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 IV. Der Weitgedanke. 
 
 § 7. Der unpersönliche Wert. 
 
 Unter solchen Umständen ist es der oben gegebenen Bestimmung 
 gegenüber in mehr als einer Hinsicht ein Gewinn, zu sagen: der 
 persönliche Wert eines Objektes besteht in dessen Eignung, vermöge 
 seiner Beschaffenheit und Position Gegenstand des Interesses an seinem 
 Sein und Nichtsein seitens eines Subjektes zu sein. Daß man hier nicht 
 etwa so formulieren dürfte : „Wert ist die Eigenschaft eines Objektes, 
 vermöge deren dieses das in Rede stehende Interesse auf sich zieht", 
 ist nach dem Obigen klar: das Interesse beruht eben nicht nur auf der 
 Beschaffenheit, sondern auch auf der Position des Objektes. 
 
 Nicht ohne Nutzen kann man nun, um das Wesen des persön- 
 lichen Wertes zu kennzeichnen, auch den Gedanken der Bedeutung 
 heranziehen, wie dies neuerlich wiederholt geschehen ist. Man muß dabei 
 nur der ohne Zweifel bestehenden Gefahr begegnen, sich durch das 
 Wort irreführen zu lassen. Im allgemeinen kann ja nämlich nichts 
 klarer sein, als daß man nur dann von der „Bedeutung" einer Sache 
 reden wird, wenn man den Bereich intellektuellen Erfassens in der 
 Richtung des Emotionalen überschreitet. Dies wird aber nicht wenig 
 durch die Ausnahme verdunkelt, die sich in dem besonderen Falle ein- 
 stellt, daß von der „Bedeutung" sprachlicher Ausdrucksmittel, etwa der 
 Wörter und Sätze gesprochen wird. Denn da fallen die Bedeutungen 
 zusammen mit den Gegenständen der ausgedrückten Erlebnisse^ so daß 
 ein Verlassen des Bereiches intellektueller Betrachtungsweise vorerst 
 noch gar nicht geboten erscheint. Ob freilich durch solche Anwendung 
 des Wortes „Bedeutung" nicht eben gerade das an sprachlichen Aus- 
 drücken in besonderem Maße Bedeutsame herausgehoben sein und so 
 das emotionale Moment am Ende auch da zur Geltung gelangen soll, 
 wie sich andererseits solches „Bedeuten" etwa zum „Hindeuten" ver- 
 hält, darüber ist natürlich nur die Sprachwissenschaft kompetent. Für 
 unsere Zwecke genügt es auf alle Fälle^ „Bedeutungen" in diesem 
 besonderen Sinne ausdrücklich auszuschließen. Nur ist freilich, was dann 
 übrig bleibt, trotz seiner Beschränkung auf das emotionale Gebiet für 
 unsere Zwecke insofern immer noch zu allgemein, als man ganz wohl 
 auch von einer theoretischen oder einer ästhetischen „Bedeutung" reden 
 mag, so daß in das Anwendungsgebiet des Wortes außer den Wert- 
 gefühlen auch die ästhetischen, logischen, ja wohl selbst die hedonischen 
 Gefühle einbezogen erscheinen. Wirklich kann auch, wer das Wort 
 ,Wert" weit genug verstehen will, nach dem Vorgange J. Kl. Kreibigs^ 
 den Wert als „Gefühlsbedeutung" definieren. Es ist indes bereits darauf 
 hingewiesen worden, warum es sich, ohne dem erweiterten Wert- 
 begriflfe jede Berechtigung abzusprechen, doch empfiehlt, im gegen- 
 wärtigen Zusammenhange den engeren Wertbegriff festzulegen. Dazu 
 ist natürlich eine Einschränkung des Bedeutungsbegriffes erforderlich, 
 die aber leicht genug dem Umstände zu entnehmen ist, daß es das Sein 
 und Nichtsein der Objekte ist, dem wir die Wertbetrachtung in so charak- 
 
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 1 Vgl. „Über Annahmen" 2, S. 25. 
 
