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 IV. Der Wertgedanke. 
 
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 Potentialwertbegriff maßgebend sein muß, unter einen einheitlichen 
 Gesichtspunkt bringen lassen. Sofern nämlich, wie wir sahen, der 
 Potential wertbegriff durch die Eignung des ausgemacht wird, den 
 Gegenstand von Werterlebnissen abzugeben, insofern kommt es dabei 
 zunächst bloß auf die Beschaffenheit des an. Verlassen wir dagegen, 
 thetische Prädikate einbeziehend, den Standpunkt reiner Potentialität, 
 so gelangen wir, wie sich oben gezeigt hat, leicht genug dazu, das 
 in seiner Position zu dem für den persönlichen Wert unerläßlichen 
 S zu erfassen. Selbstverständlich steht aber, sofern auch die Umgebung 
 U mit einbezogen wird, nichts im Weg^ ebenso natürlich von einer 
 Position des gegenüber dem U zu reden. Schließlich kann der hin- 
 sichtlich S und U nur relativ verstandene Terminus „Position* nun 
 außerdem auch noch absolut verstanden und derart auf selbst ange- 
 wendet werden, daß damit (wie man ohnehin, vielleicht häufiger als 
 billig, von „Setzen" und „Gesetztsein" spricht) das Sein, respektive 
 das Nichtsein des gemeint wird, in guter Übereinstimmung damit, 
 daß für die Position des zu S und U nichts ausschlaggebender sein 
 könnte als dies, ob das betreffende S, respektive U überhaupt vorliegt. 
 Im Sinne solcher Erwägungen möchte ich, was als thetisches Prädikat 
 in den Wertgedanken einbezogen werden kann, unter dem Namen der 
 „Position des 0" der schon im Potential wertbegriffe zur Geltung 
 kommenden „Beschaffenheit des 0*" entgegensetzen. Wir können 
 dann im allgemeinen sagen: für den Wert eines Objektes kommt 
 es nicht nur auf seine Beschaffenheit, sondern auch auf seine, Position 
 an und es ist nun nur der Anteil dieser Position am Wertgedanken 
 noch einer etwas näheren Feststellung bedürftig. 
 
 Dieser Anteil ist im vorangehenden wiederholt darin zur Geltung 
 gekommen, daß dem Werte, den ein für ein S „hat", der Wert 
 gegenübertrat, den das für das S zwar nicht „hat", wohl aber „hätte", 
 wenn dieses oder jenes der drei Positionsmomente, eventuell auch nur 
 eine der namentlich für S oder U konstitutiven Bestimmungen, gegeben 
 wäre. Passend kann man insofern^ dort von „faktischem", hier von 
 bloß „hypothetischem Werte* reden und allgemein sagen: Muß eines 
 der Positionsmomente, respektive Teilmomente, deren thetische Prädi- 
 kation den faktischen Wert des ergibt, außerhalb des Bereiches dieser 
 Prädikation bleiben, so tritt bloß hypothetischer Wert an Stelle des 
 faktischen. Man darf aber, wie sich oben gezeigt hat, von keinem der 
 Positionsmomente behaupten, daß es zum Zustandekommen dessen absolut 
 uneriäßlich ist, was man in ungezwungener Redeweise als faktischen 
 Wert anerkennt. Ist also auch der Wert weder durch den reinen Aktual- 
 noch durch den reinen Potentialbegriff zu erfassen, so bietet doch die* 
 immer vollständigere thetische Determination des Potential wertbegrififes 
 durch die Positionsmomente, wir haben das die Aktualisierung des 
 Potentialwertbegriffes genannt, eine Reihe von Begriffen dar, deren 
 
 * Mit H. Mai er, „Psychologie des emotionalen Denkens", Tübingen 
 1908, S. 665. 
 
