gäbe, die Gattung als etwas Besonderes, sofern sie eben und nur sie be- stimmte Eigenschaften (z. B. die des Aussterbens) haben könnte. Indessen: es gibt doch nicht so etwas wie die Gattung neben den einzelnen Löwen, die ja doch andererseits wieder dazu gehören. Und wie meint man das, daß etwas, was z. B. eine Gattung ist, unter der Supposition, unter der es das ist, überdies noch durch etwas,,bestimmt“ wird, was der einzelne Löwe auch,ist“?. Von einem Teil der fraglichen Aussagen vermutet man vielleicht, sie seien allgemein.,,Der Löwe wird bis 40 Jahre alt" bezieht sich indessen keineswegs auf jeden Löwen. Es gilt von ,,dem Löwen" nicht anders als es vom Wachs gilt, daß es bei ... schmilzt. Der Vergleich mit dem Wachs zeigt, wie die „Einzelheit“ im Falle des Löwen nicht unter der Direktion eines überhaupt" steht. Sie schleicht sich nur zufolge dessen ein, daß eben ein Individuum „ein“ Löwe ist, sofern es sich die Art zu eigen gemacht hat 1. Entsprechend wie etwas von Wachs ist, wo aber dieses Moment der Reflektiertheit fehlt. Die Re- flektiertheit und damit die Einzelheit ist ontologisch gebunden an die Konzeption der durch,,Löwe" bestimmten „,Art". Die Schwierigkeiten entstehen hier daraus, wie man ,,Löwe" usw. als be- griffliche Bestimmtheit bzw. als das,,Was" von etwas" nehmen zu müssen glaubt. Man interpretiert die fraglichen Aussagen als die prädikative Darstel- lung eines Gegenstandes. Das Verfängliche liegt in der Art, wie man die Prä- dikate zu etwas gehören läßt: man behandelt sie wie Attribute. Wenn wir frag- ten, was denn dasjenige sei, was sowohl stirbt als auch ausstirbt, als auch ent- deckt wird, so war zu viel verlangt. Nämlich sofern man meint, daß es so etwas als dasselbe, d. i. als ausweisbaren Gegenstand gäbe, was stirbt und aus- stirbt in dem Sinne, daß es ein Sterbendes und ein Aussterbendes sei. Am selben Gegenstand können diese Prädikate freilich nicht zur Deckung kommen. Es ist aber die Frage, ob diese Schwierigkeit nicht eben eine gemachte ist. Die hergebrachte Logik ist freilich daran orientiert, daß eben etwas an Subjektstelle, was tatsächlich das und das ist, dann tatsächlich auch dasjenige sei, was an Prä- dikatsstelle gemeint ist. Was dann so leicht dahinübergespielt werden kann, daß sofern an Subjektstelle nur etwas so und so seiendes stehen kann, hierbei etwas unter seinem Begriffe aufgegriffen und in die Prädikation wie in ein anderes Feld gleichsam hineingezogen wird. $ 3. Wir bemerkten oben, wie Blau nicht selbst blau sei. Nämlich nicht blau z. B. aussieht. Der Einwand gegen die an- geblichen Vereinzelungen von Blau kehrt sich jetzt gegen uns selbst. Denn für Stoffe gilt doch wohl Entsprechendes. „Eisen“ ist nicht,,wirkliches Eisen". Wir meinen: Es ist nicht von Eisen wie das Stück in meiner Hand. Von dem Schema der Re- alisation sind wir nicht losgekommen. Ist es nicht doch so, daß eben nicht das Eisen oxydiert, sondern das Stück in meiner Hand als Eisen, das aben nur spezifisch eines ist mit einem andern Stück, was nicht oxydiert? 1 Vergl. dazu die späteren Ausführungen des Textes. 2 Lipps, Untersuchungen 17