 3 „Psychologische Grundlegung eines Systems der Werttheorie", Wien 1902. 
 
 tenstischer Weise zugewendet gefunden haben. Charakterisiert man also 
 die einem Objekte vermöge seines Seins, respektive Nichtseins zu- 
 kommende Bedeutung etwa durch den Ausdruck „Seinsbedeutung' so 
 kann man auch wohl sagen: der persönliche Wert eines Objektes ist 
 die (hesem nach Beschaffenheit und Position zukommende Se nsbedeu- 
 tung für em Subjekt. W M. Urbans Bestimmung des Wertes als „affektiv- 
 vohtionale Bedeutung«' steht einer solchen Aufstellung ziemlich nahl 
 
 abgeTehen Tstf '" '"' ''"^ "'"''" """^^""^ ''' Wertbegriffes 
 
 § 7. Der unpersönliche Wert.['8j 
 
 Pl^i^ loimgehenien durchgeführten Untersuchungen haben die 
 ausdrückliche Voraussetzung gemacht«, daß der Wert, in dessen Eigen- 
 art es emen Einblick zu gewinnen galt, der persönliche Wert sei ' Es ' 
 ist nun an der Zeit, die Frage aufzuwerfen, ob, diese Voraussetzung 
 zu machen, selbst schon im Wesen des Wertes begründet sei Wir 
 gelangen damit zu einem Thema, dem ich bereits an anderem' Orte« 
 naher zu kommen versucht habe. Auf die dort gewonnenen Ergebnisse 
 muß hier zuruckgegnffen werden, um in betreff der uns jetzt beschäftigen- 
 den Fragestellung zu einem natürlichen Abschlüsse zu gelangen 
 
 Da es uns mcht um die Herstellung einer willkürlichen Definition 
 des Wertes, sondern um die Beschreibung der im Werte sich dar- 
 bietenden Tatsächlichkeiten zu tun ist, hierzu aber zunächst möglichst 
 getreues Pesthalten des der wissenschaftlichen Bearbeitung vorgegebenen 
 Wertgedankens erforderlich erschien, verdient vor allem konstatiert zu 
 werden, daß diesem Gedanken die Bezugnahme auf ein Subjekt doch 
 nicht wohl obligatorisch sein kann. Gold, Edelsteine und andere „Kost- 
 barkeiten haben für den werttheoretisch Naiven ihren oft sehr 
 geheimnisvoll genommenen, Wert in sich. Sie haben dann freilich auch 
 Wert speziell für den Eigentümer oder Besitzer : das ist dann aber in 
 der Meinung unseres Naiven nur eine Art abgeleiteten Wertes, abgeleitet 
 von jenem inneren Werte, den man solchen Dingen vermöge ihrer 
 besonderen Natur zuschreibt. Solche Betrachtungsweise muß sich dann 
 freilich auf ökonomischem Gebiete recht weitgehende Richtigstellungen 
 gefallen lassen. Diese betreffen am Ende aber doch nur die Anwendung 
 unseres Wertgedankens, nicht diesen selbst, und auch in betreff der 
 Anwendung stellen sich die Dinge wesentlich anders, wo es sich um 
 den Wert des Wahren, Schönen und (ethisch) Guten handelt. Durchaus 
 auf gleicher Linie freilich rangieren die Glieder dieser altehrwürdigen 
 Tnas nicht. Wahres und Schönes leitet seinen Wert davon ab wahr 
 respektive schön zu sein, indes der Wert des Guten direkt dadurch 
 ausgemacht wird, daß es gut ist.» Darin aber zeigt sich volle Überein- 
 
 » Vgl. „Valnation", S. 26. 
 ' Vgl. a. a. 0., S. 31 ff. 
 ä Vgl. oben S. 12. 
 
 * J«'- »Über emotionale Präsentation", § 13. 
 
 * Vgl. „Über emotionale Präsentation" [§ 11, § 15] [89], 
 
 Meinong, Zur Grundlegung der allg. Werttheorie. 
 
 10 
 
 "». 
 
