haupt verglichen werden. Diese,,quantitative" Identität ist eine andere als die Identität im Fall der Farbe, zu der als Korrelat die bloße Verschiedenheit gehört. Identität im Sinne von Nichtverschiedenheit ist überhaupt keine Relation. Und ebensowenig als Identität im Bezug auf einen Gegenstand angesetzt werden kann (und erst recht nicht im Bezug auf jeglichen Gegenstand überhaupt, wie es der Satz der Identität verlangt), besteht die Verschiedenheit als bloß logische Relation zwischen sog. Gegenständen als solchen, d. i. unangesehen von deren (Gleichheit oder Ungleichheit begründenden) Merkmalen. Verschieden ist z. B. die Farbe" hier und dort. Sie ist es insofern, als dieses hier eine andere Farbe ist als das dort. Zur Verschiedenheit bedarf es aber nicht deshalb etwa keiner Hinsicht, in der sie statthätte (wie z. B. die Ungleichheit), weil hier Dinge aufeinander be- zogen wären lediglich auf Grund dessen, daß sie überhaupt aber gleichgültig dabei, was für einen eigenen Bestand sie haben. Die Verschiedenheit wird viel- mehr ebenso wie die Identität ausgesagt von ,,der Farbe" bzw.,,den Far- ben", aber nicht von denjenigen, die tatsächlich eine Farbe“ sind. Man kann sagen, daß Identität und Verschiedenheit nie dort gründen, wovon sie ausgesagt werden. Sie kennzeichnen nicht. Wendet man hier etwa ein, Rot sei ja doch ver- schieden von Grün, so bemerkt man nicht, wie sich dann diese angebliche Ver- schiedenheit darauf reduziert: Rot sei nicht Grün. Freilich ist man gewohnt, Identität auch entsprechend als a=a zu formulieren. Recht besehen, ist das aber weiter nichts als die bloße Wiederholung einer These. Im besonderen ist die Identität keine reflexive Relation. Mit der For- mel aa können wir nur einen Sinn verbinden im Fall der mathematischen Formulierung, daß jede Größe sich selbst gleich ist. Dieser Satz ist aber weder wahr noch richtig in irgendeinem Sinne, vielmehr kann er nur als Axiom in Ansatz gebracht werden. Er kommt heraus als die irreduzible Wurzel gewisser mathematischer Theoreme. Fürs erste betrifft also dieser Satz keine Identität, sondern eine Gleichheit. Und zwar keine Gleichheit von Dingen, son- dern von mathematischen Größen. Also eine Gleichheit, die nur durch eine ma- thematische Gleichung als Transformation der einen Seite in die andere formu- liert werden kann. Die Reflexivität tritt erst dann zutage, wenn man das, was auf den beiden Seiten der Gleichung steht, unter eine Supposition nimmt, die von derjenigen, unter der die beiden Seiten der Gleichung in dieser Gleichung stehen, verschieden ist. Nämlich unter gegenständliche Supposition. Unter dieser Sup- position kann man dann sagen, daß in gewissen Gleichungen wie in 2 = 2 auf beiden Seiten,,dieselbe" Zahl" steht und daß insofern dann erst 2 mit sich selbst gleich sei. Also: Gerade die Identität selber ist kein e reflexive Beziehung. Denn ,,dasselbe“ sind ja hier die Zahl auf der einen Seite und die Zahl auf der anderen Seite der Gleichung. Die Identität kommt lediglich als orientierende Kategorie vor. Das, wovon sie ausgesagt wird, bzw. das, was sie in Beziehung setzt zu einem anderen, ist nicht an sich selbst etwa identisch. Die Reflexivität beschränkt sich auf die Gleichheitsbeziehung. Und dort ist sie zu finden zu- folge davon, daß beide Seiten der Gleichung außerhalb dieser Gleichung sich als dasselbe herausstellen. Wobei nur eben zu beachten bleibt, daß es trotzdem und gerade deshalb eine echte reflexive Beziehung ist, weil die Zahl selbst in diese verschiedenen Dimensionen hineinbezogen worden ist. Es gibt also keinen ,,Satz der Identität“. Höchstens ein Schema, eine Formel, die von Fall zu Fall als dieselbe wieder auftritt, wo von Identität die Rede ist. Aber diese Gestalt der Identität ist kein formales Gerüst im strengen Sinn. Nämlich nichts, was dasjenige, was in dieser Gestalt nun je verschieden auftritt, in irgend welche Folgen verwickelte. Man findet nichts, wo eine,,Gel- tung" ansetzen könnte. 12