Gebärde ist Ausdruck der auf mich bezogenen Absicht, mich auf etwas hinzulenken, was in re zu finden ist. Die Gebärde,,meint“ aber hier nichts. Sie hat keine,,Bedeutung" in dem Sinn, wie z. B. das Kopfnicken Zustimmung bedeutet. Nämlich Zustimmung ,,besagt". Die Zustimmung wird dabei nicht nur in dem Sinn ausgedrückt, wie etwa das Verziehen der Mundwinkel,,Ausdruck“ eines Mißfallens ist. Das Verziehen der Mundwinkel deutet ledig- lich auf etwas; das Mißfallen zeigt sich darin an, und ist spürbar da in der Gebärde. Diese Gebärde meint aber hier nichts. Auch dann nicht, wenn ich das Mißfallen mir absichtlich durch diese Gebärde merken lasse. Durch das Verziehen der Mundwinkel kann ich wohl jemanden täuschen über meine Stellung zu etwas. Die Gebärde kann unecht sein. Ich würde aber dabei nicht lügen. Denn Lügen sind nur auf der Basis eines unmittelbaren Vernehmens möglich. Das ,,etwas deuten" ist aber eine Art des sich-mit-etwas-befassens. Gegen eine Lüge kann man sich nicht so wehren wie gegen eine Täuschung, als deren Objekt ich getäuscht werde. Das Kopfnicken wird aber nicht als Zustimmung nur eben von mir,,gedeutet". Wobei meine Deutung richtig oder falsch sein könnte. Das Kopfnicken hat vielmehr eine Bedeutung. Man versteht, was ,,gemeint" ist. Das Verständnis bezieht sich hier nicht wie im Fall der Miene - auf dasjenige, was begriffen und daraufhin als etwas Bestimmtes, nämlich als ,,Mundver- ziehen über..." angesprochen wird. Das Kopfnicken ist über- haupt keine,,Gebärde“, die als Ausdruck, sondern eine Geste", deren Bedeutung verstanden wird. ,,Ausdruck sein",,,mir etwas bedeuten" (im Sinn von mir etwas zu verstehen geben),,,eine Bedeutung haben" bezeichnen eine je andere und spezifische,,Wendung", unter der die sog. Ge- bärde aufgefaßt wird. (Die Möglichkeit einer so allgemeinen Bezeichnung wie,, Gebärde“ ersteht aber allererst in der Richtung auf andere Bezüge. Diese sind nicht in dem Sinn,, ursprünglich", wie die, unter denen etwas als Geste oder als Miene usw. ,,behandelt" wird.) 99 - 2 17