- Gesten wird die Rede unterstützt. Vokabeln und Wendungen sind das bereite Inventar, zu dem die Rede greift, um etwas aus- zudrücken. Die grammatischen Konstruktionen sind ihre Mittel¹). Durch den Genitiv z. B. wird eine Beziehung hergestellt, die nur in der Rede faßbar wird. Was ein bestimmtes Wort im Genitiv be- deutet, — ob ein bestimmter genitivischer Ausdruck in der Sprache der Grammatiker ein genitivus objectivus oder g. possessivus ist, bleibt notwendig,,zu erraten“. Die Rede greift je nach den Um- ständen Bezüge auf²). Das, worauf die Rede aus greift, ist in der Aussage herangezogen. Die,,Aussage" bezeichnet nur eine Seite der Rede; sie ist das, woran man sich z. B. hält oder was etwa auf seine Richtigkeit hin geprüft werden kann. Man redet über etwas. Dabei spricht man aber sich mit aus darüber. Nämlich jemand anders gegenüber. Auch dieser aber sofern er nämlich mir zuhört oder auf mich (hin) - 1) Principium efficiens constructionis est duplex, scil.: extrinsecum et intrinsecum. Intrinsecum sunt modi significandi respectivi, ratione quorum vel unum constructibile est ad alterum dependens vel alterius depen- dentiam determinans...; Et hi modi significandi dicuntur efficere con- structionem pro tanto quia praeparant et disponunt constructibilia ad actualem unionem, quae fit per intellectum. . . Sed principium efficiens extrinsecum est intellectus qui constructibilia per modos significandi disposita et praeparata actu unit in constructione et sermone... Et dicitur intellectus principium extrinsecum, quasi extra constructibilia ma nens. (Duns Scotus, l. c. § 187.) 2) Die grammatische Funktion des indogermanischen Verbums ist dadurch bestimmt, daß das indogermanische Verbum im prägnanten Sinn Zeitwort ist. Das ist es freilich nicht deshalb, weil dasjenige, was verbal ausgedrückt wird, insofern auf,,die Zeit" als etwas darin ablaufendes usw. bezogen wäre, wobei man sich eine bestimmte,,Vorstellung" von beidem macht: von der ,,Zeit“ ebensowohl als von demjenigen, was man einen „ablaufenden Vorgang“ nennt. Es liegt vielmehr gerade umgekehrt. In,,Aktionsart“,,,Tempus" usw. werden gerade die Wendungen faßbar, unter denen die,,Zeit" ursprünglich begegnet. Man findet sie ursprünglich als ,,Zeitlichkeit“, nämlich als eine je bestimmte Bezüglichkeit, z. B. eben als Zeit,,stufe" usw. (cf. Heidegger, l. c. S. 349.) Die Bedeutung eines Verbums ist aber das, woraufhin seine Nennform gebildet wird. Was laufen,,ist", ist nun in demselben Sinn in- definibel wie etwa,,das (bestimmte) Tier“, was Löwe,,heißt“, nur als etwas, was überhaupt irgendwie,,heißt", seiner Kategorie nach zu finden war. Was in laufen getroffen ist, ist durch einen allgemeinen Ausdruck wie,,Vorgang“ oder,,Tätigkeit" nicht zu fassen. Denn der allgemeine und,, abstrakte“, weil nachgetragene Begriff, unter dem dies und jenes als Vorgang genommen werden kann, ist nicht die je besondere und antizipierte Bedeutung, auf die hin es ursprünglich angesprochen und die in das Wort als dessen Bedeutung gebannt ist. - - - 29