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 III. Weiteres zur Wertpsychologie. 
 
 
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 sind, heißen, indes abgeleitete eben höchstens zur in Betracht gezogenen 
 Zeit für apathogen gelten dürften. 
 
 Es dürfte sich empfehlen, die Mannigfaltigkeit der Werthaltungen, 
 die sich aus den eben durchgeführten Untersuchungen ergeben hat, nun 
 noch in ausdrücklicher Nebeneinanderstellung zu überblicken. Den geeig- 
 neten Aus2:angspunkt ergibt Disjunktion der unvermittelten und der ver- 
 mittelten Werthaltungen. Dann stellen sich die vermittelten Werthaltungen 
 als entweder nur intellektuell oder auch als emotional vermittelt, anders 
 ausgedrückt entweder als apathogen oder als pathogen vermittelt, die 
 pathogen vermittelten entweder als atimologisch oder als timologisch 
 vermittelt, die letzteren endlich als unübertragene oder als übertragene 
 Werthaltungen dar. Die kontradiktorische Natur der betreffenden Zwei- 
 teilungen gestattet dann natürlich auch die unvermittelten Werthaltungen 
 zu den apathogenen sowie zu den unübertragenen Werthaltungen zu 
 rechnen. 
 
 Zugleich legt die so gewonnene Einteilung eine einfache Anwen- 
 dung auf einen verwandten Tatbestand nahe. Chr. v. Ehren f eis, der 
 in verdienstvoller Weise den Gesetzmäßigkeiten nachgegangen ist, denen 
 ^emäß sich unser Werthalten verändert, hat mit Recht seine besondere 
 Aufmerksamkeit dem Umstände zugewendet, daß übertragene Wert- 
 haliungen sich* in Eigen werthaltungen umwandeln und insofern als „ab- 
 geleitete'* Werthaltungen in einen Gegensatz treten können gegenüber 
 Eigenwerthaltungen, die eine solche Entstehungsweise nicht zeigen und 
 vergleichsweise als , ursprüngliche* Werthaltungen bezeichnet werden 
 dürfen. 1 Der Vorgang ist, vielleicht in Unbekanntschaft mit den in Rede 
 stehenden Untersuchungen, in Abrede gestellt worden,^ aber soviel ich 
 «ehe, angesichts der Tatsachen mit unzweifelhaftem Unrecht, so daß die 
 Begriffe der ursprünglichen und abgeleiteten Werthaltung, außerdem die 
 sorgfältige Auseinanderhaltung von Werthaltungsableitung und Wert- 
 haltungsübertragung^ zu den bleibend wertvollen Errungenschaften moder- 
 ner Werttheorie gezählt zu werden verdienen. Nun scheint aber ohne 
 weiteres klar, daß, was ich eben als Werthaltungsableitung bezeichnet 
 habe, sich unter günstigen Umständen nicht nur an übertragenen, sondern 
 auch an anderweitig vermittelten Werthaltungen einstellt und diese in 
 «nvermittelte Werthaltungen verwandelt. Klar ist überdies, daß solche 
 Ableitung nicht auf die eine oder andere der uns bekanntgewordenen 
 Gestalten der Werthaltungsvermittlung beschränkt ist. Insofern sind dann 
 auch die an den Vermittlungen bewährten Differentiationen auf die Ab- 
 leitungen zu übertragen. Wir gelangen so zu Seitenstücken gegenüber 
 den oben aufgezählten Disjunktionsgliedern, indem wir etwa konstatieren: 
 Werthaltungen sind entweder ursprünglich oder abgeleitet, die abgeleiteten 
 sind entweder apathogen oder pathogen abgeleitet, die pathogenen sind 
 atimologisch oder timologisch abgeleitet; im Falle timologischer Ableitung 
 endlich steh en den unübertragen abgeleiteten die übertragen abgeleiteten 
 
 9 Z^^' m^^' ^' ^^renfels, „System der Werttheorie", Bd. I, S. 136f. 
 o X®? ^^- Lipps, „Die ethischen Grundfragen", 2. oder 3. Aufl., S. 82. 
 3 Vgl. auch oben S. 108. 
 
