aber eben auch insofern nicht intentional wie ein Gegenstand als identifizierbar,,gemeint" werden kann. Im Wort wird das Objekt insofern,,bestimmt“, als durch das Wort die Wendung festgelegt ist, unter der es genommen und auf die hin es angesprochen wird¹). In der Sprache erlernt man nicht nur die Wörter für etwas, was,,gegeben" und ohnedies schon bekannt wäre. In den Vokabeln bekommt man vor allem Sachen zu fassen. Wenn ich z. B. den Namen einer Farbe er- fahre, so wird in dem Namen nicht bloß — wie in einem Zeichen- ein bestimmter Empfindungsgehalt festgehalten bzw. als dieser sinnliche Eindruck beliebig reproduzierbar gemacht. Der Be- griff rot wird nicht dadurch gewonnen, daß von verschiedenen (bei verschiedenen Gelegenheiten gesehenen),.Farben" etwas Gemeinsames abstrahiert wird. Mit dem Wort rot ist weder ein solcher von irgendwoher gewonnener,,Begriff“, noch eine ,,Bedeutungsintention" verbunden, die in einem,,am Objekt erscheinenden Rot-Moment" erfüllt werden könnte. Die Be- deutung von rot kann überhaupt nicht in dieser schlicht deik- tischen Weise,,erfüllt“, sondern nur interpretiert werden²). Nur dadurch kann man dasjenige kennen lernen, was rot ist, daß man dieses Wort zunächst einmal überhaupt als einen Namen versteht. Die,,Bedeutungen“ sind nichts Dazwischen- geschobenes. Die Wörter ,,bedeuten". Das meint aber: Die 1) H. Plessner (Die Einheit der Sinne 1923, S. 153) spricht von der ,,syntagmatischen Begrenzung" des Gegenstandes durch die vokabuläre Bedeutung. 2),,Denn keine Gattung der Vorstellungen kann als ein bloß empfangen- des Beschauen eines schon vorhandenen Gegenstandes betrachtet werden. Die Thätigkeit der Sinne muß sich mit der inneren Handlung des Geistes synthetisch verbinden, und aus dieser Verbindung reißt sich die Vorstellung los, wird, der subjektiven Kraft gegenüber, zum Objekt, und kehrt, als solches aufs neue wahrgenommen, in jene zurück. Hierzu aber ist die Sprache unentbehrlich. Denn indem in ihr das geistige Streben sich Bahn durch die Lippen bricht, kehrt das Erzeugnis desselben zum eigenen Ohre zurück. Die Vorstellung wird also in wirkliche Objektivität hinüberversetzt, ohne darum der Subjektivität entzogen zu werden. Dies vermag nur die Sprache; und ohne diese, wo Sprache mitwirkt, auch stillschweigend immer vorgehende Versetzung in zum Objekt zurückkehrende Objektivität ist die Bildung des Begriffs, mithin alles wahre Denken, unmöglich." (Humboldt, l. c. S. 52/53.) 22