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 III. Weiteres zur Wertpsjchologie. 
 
 daß der, dem in einer Hinsicht ein Glück zuteil wird, darum noch durchaus 
 nicht in jeder Hinsicht vom Glücke begünstigt sein, also der Gesamt- 
 heit seiner gegenwärtigen oder vielleicht auch seiner vergangenen Lebens- 
 umstände nach noch durchaus nicht den Neid der Götter auf sich ziehen 
 muß. Noch näher liegt aber ein anderer Sinn. Wer Glück hat, braucht 
 sich darum auch in der betreffenden Hinsicht noch keineswegs glücklich 
 zu fühlen, sofern er zum Beispiel an sein Glück nicht denkt oder sich 
 sonst in einer Gemütsverfassung befindet, die das dem Glückstatbestand 
 konstitutive Lustgefühl zur Zeit nicht aufkommen läßt. Im Gegensatz 
 hierzu wird dann derjenige glücklich heißen dürfen, der das betreffende 
 Gefühl wirklich erlebt, und vielleicht ist es nicht unangemessen, vom 
 Standpunkte des Subjektes dessen Glück von dessen Glücklichkeit zu 
 unterscheiden. Für letzteren Tatbestand hat sich wohl mehr die Theorie 
 als die Praxis auch des Wortes „Glückseligkeit" bedient, gegen das, 
 wenn man es mit Wortbildungen wie „trübselig", „mühselig", „saum- 
 selig" und dergleichen zusammenhält, etymologisch kaum etwas Triftiges 
 einzuwenden ist, das aber gleichwohl vermöge der Bedeutung von 
 „Seligkeit" und „sehg" ohne Komposita leicht den Eindruck einer 
 unmotivierten Übersteigerung macht, um dessenwillen das anspruchs- 
 losere Wort „Glücklichkeit" wohl den Vorzug verdienen wird. 
 
 Diese Glücklichkeit steht nun wieder zu Gut und Übel in einer 
 besonderen Relation, auf die hier noch kurz hinzuweisen ist. Glück 
 bedeutet ohne Zweifel jederzeit eine Glücklichkeits-, Unglück eine 
 Unglücklichkeits-Chance. Um so paradoxer könnte es scheinen, daß 
 nicht auch das Gegebensein eines Gutes jederzeit eine Glücklichkeits-, 
 das Gegebensein eines Übels eine Unglücklichkeits-Chance in sich 
 schließt. [Ist etwas ein Gut insofern, als sein Dasein Freude mit sich 
 führt, so bedeutet es eine Glücks-Chance, genauer eine Chance für 
 das Eintreten dessen, was wir eben Glück genannt haben.] Dagegen 
 bedeutet ein Objekt, dessen Gutcharakter darin zutage tritt, daß sein 
 Nichtdasein mit Leid verbunden ist, insofern eine Unglücks-Chance. 
 Beides wird besonders deutlich, wo das bezügliche Gegengefühl ausfällt: 
 am auffallendsten sind in dieser Hinsicht wieder die Bedürfnisse der 
 Verwöhnten, die sich in der Tat vorwiegend als Unglücksquellen geltend 
 machen, so daß bei Gütern dieser Art der Ausdruck „Unglücksgüter" 
 nicht ohne charakterisierenden Wert ist. Ihnen könnte man dann die 
 Güter der anderen Art als Glücksgüter gegenüberstellen, falls man 
 vorübergehend von der sprachüblichen Bedeutung dieses Wortes absehen 
 mag, in der wieder zunächst etwas von Zufälligkeit, respektive Äußer- 
 lichkeit zum Ausdruck gelangen soll. Analoge Betrachtungen lassen 
 sich dann natürlich auch in Bezug auf die beiden Fälle des Übels 
 anstellen. Ist etwas darum ein Übel, weil sein eventuelles Dasein Leid 
 mit sich führt, so bedeutet dies eine Unglücks-, ist es ein Übel inso- 
 fern, als sein Nichtdasein erfreulich ist, so bedeutet es eine Glücks- 
 Chance. Analog zum Obigen könnte man hier Unglücksübel und Glücks- 
 übel einander gegenüberstellen. Im ganzen dürften die meisten Güter 
 Glücksgüter, die meisten Übel Unglücksübel sein ; doch kommen, soweit 
 
 § 4. ÜbertragTuig und Vermittlung bei Werthaltungen. 
 
