nichts ,,Unmögliches". Daß nur ,,die eine von beiden wahr sein kann", vernichtet nicht die andere. Was einander widerspricht, schließt gerade insofern einander nicht aus (in dem eigentlichen Sinn dieses Wortes, in dem etwa,,widersprechende“ Merkmale eines Gegenstandes tatsächlich einander ausschließen). Ist der Widerspruch ein negatives Kriterium der Wahrheit? Bolzano bemerkt hierzu: „Kriterion, d. i. Kennzeichen (be- jahendes oder verneinendes Kennzeichen), einer Sache pflegen wir eigentlich nur eine solche Beschaffenheit zu nennen, deren Bemerkung uns behilflich werden kann, das Vorhanden- oder Nicht-vorhanden seyn der Sache zu erkennen. So würde ich also gar nichts dagegen haben, wenn man das Vor- handen seyn eines Widerspruches unter gegebenen Sätzen A, B, C, S für ein Kriterion oder Kennzeichen von dem Um- stande, daß sie nicht alle wahr sind, erkläret; denn die Be- merkung jenes Widerspruches kann uns wirklich gar oft zu der Erkenntnis dieses Umstandes leiten. Wir ersehen zuweilen, daß gewisse, uns vorliegende Sätze nicht alle wahr sind, wirklich nur daraus, weil sie auf einen Widerspruch führen. Dieses Vor- handenseyn eines Widerspruches zwischen gegebenen Sätzen ist aber... keineswegs ein Satz, weder der Satz der Einstimmung noch der des Widerspruches"¹). Wenn man vom Satz des Widerspruchs als von einem Kriterium der Wahrheit spricht, so versteht man darunter ein Kennzeichen, das an dem erfüllt ist, was einander widerspricht, und das dann anzeigt, daß man sich gewisser Folgen zu vergewärtigen hat. So wie etwa gewisse Seiten- und Winkelverhältnisse Kriterium sind für die Kongruenz 1) Bolzano, l. c. S. 203 ff.,,Müssen wir in der Tat erst bemerken, daß ein vorliegender Satz,,dem Satze des Widerspruchs" widerspreche, bevor wir ihn falsch finden können?... Die Wahrnehmung, daß er was immer für einer von uns mit Sicherheit erkannten Wahrheit widersprechet, genüget uns, seine Falschheit anzuerkennen.... Man wird sich also nicht wundern, daß ich... nicht geneigt war, der Aufstellung dieser Sätze einen eigenen Abschnitt der Logik zu widmen; zumal da ich eben nicht finde, daß Jene, die Dieß gethan, einen besonders wichtigen Gebrauch von denselben gemacht, oder durch ihre Aufstellung sich in den Stand gesetzt sahen, gewisse andere Lehren gründ- licher oder geordneter, als ohne sie, vorzutragen.“ 80