 
 IV. Der Wertgedanke. § 1. Aktual- und Potentialwertbegriff. 123 
 
 Werthaltungen gegenüber. Es ist zu vermuten, daß ein Bedürfnis, sich 
 sämtlicher der hier gebildeten technischen Ausdrücke zu bedienen, sich 
 nicht leicht geltend machen wird ; dem klaren Einblick in die sich doch 
 erst, wie sich gezeigt hat, etwas sorgfältigerer Analyse erschließende 
 Sachlage möchje es jedoch dienlich sein, die Ausdrücke mindestens zur 
 Verfügung zu haben.f^^j , 
 
 lY. Der Wertgedankc. 
 
 § !• Aktual- und Potentialwertbegriff, 
 
 Die Beschreibung der Werterlebnisse, insbesondere der Wertgefühle, 
 dürfte im vorangehenden weit genug geführt sein, um nun direkt die 
 Beantwortung der Frage zu versuchen, in welcher Weise denn die Wert- 
 erlebnisse der Präzisierung des Wertgedankens nutzbar gemacht werden 
 können. Auch hierzu kann der Weg nur durch vorhergehende Erwägung 
 einiger auszuschaltenden Eventualiräten gebahnt werden. 
 
 Am einfachsten wäre es wohl, wenn man im Werte direkt ein 
 gewisses Werterlebnis oder etwa die Gesamtheit der Werterlebnisse 
 sehen könnte, die sich an ein Objekt knüpfen. Es ist indes zu ein- 
 leuchtend, wie mit „Wert" jederzeit etwas gauz anderes gemeint wird, 
 als daß sich jemand bei einem derartigen Bestimmungsversuch wird 
 aufhalten wollen. Nicht ganz ebenso ist es schon mit einer anderen 
 Position bewandt, die sich sonst auch noch durch ihre Einfachheit und 
 Durchsichtigkeit sehr empfehlen möchte. Könnte man nicht sagen, der 
 Wert eines Objektes bestehe darin, daß es das Objekt irgend eines 
 Welterlebnisses, zum Beispiel einer Werthaltung ausmacht, in welch 
 speziellem Falle man dann etwa kurzweg erklären dürfte, der Wert des 
 Objektes bestehe im Wertgehaltenwerdeu ? Da auch hier das Auftreten 
 eines Wertes mit dem aktuellen Auftreten eines Werterlebnisses untrenn- 
 bar verbunden sein müßte, könnte man den so gebildeten Wertbegriff 
 ganz wohl den Aktualwertbegriff nennen. Auch bei ihm wird man ziem- 
 lich unmittelbar verspüren, wie wenig er billigen Anforderungen genüge- 
 leistet; es ist aber überdies nicht schwer, ganz ausdrücklich auf Gegen- 
 gründe hinzuweisen. 
 
 Vor allem dürfte es unter Voraussetzung dieser Bestimmung nie- 
 mals vorkommen, daß ein Werterlebnis sich einem Objekte zuwendet, 
 dem nähere Überlegung den Wert absprechen muß. Zwar mag das 
 Kapitel von den Wertirrtümern gar manche Dunkelheiten aufweisen, 
 vielleicht sogar, was noch zu berühren sein wird, den Gedanken des 
 persönlichen Wertes mit belangreicher UnvoUkommenheit behaftet zeigen. 
 Soll aber der Gedanke einer wie immer gearteten Irrigkeit beim per- 
 sönlichen Werte nicht a limine ausgeschlossen sein, so Jjann der Wert 
 eines Objektes nicht schon dadurch ausgemacht werden, daß ein Wert- 
 erlebnis sich diesem Objekte zuwendet. 
 
 Und so wenig ein Werterlebnis ohne Wert vorkommen könnte, 
 so wenig umgekehrt ein Wert ohne Werterlebnis. Ich hatte aber bereits 
 
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