sache verstanden, daß der Gegenstand ein explicabile ist. Die Notwendigkeit, d. i. die Gewißheit, trägt hier bei Kant zu nichts hin, was dann evident wäre. Darum ist bei Kant das Dasein so nichtssagend. Auch im Fall des Dreiecks, sofern nur „Prädikate mit ihm verbunden“ werden, wird seine Exi- stenz mit angesetzt. Weil überhaupt nur im Gange der Welt eigentlich gewiß ist. Kant spricht von Tautologien. Eine Tautologie liegt aber nur äußerlich vor, sofern als in diesen Verbindungen dasselbe zweimal vor- kommt. Das angebliche Kriterium der Wahrheit kann aber gar nicht in Funk- tion treten, weil ja nichts behauptet wurde. Tatsächlich liegt hier weiter nichts vor, als entweder die Unwiderruflichkeit einer Setzung oder einfach das, daß hier sonst etwas geleugnet wird, was gerade behauptet wurde. Also der Wider- spruch. Denn Widersprüche gibt es. Sie sind keineswegs das Unmögliche. Es kann hier aber überhaupt nichts angegeben werden, was ,,unmöglich“ ist, des näheren, was etwa nach einem,,negativen Kriterium der Wahrheit" einander ausschließt. Nämlich etwa zufolgedessen, daß es einer bestimm- ten,,Form" genügt. Denn positiv bzw. negativ ist hierbei lediglich dasjenige, was als das Nämliche sich allererst konstituiert in Po- sition und Negation. Man stellt wohl in der Logik p und non-p ein- ander gegenüber. Schon Maimon erkannte, daß ein Widerspruch nur vorliegen kann zwischen Setzungen. Und es ist nur aus dem „Umstand“ einer Be- hauptung zu entnehmen, ob ihr eine andere widerspricht. p und non-p sind erschlichene Formeln. Sie sind nur das allgemeine Schema, der symbolische Aus- druck des Widerspruches selbst. Von einem Satz des Widerspruchs hätte man aber zu verlangen, daß er angibt, was denn einander widerspricht. Tatsächlich stoßen wir auf negative Kriterien der Wahrheit, wenn wir aus der Merkwürdigkeit, daß etwas Ge- rades nicht krumm und etwas Rundes nicht eckig sein kann, entnehmen, daß es hier die spezifisch differenten Prädikate sind, die einander aus- schließen. Wir bekommen hier tatsächlich ein negatives Kriterium, sofern ledig- lich eine Unmöglichkeit festgestellt wird. Und zwar eine Unmöglichkeit, die keine bloße Unverträglichkeit ist, wie die eines regulären Dekaeders. Oder: Rot und Blau sind zunächst noch keine,,widersprechenden Prädikate“. Aber sofern sie als determinierendes Merkmal auftreten, kann man frei- lich von dem Rot sagen, daß es nicht Blau und von dem Blau, daß es nicht — Rot ist. 37