oder nicht kennt - hat insofern nicht die,,Existenz" im Sinne des Vorhandenseins. Im Begriff des,, Gegenstandes" hatte die Frage nach dem, was denn existiert, unter der Hand eine Antwort bekom- men, die gegenüber diesem Unterschied von Vorkommen und Vor- handensein indifferent war. Man bemerkt die verführerische Leich- tigkeit, in der Folge so etwas anzusetzen wie die existenten,,Ver- einzelungen von" Eisen usw. Die Existenz tritt dabei geradezu als principium individuationis auf. Indessen: das, was Merkmalen subsistiert, kann von anderem nur spezifisch different sein1*). Freilich die Eigenschaften,,bedeuten" nur Merkmale. Und gerade sofern sie inhärieren, kehren sie eine andere Seite zu: Denn die Inhärenz bezeichnet gerade die Wendung, unter der etwas z. B. als,,Farbe“ überhaupt genommen wird. Farbe ist eine Kategorie wie Stoff, typische Erscheinung usw. Daß aber das, was inhäriert, nur als gelb, d. i. als diese bestimmte Farbe anzugeben ist, zeigt, wie im Vollzug dieser Angabe die Frage, auf die sie ant- wortet, eine andere Wendung erfuhr. Und sonst wäre die Frage nach demjenigen, was inhäriert, auch gar nicht zu beantworten. Denn Inhärenz von gelb meint, daß etwas (anderes) gelb „ist“; gelb wahrt aber hier nicht sein Was, so als ob es nur zu dem anderen mit,,gehörte" wie ein Merkmal, mit dem das ausge- stattet wäre, was gelb zur Farbe,,hat". Und wiederum : dann, wenn gelb Merkmal ist, ist es freilich gerade in der Lage, in seiner nur spezifischen Differenz zu anderen festgehalten zu werden, sofern es ja doch dann nur hier und dort je vorkommt. Es gibt aber kein ,,existierendes“ Gelb, d. i. nichts, was in Wirklichkeit,,gelb“ wäre, in dem Sinn, wie in der Ausstattung eines Gegenstandes ― Die Tatsache der Täuschungen kann nur die Sicherheit des Sehens usw. treffen. D. i. also etwas, was primär gar nicht dem Sehen, sondern nur dem- jenigen zukommen kann, was als das Gesehene ausgelegt worden ist. Aber gerade zufolge ihrer Gewißheit sind die Sinne eingestellt in das Wahr- nehmen. Daß man die Wahrnehmung gerade zufolge ihrer Sinnlichkeit als einen direkten Zugang zu den Dingen nimmt und ihr eine verbürgende Funk- tion zuspricht, stellt sich demnach lediglich als eine Lehre dar, die man hermeneutisch auf ihre Motive zurückleiten, die man aber nicht eigentlich diskutieren kann. 1*) Teil I S. 53. 61