Die Bedeutung einer Geste ist aber - so sicher als die Geste diese Bedeutung hat und nicht nur durch die Geste etwas- bedeutet wird, noch nicht ,,Bedeutung" im Sinne einer Wort- bedeutung. Der Terminus,,bedeuten“ gestattet die Wendung: ,,eine Geste bedeutet lediglich die Zustimmung, die das Wort ja z. B. „ist“. Die Bedeutung des Wortes ja ist seine Bedeutung. Das meint: Das Wort hat nicht nur eine Bedeutung. Und von seiten der Bedeutung aus: Die Bedeutung ist mit dem Wort nicht nur ,,verbunden“. Die Bedeutung einer Geste war anzugeben. Z. B. als,,Zustimmung“. Man weiß, was mit der Geste,,gemeint“ ist. Die Bedeutung eines Wortes ist aber überhaupt nicht so schlicht und geradezu,,anzugeben“. Die Bedeutung eines Wortes ist nur dadurch zu fassen, daß sie vollzogen wird. Man erfaßt sie z. B. dadurch, daß man prüft, wie das Wort zu dem,,paßt," was man meint. Oder auch in der Wandlung, die die Bedeutung erfährt, wenn man das Wort (!) zu übersetzen versucht. Denn sie ist die „Substanz" dieses Wortes¹). Man hört, was gesagt wird. Man vernimmt die Worte. Der Laut ist frei von der Körperlich- keit, die die Geste belastet. Das Sprechen ist kein „Gestalten“. Der flüchtige Laut kann nur geprägt werden, und er ist nur durch dasjenige,,bestimmt", was,,in ihm liegt “2). Durch die 1) „Die Absicht und die Fähigkeit zur Bedeutsamkeit, und zwar nicht zu dieser überhaupt, sondern zu der bestimmten durch Darstellung eines Gedachten, macht allein den articulierten Laut aus, und es läßt sich nichts anderes angeben, um seinen Unterschied auf der einen Seite vom thierischen Geschrei, auf der anderen vom musikalischen Ton zu bezeichnen. Er kann nicht seiner Beschaffenheit, sondern nur seiner Erzeugung nach be- schrieben werden, und dies liegt nicht im Mangel unserer Fähigkeit, sondern charakterisiert ihn in seiner eigenthümlichen Natur, da er eben nichts als das absichtliche Verfahren der Seele, ihn hervorzubringen, ist, und nur so viel Körper enthält, als die äußere Wahrnehmung nicht zu entbehren vermag. (W. v. Humboldt, Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus, 1836 S. 65/6.) 44 2) Vgl. Teil I, S. 80: Die im Entstehen sich entscheidende Sinnesqualität reicht gerade als diese Bestimmtheit nicht hinein in die Zuständlichkeit des Körpers, der andererseits gerade in seiner Zuständlichkeit sichtbar oder laut usw. geworden ist. Die Geburt der Qualität ist wohl zu begreifen — wie etwa Goethe das in der Farbenlehre versucht hat - aber prinzipiell ist nicht anzu- geben, was denn nun eigentlich Farbe und Ton (geworden) seien. Sicherlich - 18