Sicherlich: Die Gebärden sind nicht ohne weiteres und nicht nur,,Zeichen". Bezeichnet-werden meint: mit einem bestimmten Zeichen versehen und dadurch in der Folge gekenn- zeichnet sein. Oder: von jemand bezeichnet sein, etwa dadurch, daß darauf gezeigt wird. Nur im ersteren Falle gibt es so etwas wie,,Bedeutung". Das Zeichen bedeutet etwas Bestimmtes. Nämlich als Merk- oder Kennzeichen. Man ,,versteht“ seine Be- deutung. Und diese betrifft den Träger des Zeichens. Als Merk- oder Kennzeichen stellt sich dabei etwas meist allererst unter einer bestimmten Wendung dar. Die Roseola, die für das zweite Stadium des Typhus symptomatisch ist, wird ursprünglich als eine,,Erscheinung" verstanden, d. i. als etwas, in dem sich etwas anderes zeigt. Sie,,dient nur" als Merkzeichen. Anders liegt es wieder z. B. bei dem Wegweiser. Das Zeichen-sein-für ist hier der Bezug auf mich, unter dem ich den Wegweiser treffe. Man ,,nimmt ihn" als Wegweiser, wenn man sich danach orientiert. Man,,versteht dabei lediglich die Weisung, die er gibt. Der Wegweiser,,bedeutet mir, daß es . . ." in dem Sinn, als er es mir ,,zu verstehen gibt". In dem Zeichen, in der Art seiner Ausge- staltung, kann aber überdies noch etwas zum Ausdruck kom- men. Z. B. durch das Siegel das Unabänderliche einer Erklärung, die nur von daher überhaupt,,gilt". Das ist die Bedeutung des Siegels. Das Siegel ist dabei kein bloßes Zeichen, unter dem einem etwas anderes schon ohnedies Vorhandenes nur eben zu-ver- stehen-gegeben würde¹). 66 Es gibt Gebärden, die nur hinzeigen; man versteht hier die Hindeutung. Die Gebärde wird dabei unter dem Horizont einer umfassenderen Umsicht genommen. Die Gebärde ist etwas, was man im Felde der Erfahrung,,bemerkt“. Nur zufolge dessen, daß sie so eingestellt ist in gewisse Bezüge,,,bedeutet-sie-mir". Näm- lich insofern, als sie meinen Blick lenkt auf etwas. Eine solche 1) Der hier hervorgehobene Unterschied besagt nichts über konventionell bzw. nichtkonventionell. Konventionell ist z. B. auch das Siegel. Nämlich so- wohl hinsichtlich dessen, was es ausdrückt, als auch hinsichtlich seiner Aus- gestaltung. 16