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 § 4. Beschaffenheit und Position beim Wertobjekt. Faktischer und iqt 
 
 hypothetischer Wert. ^' 
 
 keinem die Eignung abgeht, eine natüriiche, das heißt gelegentlich ange- 
 wendete Ausgestaltung des Wertgedankens auszumachen. Bei der Bildung 
 der Reihe kann natüriich auch vom Aktual wertbegriff ausgegangen und 
 durch Umwandlung einer thetischen Determination nach der anderen in 
 eine hypothetische die Annäherung an den Potentialbegriff erzielt werden • 
 ich habe das an anderem Orte^ als Potentialisation bezeichnet. Diese Poten- 
 tialisations- oder auch Aktualisationsreihe in Übersicht zu behalten, kann 
 aber davor bewahren, die Prä^isierung des natüriichen Wertgedankens in 
 Schranken einzuengen, die gegenüber den in concreto auftauchenden 
 kasuistischen Schwierigkeiten doch immer wieder durchbrochen werden 
 müßten. 
 
 Zu diesen gehört zum Beispiel die schon an anderem Orte^ an- 
 geführte Frage (Dr. Donald Fishers), ob die Goldschätze Kaliforniens 
 für dieses Land Wert hatten, ehe sie entdeckt waren. Wer hier den 
 Wissenszustand des Subjektes in den Wertgedanken thetisch einbezieht, 
 muß die Frage verneinen, indes, wer es nicht tut, sie ganz wohl bejahen 
 kann. Ob man es aber tut, wird am Ende einigermaßen arbiträr sein, 
 so daß eine Entscheidung zu suchen verlorene Mühe bleibt. Ähnlich 
 kann es natüriich mit Werten bewandt sein, die man Kindern oder 
 Schwachsinnigen unter dem Gesichtspunkte intellektueller oder emotionaler 
 Veranlagung ab- oder zusprechen kann, je nach Beschaffenheit des 
 verwendeten Wertgedankens. Ebenso wird es bei nichtexistierenden 
 Objekten leicht genug arbiträr sein, wie bald man sich ihnen gegenüber 
 sozusagen vom Standpunkte des faktischen auf den des hypothetischen 
 Wertes drängen läßt. Analoges auf dem Gebiete der Umgebung wird 
 begreiflicher Weise von geringerem Belang sein. Daß nichts leichter 
 wäre, als alle derartigen Schwankungen durch eine willküriich dekretierte 
 Definition zu beseitigen, versteht sich. Es dürfte aber für die Theorie 
 fruchtbarer sein, die hier tatsächlich voriiegende natüriiche Unfertigkeit 
 des Gedankens des persönlichen Wertes festzuhalten und daraus, wie 
 unten versucht werden soll, eventuell Konsequenzen zu ziehen. Neben- 
 bei verdient bemerkt zu werden, daß die kasuistischen Schwierigkeiten, 
 wenn sie den Bereich der thetischen Ergänzungsbestimmungen über- 
 schreiten, keineswegs im gleichen Maße unbesiegbar scheinen. Das 
 beleuchtet aufs beste die alte Frage, ob Eisen im Zentrum der Erde 
 Wert habe, sofern sich diese durch ein vorbehaltloses Nein beantworten 
 läßt. Denn kommt, wie nächstliegend, das Eisen ausschließlich als 
 Wirkungswert in Betracht, dann ist klar, daß dem, was wegen seiner 
 Eingeschlossenheit ins Erdinnere irgend welchen wertvollen Wirkungen 
 nicht dienstbar gemacht werden kann, eben die Eigenschaft fehlt, aus 
 der der Wirkungswert resultieren könnte. Wollte man dagegen die 
 Eventualität des Eigenwertes in Betracht ziehen (in welchem Falle es 
 freilich natüriicher wäre, zum mindesten Gold statt Eisen zum Gegen- 
 stande der Erwägung zu machen), dann müßte, was persönlichen Wert 
 
 1 „Für die Psychologie und gegen den Psycbologismus usw.", S. 6. 
 
 2 „Für die Psychologie und gegen den Psychologismus usw.", S. 8. 
 
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