Existenz eine prädikative Eigenschaft wäre, dann entweder alle Urteile über Existenz Tautologien wären oder daß dann keine einzige Behauptung über Existenz wahr sein könnte. Denn von der bloßen Vorstellung könnte ich nicht Existenz prädizieren, da sie dann ja nicht mehr bloße Vorstellung ist. Wenn man gegen Kants Argumentation einwendet, daß sie ja doch auch für alle anderen Prädikate zutreffen müßte ¹, so verkennt man, daß ja doch auch die anderen,,Prädikate" keineswegs bei Kant prädiziert werden. Die Kantische Position kommt in der Feststellung, daß Existenz nur ein modales Prädikat sei, rest- los zur Darstellung. Die anderen Prädikate sind möglich als Restprodukte, aber nicht die Existenz selbst. Die Existenz kann auch nicht unter dem Schein eines Prädikats analytisch aus der Synthesis ermittelt werden. Die,,synthetischen Urteile“ sind bei Kant überhaupt keine eigentlichen,,Urteile", bei denen es in Frage steht, ob etwas einem andern zukommt oder nicht. Das Subjekt des Urteils ist bei Kant ebensowenig außer- halb des Urteils möglich, wie sein Gegenstand außerhalb des Kontextes der Erfahrung. Maimon meinte, daß Kant die Frage quid facti nicht genügend beantwortet habe. Er habe kein Prin- zip angegeben für die Synthesis. Aber dasjenige, was gar nicht zusammensetzbar ist, nämlich die ursprüngliche Synthesis, wird erst post factum eigentlich zu einer Synthesis. In be- zug auf ein solches Faktum kann man nur quid iuris fragen, aber nicht in einem Satz ein Kriterium wie zum Halte der Richtigkeit gewinnen wollen. Maimon hat genau die Grenze gesehen von Kants Fragestellung. Aber es war falsch, eine angeblich nicht beantwortete Frage, die unter dem Aspekt der Transzendental philosophie prinzipiell unbeantwortbar ist, dann beantworten zu wollen. Nicht einmal der Satz vom Wider- spruch ist bei Kant ein echtes Prinzip der analytischen Ur- teile 2. I Alexander Koyré, L'idée de Dieu dans la philosophie de St. Anselme. Paris 1923, S. 239. 2 Wenn Kant sagt, daß nach dem Satze vom Widerspruch eines oder das andere gewiß sei, so ist die Frage berechtigt, was denn dasjenige sei, was 36