Die Lehre von der Position meines Begriffes hat das gerade zur Voraussetzung. Man kann nicht 100 wirkliche und 100 eingebildete nur mögliche Taler nebeneinanderstellen. Es sind zwei verschie- dene Tatsachen, daß 100 Taler vorhanden, nämlich in einem Vermögen sind, und daß sie nicht vorhanden sind, näm- lich daß sie irgendwo fehlen. Daß etwas mit allen seinen Bestimmungen existieren kann und nicht existieren kann - das ist keine Alternative, für die sich etwas mit allen seinen Be- stimmtheiten zu entscheiden hätte. Was sollte das überhaupt sein? 100 geprägte Taler doch gewiß nicht, denn es existieren ja doch bestenfalls gerade diese 100 Taler, und was soll dieses „diese“ da noch besagen, wenn sie nicht existierten? Wo doch dieses sog. hic et nunc Moment, d. i. die angebliche Individualität allererst in dem Kontext von Tatsachen seine Erfüllung finden könnte. Etwas was hier aus seiner Möglich- keit heraus in die Existenz gleichsam geraten wäre, was vor- und nachher als dasselbe, nämlich als begriffliches Was mit und ohne Existenz einen Sinn hätte, ist nicht zu entdecken. Bezeichnenderweise wird von Kant auch der Begriff von 100 Talern mit deren,,bloßer Vorstellung“, d. i. des näheren mit dem in der Vorstellung beschlossenen Moment der Bestimmt- heit (als dem Auffassungskern der Vorstellung) gleichgesetzt. Was Kant als Position eines Begriffes bezeichnet, ist recht besehen nur die Position eines Sachverhaltes. Es macht wenig aus, daß das Fehlen von hundert Talern ebenso ein Sachverhalt ist. Auch Kant konnte eine Differenz nur finden in dem Ver- mögenszustand mit und ohne hundert Taler. Und es ist bei ihm keineswegs so, als ob die bloße Vorstellung, d. i. der Be- griff, tatsächlich im eigentlichen Sinne,,erweitert" würde. Denn es ist schlechterdings nicht anzugeben, was denn nun eigentlich und wem etwas dann in der Kantischen Synthesis zukommen soll: zukommen oder nichtzukommen ist bei Kant nur eine reflektierte Beziehung. Kant argumentiert, daß, wenn 3* 35