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 IV. Der Wertgedanke. 
 
 Vorzeichen haben. Man sieht in solchem Lichte besonders deutlich, wie 
 der Wert dem Werterlebnis als etwas völlig verschiedenes gegenüber- 
 steht. Um von solcher Zweiheit zu der sich im Wertgedanken tatsächlich 
 darbietenden Einheit zu gelangen, dazu steht der Konzeption des persön- 
 lichen Wertes, wie wir sahen, eben die Bezugnahme auf das Subjekt 
 und dessen Interesse zu Gebote. Es fragt sich nun beim unpersönlichen 
 Wert, was hier, wenn die Relation zum Subjekt wegfällt, die gleichsam 
 einigende Funktion dieser Relation zu ersetzen imstande sein mag. 
 
 Inzwischen dürfte die in der Zweiheit der charakteristischen Wert- 
 erlebnisse gelegene Schwierigkeit beim unpersönlichen Werte deshalb 
 außer Betracht kommen, weil hier eines dieser Erlebnisse zur Charak- 
 teristik der Wertsachlage allemal genügt. Das hat seinen Grund in der 
 natürlichen Zusammengehörigkeit der Gegengefühle, von der wir sahen^ 
 daß sie nur durch die dispositionelle Beschaffenheit des Subjektes gestört 
 werden kann. Ist nämlich einmal, worauf noch ausdrücklich zurückzu- 
 kommen sein wird, der Gegensatz von berechtigt und unberechtigt als 
 auch auf Gefühle anwendbar anerkannt, dann ist vor allem die Frage, 
 ob einem gegebenen Gefühle ein gewisses Gegengefühl sozusagen an- 
 gemessen sei oder nicht, zunächst jedenfalls prinzipiell einwandfrei. 
 Weiter ist nun klar, daß zwischen in dieser Weise zusammengehörigen 
 Gegengefühlen der Natur der Sache nach das Verhältnis der Stärke- 
 gleichheit bestehen wird: wessen Sein große Freude bereitet, dessen 
 Nichtsein bereitet von Haus aus großes Leid, und bei schwachen Seins- 
 gefühlen ist ebenso auf schwache Nichtseinsgefühle zu rechnen. Erst 
 eine Verschiebung in den Gefühlsdispositionen des Subjektes, wie sie 
 namentlich durch Gewöhnung sich vollzieht, kann hieran etwas ändern. 
 Natürlich hat aber, auf diese Eventualität Bedacht zu nehmen, dort 
 keinen Sinn, wo das Subjekt aus der ganzen Betrachtung ausgeschaltet 
 ist. Der unpersönliche Wert ist durch Größe und Vorzeichen bloß eines 
 der beiden Werterlebnisse in völlig ausreichender Weise charakterisiert. 
 
 Wird nun aber zwischen den beiden einander nach Vorzeichen wie 
 Voraussetzungsobjektiv entgegengesetzten Wertgefühlen nicht wenigstens 
 eine Auswahl zu treffen sein? Offenbar nicht: der positive Wert zum 
 Beispiele besteht weder in Seinsfreude noch in Nichtseinsleid; aber 
 Seinsfreude wie Nichtseinsleid sind gleich adäquate Weisen, den betreffen- 
 den unpersönlichen Wert zu erfassen. Offen bleibt dabei vorerst freilich 
 die Frage nach der sozusagen authentischen Stärke der fraglichen Wert- 
 haltung und es liegt mindestens nahe genug, zu vermuten, man werde 
 da über relative Bestimmungen überhaupt nicht hinauskommen können. 
 
 Noch eine Konsequenz in Bezug auf die Natur des Wertes wird 
 dem Dargelegten unschwer zu entnehmen sein. Ist es der nämliche 
 Werttatbestand, der etwa in der Seinsfreude wie im Nichtseinsleid 
 gewisser Stärke zu Tage tritt, dann kann dieser Wert nicht etwa durch 
 eines dieser Wertgefühle kurzweg für präsentiert gelten: zwei so ver- 
 schiedenen Quasi-Inhalten kann nicht wohl derselbe Gegenstand gegen- 
 
 1 Vgl. oben S. 87. 
 
 
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 § 7. Der nnpersönliche Wert. ^o^ 
 
