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 IV. Der Wertgedanke. 
 
 
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 halten und daraufhin etwa den „unbeteiligten Zuschauer* als dieses 
 Subjekt in Anspruch nimmt, wird an der Existenz derartiger Subjekte 
 im allgemeinen zwar nicht leicht zweifeln, aber den Bewohner der viel- 
 berufenen „einsamen Insel" darum doch nicht leicht außer aller Ethik 
 stellen.[^^l Im ganzen sieht man jedenfalls, daß am Wertsubjekte den all- 
 fälligen Aktualisierungserfordernissen in sehr weit auseinandergehenden 
 Weisen Rechnung getragen erscheint. 
 
 Gehen wir nun vom Wertsubjekt zum Wertobjekt über, so nimmt 
 es sich da wieder besonders selbstverständlich aus, daß vom Werte 
 dort nicht wohl die Rede sein kann, wo das Objekt fehlt. In der Tat, 
 wenn der Reiche auf seinen Schatz Wert legt, so tut er es unter 
 der Voraussetzung, daß dieser Schatz eben in seinem Besitze existiert: 
 in der Bestimmung eines Objektes als wertvoll scheint also dessen 
 Existenz oder allgemeiner dessen Sein thetisch mit einbezogen zu sein. 
 Man muß allerdings, soweit es sich um Existenz handelt, beifügen, 
 daß der Existenzgedanke sich hier, wie gelegentlich auch sonst ^ hin- 
 sichtlich der Zeit unnatürlich eingeschränkt zeigt, sofern was war oder 
 sein wird, dem Bereiche des Nichtdaseienden zugewiesen erscheint. Es 
 gibt, wie schon zu erwähnen war,^ nicht nur Gegenwärtigkeits-, sondern 
 nicht minder Vergangenheits- und Zukunftswerte, auf die man ganz 
 ohne Rücksicht auf das Zeitmoment eventuell mit Gefühlen vom Typus 
 der Seinsgefühle reagiert, so daß hier augenscheinlich nicht das maß- 
 gebend ist, was man gewöhnlich Existenz nennt, sondern das, was ich 
 als Persistenz bezeichnet habe, eine terminologische Modifikation, auf 
 die übrigens der Einfachheit der Verständigung wegen im folgenden 
 weiter kein Gewicht gelegt werden soll. 
 
 Jedenfalls entspricht es dem Dargelegten, daß man sich einem 
 Nichtdaseienden gegenüber zumeist darauf beschränkt, von ihm zu 
 behaupten, nicht daß es Wert habe, sondern daß es Wert hätte. Wenn 
 für eine Stadt, die längst schon eines modern eingerichteten Kranken- 
 hauses bedarf, das Projekt eines solchen mit größter Sachkenntnis und 
 Sorgfalt ausgearbeitet ist, wird von diesem Krankenhaus trotz seiner 
 Vorzüge niemand in ungezwungener Weise sagen, daß es für die Stadt 
 Wert habe, sondern nur, daß es für sie Wert, vielleicht großen Wert 
 hätte, wenn es nicht bloß projektiert, sondern wirklich ausgeführt wäre, 
 kurz also, wenn es existierte. Ähnlich kann es verstanden werden, 
 wenn ein Antiquitätensammler von einem merkwürdigen Stück, das 
 ihm zum Kaufe angeboten wird, sagt, das Stück würde großen Wert 
 für ihn haben, nämlich wenn es sein Eigentum wäre. Wert für ihn hat 
 eben nicht das Stück kurzweg, auch nicht das Stück im Besitze etwa 
 des Händlers, sondern das Stück in seinem eigenen Besitz; und das 
 so determinierte Stück existiert nicht, solange er es nicht gekauft hat. 
 Nur ist es hier nicht unerläßlich, sich gerade auf die Existenz oder 
 eigentlich auf die Nichtexistenz des allfälligeu Wertobjektes zu berufen. 
 