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 die Verbindung zwischen den Gegengefühlen gelöst ist, auch die Gegen- 
 fälle vor, so paradox auch namentlich der Gedanke des Glücksübels 
 sich anlassen mag. Besteht die Zuordnung zwischen den Gegengefühlen, 
 so muß natürlich derselbe Gegenstand sowohl Glücks- als Unglücksgut, 
 respektive sowohl Glücks- als Unglücksübel sein. 
 
 Vielleicht wünscht man am Ende dieser Darlegung eine Recht- 
 fertigung, weshalb hier die Begriffe von Gut und Übel an die Wert- 
 haltungen angeschlossen worden sind und nicht an den Wert. Wäre es 
 nicht sowohl herkömmlicher als einfacher gewesen, das Gut als das 
 zu definieren, was positiven, das Übel als das, was negativen Wert 
 hat und demgemäß dann auch die Bestimmungen von Glück und Unglück 
 auszugestalten? Und in der Tat kämen in dieser Weise sicher keine 
 fehlerhaften Aufstellungen zustande. Nur einfacher würde man sie nicht 
 wohl nennen dürfen, wenn man den weiteren Untersuchungen vor- 
 greifend die natürliche Komplikation des Wertbegriffes in Rücksicht 
 zieht. Das erhellt schon aus der Tatsache, daß im Wertgedanken, wie 
 sich zeigen wird, jederzeit beide Glieder eines Gegengefühlspaares ein- 
 bezogen sind, indes wir oben eventuell auch bloß mit einem Gliede 
 eines solchen Paares unser Auslaugen finden konnten. [^^J 
 
 § 4. Übertragung und Vermittlung bei Werthaltungen. [2^] 
 
 Wir haben im bisherigen an den Werthaltungen nur jene psycho- 
 logischen Voraussetzungen berücksichtigt, die die Werthaltung gleichsam 
 mit Objekt und Objektiv versehen, die wir darum als psychologische 
 Gegenstandsvoraussetzungen der Werthaltungen betrachten durften. Da- 
 durch ist bei vielen Werthaltungen insofern nichts vernachlässigt, als 
 sie, worauf übrigens noch ausdrücklich zurückzukommen ist, andere 
 psychologische Voraussetzungen als die Gegenstandsvoraussetzung über- 
 haupt nicht aufweisen. Aber es gibt auch Werthaltungen, die hinsichtlich 
 ihrer Voraussetzungen eine größere Mannigfaltigkeit zeigen. Den sich 
 so ergebenden Gegensatz unter den Werthaltungen durch Beispiele klar 
 zu machen, ist leicht. Es muß aber auch versucht werden, dem Wesen 
 dieses Gegensatzes durch genauere Beschreibung näher zu kommen. 
 
 Nichts ist gewöhnlicher, als auf einen Schlüssel Wert zu legen, 
 und die betreffende Werthaltung zeigt dem die Existenz des Schlüssels 
 erfassenden Urteile gegenüber unverkennbar jenes Verhältnis auf, das 
 uns an den psychologischen Gegenstandsvoraussetzungen nun schon 
 ausreichend geläufig ist. Aber der Schlüssel würde die Werthaltung 
 sicher nicht auf sich ziehen, wenn der Verschluß, den er zu setzen 
 oder zu heseitigen fähig ist, für in jeder Hinsicht wertlos genommen 
 würde. Man hält also den Schlüssel wert, weil man etwa den Zugang 
 in ein Zimmer werthält, den der Schlüssel ermöglicht. Ebenso hält 
 man ein Kleidungsstück wert, sofern es vor Kälte schützt, man hält 
 einen Apparat wert, sofern er eine gewisse wertvolle Leistung ermöglicht 
 und so fort. Allgemein also: es ist ein Objekt P gegeben, das man 
 werthält, außerdem aber noch ein Objekt 0, das zu P in angemessener 
 Relation steht und das man daraufhin ebenfalls werthält. Augenscheinlich 
 
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