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 überstehen Um so näher liegt die Vermutung, man möchte es im Werte 
 mit emem Gegenstand zu tun haben, dem im Vergleich mit dem ein 
 fachen Werthaltungsdignitativ^der Rang eines Gegenstandes höhereTo S- 
 nung zukommt. An sich ist,^wie ich an anderem Orte' gezeigt habe 
 schon jedes D,gnitativ ein Gegenstand höherer Ordnung so^ufwie ein 
 Objektiv oder Des.derativ. Unsere beiden zusammengehörten Wert 
 haltungsd.gnitat.ve erinnern aber in ihrer Übereinstimmung trotz völliger 
 Verschiedenheit doch unverkennbar an die Gleichheit der Melodien die 
 aus Tonen von beziehungsweise durchaus verschiedener Höhe zusammen- 
 gesetzt sind. Auf eine eigentliche Definition des unpersönlichen Wertes 
 Z'nnl'fi °^^ durch eine solche Aufstellung wohl endgültig verzichtet: 
 d.e Undefinierbarkeit des unpersönlichen Wertes würde nicht der von 
 Farbe oder Ton, wohl aber der von Melodie oder Gestalt an die Seite 
 zu setzen sein. 
 
 Den so gewonnenen Bestimmungen gegenüber ist es nun von 
 besonderem Interesse, auch noch einmal auf den persönlichen Wert 
 zurückzugreifen und die Frage zu stellen, ob er sich mit dem unper- 
 sonlichen Werte zu e.nem einheitlichen Gedanken vereinigen läßt. Dazu 
 
 hwn^f 1^'V^i^ ^w°^^ '^"'''"''*' ^^°" ■»''° «^'« Rolle li Anschlag 
 bringt, die bei der Wesensbestimmung des unpersönlichen Wertes d^ 
 
 emotionalen Präsentation zufällt, auf die Bezug zu nehmen beim per- 
 sönlichen Werte keine Gelegenheit zu sein schien, während nun um- 
 gekehrt das, was uns beim persönlichen Werte als Werterlebnis beeeenet 
 ist, beim unpersönlichen Werte außer Betracht bleiben konnte. Hat es 
 nun vor allem mit so weitgehender Verschiedenheit seine Richtigkeit? 
 Zunächst kann man keineswegs sagen, daß emotionale Präsentation 
 dort, wo persönlicher Wert vorliegt, keine Stelle hat. Hat jemand sein 
 Herz an den Besitz von Geld und Gut oder an wesenlose Äußerlich- 
 keiten gehangt, so mag leicht unpersönlicher Wert dabei in jeder Hin- 
 sicht ausgeschlossen sein. Liegt aber gleichwohl das Werterlebnis zu- 
 nächst das Wertgefühl vor, so präsentiert dieses doch auch dann seinen 
 Gegenstand und es ist zum mindesten sehr die Frage, ob das so Präsen- 
 ^TJ, T 'm . ^T^ ?""'' tatsächlich erfaßt wird und dieses Erfassen 
 einen Teil des Werterlebnisses auch unter den Umständen, die den 
 persönlichen Wert kennzeichnen, ausmacht. Ein Recht freilich den 
 
 w»rl?r,,,^'*'^"*'^''f •*^^^^°'*"'''* ^•"" «"geeigneten Gegenstande des 
 Wertgefuhles zu pradiz.eren, wird dann fehlen. Abe*die ganze Sach- 
 läge steht der beim unpersönlichen Werte doch um vieles näher, als 
 wenn d.e Präsentation sozusagen eine Art Vorrecht des unpersönlichen 
 Wertes ausmachte. 
 
 Wo möglich noch weniger steht aber natürlich im Wege, die fiir 
 den persönlichen Wert maßgebenden Werterlebnisse auch beim unper- 
 sönlichen Werte anzutreffen. Das Präsentieren ist ja auch beim unper- 
 sönlichen Werte geradezu Sache der Werterlebnisse, näher der Wert- 
 getuhle, denen ihren präsentierenden Funktionen nach nur immerhin die 
 
 ^ „über emotionale Präsentation", § 11. 
 M ein OD g, Zur Grundlegung der allg. Werttheorie. 
 
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