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 IV. Der Wertgedanke. 
 
 Zweifel, daß etwa von werktätiger Treue und Liebe nicht leicht jemand 
 behaupten wird, daß, wer ihr vor Falschheit und Bosheit einen Wert- 
 vorzug beimißt, darin im Grunde weder recht noch unrecht habe. Es 
 scheinen also ganz positive Gründe dafür zu sprechen, daß es neben 
 den sozusagen intellektuellen Wertirrtümern auch noch sozusagen emo- 
 tionale gibt. Das wirft dann aber auf die Natur der sich vor dem 
 emotionalen Forum bewährenden Werte ein neues Licht. 
 
 Solansje nämlich die Wahrheit der wahren, die Falschheit der ein- 
 gebildeten Werte nur in der Wahrheit, respektive Falschheit der Vor- 
 aussetzungsurteile gesucht werden darf, bleibt das Persönlichkeits- 
 moment durch diesen Gegensatz insofern unberührt, als das Wertvor- 
 zeichen und natürlich auch die Wertgröße doch zuletzt davon abhängig 
 bleibt, wie das Subjekt auf jene Voraussetzungsurteile emotional reagiert: 
 unbeschadet der Wahrheit der Voraussetzungsurteile kann dann immer 
 noch für den A Wert haben, was für den B Unwert hat. Stehen dagegen 
 die emotionalen Werterlebnisse dem Werte in irgendwie ähnlicher 
 Weise gegenüber wie die intellektuellen Erlebnisse den Tatsächlichkeiten, 
 dann ist ein derartiger Anteil der Erlebnisse am Werte, wie ihn der 
 persönliche Wert darbietet, doch ganz erheblich in die Ferne gerückt. 
 Ob etwas als Tatsache zu Recht besteht, hängt ja in keiner Weise 
 davon ab, ob dieses oder jenes Subjekt darüber affirmativ oder negativ 
 urteilt: eine solche Eventualität könnte nur primitivster Psycholcgismus 
 des Erkennens für diskutierbar halten. In analoger Weise aber wäre 
 es dann auch nicht minder psychologistisch, den wahren Wert in einem 
 potentiellen oder aktuellen Werterlebnis bestehen zu lassen. Sowie das 
 tatsächliche Objektiv als solches wahr bleibt in alle Ewigkeit, wie immer 
 es, ja ob es überhaupt von einem Subjekt erfaßt werde oder nichts 
 so bliebe dann der tatsächliche Wert ein wahrer Wert, gleichviel wie 
 und ob überhaupt ein Subjekt auf ihn reagiert. Und so wenig die 
 Wahrheit in irgend einem Sinne als persönliche Wahrheit angesehen 
 werden dürfte, so wenig Grund hätte man bei Werten der eben charak- 
 terisierten Art noch von persönlichen Werten zu reden. Man hätte es 
 da mit einem unpersönlichen Werte zu tun. 
 
 Schließlich sei in diesem Zusammenhange noch einer Tatsache 
 gedacht, der strikte Beweiskraft zwar nicht zukommt, umso sicherer 
 aber eine deutliche Tendenz zu einer solchen. Als es galt, dem Gedanken 
 des persönlichen Wertes zwischen den Extremen des reinen Aktual- 
 und des reinen Potentialbegriffes die ihm zukommende Stelle anzuweisen,^ 
 fanden wir den reinen Aktualbegriff unbrauchbar: der Wert ist niemals 
 das Werterlebnis. Vom reinen Potentialbegriff aber war keineswegs das 
 nämliche zu sagen: es ist durchaus sinnvoll, einem Objekte Wert bei- 
 zumessen im Sinne einer Eigenschaft, einer Fähigkeit, die sich freilich 
 nur an einem Subjekte betätigen kann, die dem Objekte aber zukommt, 
 ganz unabhängig davon, wie es mit dem Sein dieses Subjektes bewandt 
 ist. Als Wert für das Subjekt ist derlei schon recht schwer zu charak- 
 
 1 Vgl. oben S. 123 ff. 
 
 §7. Der unpersönliche Wert. 
 
 Sef Wert Ju °!^'" T.«'"^"*""' Werterlebnisse, denen efn zuge! 
 
 solchen Tatbeständen^SSf:; ^f^^Z^'^^ir:'::^ 
 
 eLZuTT '°"""^' '^' ""»«i '° <^«r mfdernen Werttheorie d°e 
 Eventualität anderen als persönlichen Wertes nur ausnahmswS ernlt 
 haft ms Auge gefaßt findet. Nicht darum handelt es ^h dibr It 
 überhaupt Smn hat. das Moment der Persönlichkeit n die Wertbe'rachw 
 einzubeziehen : hierfür legen die zahlreichen Erfahrungen zu deutJ^pf 
 Zeugnis ab, die die Gebundenheit vieler Werte au ihr S^,Mptt,?nHH 
 
 R«i„ ^fnt l" ^^^'' r^'"''''' ""'«'• »"«1 Umständen ausgeschlossen 
 
 aus zur Kompetenz unseres Vorstellens und Denkens so 1 W^ hi^Wn 
 
 VotZjTn irn^"^"*"™'"- -^«"enTirntnLVeSin 
 erfZlTSuLZ f r\ ""( "'"^ obligatorische Relativität zum 
 erlassenden Subjekte. In der Regel meint man ganz im Gegenteil datt 
 wa^^rfaß^ werden soll, dem Erfassen eben'o unThSgig geget' 
 
 {vß. ÄfÄ„rÄarn"'l fi,T"--". - a. 0., S. 44. 
 ^ Vgl. oben S. 35. ' 
 
