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 III. Weiteres zur Wertpsychologie. 
 
 erschöpft ist, diese vielmehr über die erwähnten Relationen noch hinaus- 
 ^eht, das erhellt daraus, daß man die Disposition werthält um ihrer 
 Korrelate^ willen und dann auch wieder umgekehrt die Korrelate um der 
 Disposition willen, so daß dem „Aktualitätswert« der Wollungea gerade- 
 zu em „Dispositionswert «2 gegenübergestellt werden kann. Übrigens sei 
 um der Mannigfaltigkeit dessen, was die Übertragungstatsachen darbieten' 
 moghchst gerecht zu werden, noch darauf hingewiesen, daß der oben 
 schon einmal berührte Übergang von der Eigenschaft zu ihrer Betätiffuns: 
 gelegentlich wohl auch den Aspekt des Überganges von der Erkenntnis 
 folge zum Erkenntnisgrund darbietet. Ein Jäger legt Wert darauf daß 
 «r von abnorm großer Distanz aus einen Hasen laufen sieht, obwohl 
 zur Zeit keine Jagd stattfindet. Es liegt nahe zu vermuten, daß er hier 
 auf etwas Wert legt, sofern es ihn und etwa auch andere von der 
 Leistungsfähigkeit seines Auges überzeugt. 
 
 y^ter diesen mancherlei Übertragungsfällen ist ohne Zweifel der 
 der Übertragung der Werthaltung von der Wirkung auf die Ursache 
 der populärste und wohl auch praktisch wichtigste. Es war daher durch- 
 aus motiviert, ihn durch besondere Benennung aus den übrigen heraus- 
 zuheben, wie Chr. V. Ehrenfels durch Prägung der sehr charakteristischen 
 Bezeichnung , Wirkungswert« getan hat.^ Nicht minder charakteristisch 
 ist der Terminus „Eigenwert« für den Mangel au Übertragung, nur daß 
 €S, wie aus Obigem erhellt, nicht angeht, Eigen- und Wirkungswert als 
 Kontraste einander zu koordinieren. Dem Eigenwert muß eben der 
 übertragungswert^ gegenübertreten. Der Terminus „Übertragungswert« 
 benennt die durch die Ubertragungsrelation gleichsam geschaffene Sach- 
 läge vom Standpunkte des einen Relationsgliedes aus. Weil aber diese Rela- 
 tion keine „umkehrbare" oder „symmetrische« ist, so ist eine Benennung 
 auch vom Standpunkte des anderen Relationsgliedes aus erwünscht und 
 durch Chr V Ehrenfels im Terminus „Stammwert« auch tatsächlich 
 dargeboten^ In unserer obigen Symbolik ist sonach Übertragungswert 
 im Hinblick auf P als Stammwert, oder freilich genauer: ist Objekt 
 einer Ubertragungswerthaltung im Hinblick auf P als Objekt einer 
 Stemmwerthaltung. Noch genauer, aber auch dann nicht völlig genau 
 wäre etwa „Übertragungswerterlebnis« und „Stammwerterlebnis« zii 
 ea^en. Die übrigbleibende Ungenauigkeit verschlägt nichts, wenn nur 
 nicht außer acht gelassen wird, daß wir es in gegenwärtiger Betrachtung 
 
 J Vgl Allgemeines zur Lehre von den Dispositionen" m den von mir herans- 
 
 mich seiner nur deshalb nicht, weil ich, wie sich zeigen wird von WertvermS! 
 lüng" m einem weiteren Sinne reden in müssen mfine n Wertvermitt- 
 
 „System der Werttheorie", Bd. I, S. 79. 
 
 §4. Übertragung und Vermittlung bei Werthaltungen. 
 
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 immer nur noch mit Werterlebnissen und nicht mit den Werten selbst 
 zu tun haben. 
 
 Besonders wichtig ist nun aber die Frage, ob sich die Mannig- 
 faltigkeit der Übertragungsfälle, zunächst zum Zwecke möglichst all- 
 gemeiner Beschreibung, einem einheitlichen Gesichtspunkte unterordnen 
 läßt. Sehe ich recht, so fehlt es in der Tat keineswegs an einem solchen 
 Gesichtspunkte und an den Wirkungswerthaltungen dürfte er in besonders- 
 greifbarer Weise zu Tage treten. Ursache und Wirkung sind bekanntlich 
 charakterisiert durch ihren Anteil an einem Implikationsverhältnis ^, ver- 
 möge dessen die Ursache sich als ein Implikator, die Wirkung als 
 Implikament^ darstellt. Aber die Kausalrelation ist durchaus nicht die 
 einzige Implikationsrelation, und man dürfte kaum fehlgehen, wenn man 
 behauptet, die Werthaltungsübertragung geht mit jeder Ausgestaltung 
 der Implikationsrelation zusammen, falls die Bedingung erfüllt ist, daß 
 das Implikament Gegenstand einer vom Implikator unabhängigen Wert- 
 haltung ist, der dann mit Rücksicht auf die Werthaltungsübertragung 
 die Rolle einer Stammwerthaltung zukommt. Das ist außer an der 
 Relation zwischen Ursache und Wirkung an der zwischen Bedingung^ 
 und Bedingtem oder der zwischen Ganzem und Teil ohne weiteres zu 
 verifizieren. Um so deutlicher scheint, daß sich diese Relationen, wie 
 wir sahen, auch umkehren lassen, einer solchen Auffassung entgegen- 
 zustehen. Es fehlt aber doch nicht an einem Gesichtspunkte, der mir 
 die Subsumtion auch dieser Fälle zu gestatten scheint. 
 
 Der Nachweis zugunsten dieses Gesichtspunktes ist in wenigen 
 Gedankenschritten zu führen. Zwischen den Objekten und P bestehe 
 die Relation, daß etwa das Sein des das des P impliziert, so daß 
 den Implikator, P das Implikament abgibt. Ist nun P das Objekt 
 etwa von Seinsfreude, so überträgt sich diese im Sinne unseres Impli- 
 kations-, respektive Übertragungsgesetzes auf 0. Impliziert aber das 
 Sein des das Sein des P, so umgekehrt auch das Nichtsein des P 
 das Nichtsein des 0. Bezöge sich also die Werthaltung statt auf das 
 Sein des P auf das Nichtsein des 0, so müßte sich nach unserem 
 Gesetze auch die Werthaltung vom Nichtsein des auf das Nichtsein 
 des P übertragen. Geht aber überdies die Nichtseinswerthaltung am O 
 mit ihrem Gegengefühle zusammen, ebenso die Nichtseinswerthaltung 
 am P, so führt die so resultierende Seinswerthaltung am auch eine 
 Seinswerthaltung am P mit sich, so daß der Tatbestand der Übertragung 
 nunmehr vom auf das P vorliegt. 
 
 Es wird der Übersichtlichkeit dienen, die drei bis vier eben dar- 
 gebotenen Beweisschritte noch in symbolischer Aufschreibung vorzuführen. 
 Dabei sei wieder das Seinsobjektiv durch Klammern, die Werthaltung^ 
 durch Wh bezeichnet und im Bedarfsfalle das Werthaltungsvorzeichen 
 links unten, das Objektivvorzeichen rechts oben notiert. Zur Bezeichnung^ 
 des Verhältnisses zwischen Implikans und Implikatum sei aus Gründen 
 
 1 Vgl. meine Ausführungen „Zum Ei'weise des allgemeinen Kausalgesetzes" » 
 Wien 1918, S. 43. ^ 
 
 2 Über diese Begriffe vgl. a. a. 0., S. 45. 
 
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