Die Schwierigkeiten, die im Begriff des Dinges mit seinen Eigenschaften enthalten sind, hat Herbart angegeben¹:,,Das Was der Dinge wird uns durch die Sinne nicht bekannt. Denn Erstlich die sämtlichen, in der Wahrnehmung gegebenen Ei- genschaften der Dinge sind relativ. Die Umstände mischen sich nicht bloß ein in die Wahrnehmung, sondern bestim- men sie dergestalt, daß offenbar die Dinge diese Eigen- schaften ohne diese zufälligen Umstände gar nicht haben wür- den. Ein Körper hat Farbe; aber nicht ohne Licht; was ist nun diese Eigenschaft im Dunklen? Er klingt; aber nicht ohne Luft: Was ist diese Eigenschaft im luftleeren Raume? Er ist schwer; aber nur auf der Erde; auf der Sonne wäre seine Schwere größer; im unendlichen leeren Raume wäre sie nicht mehr vor- handen. Er ist zerbrechlich, wenn man ihn bricht: hart oder weich, wenn man in ihn eindringen will; schmelzbar, wenn Feuer dazu kommt; - und so gibt keine einzige Eigenschaft dasjenige an, was er, ganz ruhig gelassen, für sich selbst ist. - Zweitens: die Mehrheit der Eigenschaften verträgt sich schlech- terdings nicht mit der Einheit des Gegenstandes. Wer auf die Frage: was ist dieses Ding? antworten will, der antwortet durch die Summe seiner Kennzeichen; nach der Formel: Dies Ding ist a und b und c und d und e. Wollte man diese Ant- wort buchstäblich nehmen, so wäre sie ungereimt, denn die Rede war von Einem, also nicht von Vielem, das bloß in eine Summe sich zusammenfassen, aber zu keiner Einheit sich ver- schmelzen läßt. Aber man soll die Antwort so verstehen, das I Lehrbuch zur Einleitung in die Philosophie 2. Aufl. § 97. 7