 1 Vgl. „Über Annahmen" 2, s. 76 f., übrigens auch schon „Psych, eth. Unters. 
 z. Werttheorie", S. 70. 
 
 2 Vgl. oben S. 58.' 
 
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 § 3. Die AktnaUtätsbedingungen. Seins- und Niclitseinswerte. 133 
 
 Man kann vielmehr auch so interpretieren: das, dem der Wert für den 
 Sammler abgesprochen wird, ist das Stück im Besitz des Händlers 
 und der Grund weshalb der Wert von diesem Objekte negiert wird 
 hegt nicht ,m Mangel an der Existenz, für die im Gegenteil bestens 
 gesorgt ist sondern im Mangel an der Eigenschaft, im Besitz oder 
 Eigentum des Sammlers zu sein. 
 
 Wichtiger als der Umstand, daß die Wendung, etwas hätte Wert 
 habe Ihn aber nicht, doch durchaus nicht jedesmal sicher auf Nicht- 
 existenz des Objektes zu deuten ist, steht nun aber der Unerläßlich- 
 keit der Existenz (respektive des Seins) der Wertobjekte die Tatsache 
 entgegen daß wir Werterlebnisse kennen gelernt haben, die geradezu 
 das Nichtsein des betreffenden Objektes voraussetzen (Nichtseinsgefühle) 
 und solche, die wenigstens mit dem Sein des Objektes unverträglich 
 waren (Begehrungen). Es verdient dies um so mehr Beachtung, als die 
 Wertgroße, wie ich schon an anderem Orte» hervorzuheben Anlaß hatte 
 ganz wesentlich durch die Sachlage bei der Nichtexistenz mitbestimmt 
 wird. Das gilt insbesondere von übertragenen, zum Beispiel Wirkungs- 
 werten. Soweit die Größenabhängigkeit der Wirkungswerte von ihren 
 btammwerten dem Grenznutzengesetze folgt, sind es nicht die Wirkungen 
 existierender Ursachen die den Aussehlag geben, sondern gerade die 
 Wirkungen, die im Nichtexistenzfalle der Ursache entfallen müßten. Ich 
 schätze einen Bogen aus dem Vorrat meines Briefpapieres nicht nach 
 dem möglicherweise für mein ganzes Leben entscheidenden Brief, den 
 ich tatsächlich auf diesen Bogen schreibe, sondern nach der vielleicht 
 ganz unwichtigen Aufzeichnung, die im Verlustfalle dieses Bogens unter- 
 bleiben mußte. Zwar sind Wertstellungnahmen dieser Art schwerlich 
 die einzig berechtigten ; sie sind wohl nur unter ökonomischen Gesichts- 
 punkten und daher unter besonderer Bezugnahme auf Begehrungen» 
 naehstgelegt. Aber sie sind doch auf alle Fälle Tatsache ; andererseits 
 aber ist überdies der Anteil der Nichtseinsgefühle auch schon bei Eigen- 
 werten darzutun.3 Kann man unter solchen Umständen überhaupt daran 
 denken, die Existenz oder allgemein das Sein des Wertobjektes dem 
 Werte im Sinne eines obligaten thetischen Prädikates zuzusprechen? 
 Inzwischen ist diese Frage negativ zu beantwort^i doch mindestens 
 nicht selbstverständlich. Erstaunlich freilich wäre eine Bestimmune 
 deren Anwendungsgebiet auf das Sein eines Gegenstandes beschränkt 
 wäre und die doch zugleich dem Falle des Nichtseins dieses Gegen- 
 standes Rechnung trüge. Daß aber die Beschränkung, mindestens in 
 prinzipieller Allgemeinheit, nicht tatsächlich besteht, ist ja ohne allen 
 Zweifel der eben zuvor wieder berührten Erfahrung zu entnehmen, 
 
 1895, S. 332 ff. ^*'^''*'""'8^ ""^ '^ert", Archiv f. System. Philosophie, Bd. I 
 
 _• A A ^?' ..™®i?® Vermutung in „Über emotionale Präsentation". S. 118 Sie 
 rnf^!^°n'' <»|e Tatsacbe bestätigt, daß Wertübertragungen von der Wirkung 
 fn W^L Ä T' ''*'' f > ^'^-e "»f *'« Zukunft^ sehr selten dägegef 
 i„^«^K °^'^'? Vergangenheit vorkommen, also dort zi fehlen Schemel wo 
 das Begehren keine natürlichen Angriffspnnkte hat. »^"«uien, wo 
 
 ' Vgl. „Über Werthaltnng und Wert", a. a. 0., S. 336. 
 
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