Formen etwas ganz Bestimmtes,,heißen". Ein bloßer Laut- komplex hätte an ihm selber einen Mangel. Beim Genitiv usw. gibt es etwas den verbalen Grundbedeutungen Entsprechendes. Es würde ein Beiseiteschieben der ganzen hier gerade verbor- genen und eine reine Grammatik einleitenden Problematik be- deuten, wenn man die eigentliche Genitivhaftigkeit übersähe, die freilich lexikalisch bedeutungsmäßig nicht herausstellbar ist, deren unverhüllte Gegenwart aber allererst die Wahl des Genitivs in den verschiedenen Wendungen motiviert, in denen er dann das und jenes lexikalisch bezeichnet. Darin, daß ein Lautkomplex aber überhaupt Abwandlungen von der Art der Flexion z. B. erfahren kann, tritt das Eigentümliche seiner Tragfähigkeit heraus. Vorzüglich dann, wenn man die Worte vergleicht mit den Elementen der Gebärdensprache. Eine Gebärde muß im Felde des sie Verstehenden auftre- ten; die Blicke müssen sich begegnen können. Eine Gebärde kann nur gedeutet werden. Sie zeigt etwas an, was an seinem ursprünglichen Ort aufgesucht und gefunden werden kann. Die Gebärde bleibt in einem spezifischen Sinne stumm. Es ist nichts darin,,laut“ geworden. Wie gerade in der Artikula- tion des Sprachlautes etwas allererst seine Prägung,,,Bestim- mung" gefunden hat. Die Differenz der ,,Bedeutung" als der Substanz einer Vokabel zur Bezeichnung liegt schon vorzüglich darin, wie diese ,,Bedeutung" sich selbst trägt und nicht etwa nur eben als Hinweis auf etwas, was schon vor dieser Vokabel parat liegt, interpretiert werden kann. Die „,Bedeutung“ einer Vokabel ist nicht durch Abstraktion aus der Aktualität ihres Gebrauchs zu gewinnen ¹. I Die Vokabeln sind überhaupt keine ,,Ausdrücke". Dazu werden sie erst durch die,,Wendung", die sie erfahren.,,Bei dem Wort Ausdruck haben wir immer den tatsächlichen Sprach - Gebrauch, ja häufig eine ganz bestimmte sprachliche Äußerung im Auge, in der der betreffende Ausdruck sich findet, während wir bei Wort mehr an das Bereitliegen der Elemente des Sprachgu- tes für die Äußerung, an die Zugehörigkeit zum Wortschatz der Sprache den- ken, an das virtuelle Gelten, das unabhängig ist von der aktuellen Verwirklichung im tatsächlichen Gebrauch der Sprache, damit aber auch unabhängig von der Be- wußtseinslage und den aktuellen Ausdrucksbedürfnissen des Einzelnen.“ (A m - mann, 1. c. Seite 64.) 29