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 ni. Weiteres znr Wertpsychologie. 
 
 § 2. Die Gegengefülile. 
 
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 und negativ werthalten soll, also speziell im vorliegenden Falle derselbe 
 Mensch, der mir Grund gibt, mich über sein Dasein zu freuen und es 
 andererseits doch auch wieder zu bedauern. Aber die Lage, in der das 
 Subjekt sich da befindet, weist durchaus den Charakter eines Konfliktes 
 auf und bestätigt dadurch nur neuerlich die Tatsache, daß es sozusagen 
 beiden Anforderungen zugleich nicht besser Rechnung tragen kann, als 
 ein materieller Punkt, an dem zwei verschieden gerichtete Kräfte an- 
 greifen, sich zugleich in den beiden verschiedenen Richtungen fort- 
 zubewegen imstande ist. Die Dinge stehen in unserem Falle eben so, 
 als ob man vor die Übertragung der Werthaltung von den Eigenschaften 
 auf deren Träger als vor eine Aufgabe gestellt wäre, die erst gelöst 
 ist, wenn man es zu einer einheitlichen Wertstellungnahme diesem 
 Träger gegenüber gebracht hat, die dann eine Art Resultierende aus 
 den Wertstellungnahmen zu den einzelnen Eigenschaften darstellen mag. 
 Vielleicht könnte man analog zu dem, was ich einst^ angezeigte und 
 ausgeführte Vorstellungsverbindung genannt habe, von einer bloß an- 
 gezeigten und einer ausgeführten Werthaltungsübertragung reden, und 
 das hier und im folgenden Darzulegende zunächst nur auf die aus- 
 geführte Werthaltungsübertragung beziehen. Der Übergang von der 
 Werthaltungsübertragung zur Wertübertragung könnte dann immerhin 
 neue Probleme mit sich führen, auf die hier noch nicht und später nur 
 in sehr unvollkommener Weise eingegangen werden kann. 
 
 Daß, was hier vom Sein gezeigt wurde, ebenso vom Nichtsein 
 gilt, indem ich unter Voraussetzung der obigen Kautelen auch am Nicht- 
 sein eines Gegenstandes nicht sowohl Freude als Leid erleben kann, 
 versteht sich. Daß es ferner etwas geben sollte, das mir durch sein 
 Sein ebenso wie durch sein Nichtsein Freude bereitete, dazu ist die 
 Welt, cum grano salis verstanden, nicht teleologisch genug, — daß es 
 etwas geben sollte, das durch sein Sein wie durch sein Nichtsein Leid 
 brächte, dazu ist sie nicht disteleologisch genug eingerichtet. So kann 
 auch nicht Seinsfreude mit Nichtseinsfreude, und ebenso wenig Seins- 
 leid mit Nichtseinsleid zusammen bestehen. 
 
 Wie man sieht, bleiben von den sich vorgängig in rein äußer- 
 licher Weise darbietenden sechs Kombinationen überhaupt nur zwei 
 übrig. Bei diesen zeigen sich nun aber die jedesmal zusammengegebenen 
 zwei Glieder nicht nur verträglich, sondern wesentlich enger aneinander- 
 geknüpft. Freue ich mich über das Dasein eines Dinges, so ist ja 
 nichts selbstverständlicher, als daß mir sein Nichtdasein leid ist und 
 umgekehrt. Ist mir dagegen sein Dasein leid, so ist es ebenso natürlich, 
 daß mich sein Nichtdasein freut und umgekehrt. Das kann man leicht 
 der Erfahrung entnehmen; es ergibt sich aber auch schon bei einiger 
 Achtsamkeit auf die Natur der Sache, so daß man nicht umhin kann, 
 hier einen apriorisch einsehbaren Zusammenhang zu vermuten. Was in 
 dieser Weise innerlich verbunden auftritt, ist äußerlich durch die Gegen- 
 sätzlichkeit seiner Bestimmungen gekennzeichnet, wenn man einerseits 
 
 die Qualität des Voraussetzungsurteils, andererseits die des zugehörigen 
 Gefühles in Betracht zieht. Seinsfreude gegenüber Nichtseinsleid, Nicht- 
 seinsfreude gegenüber Seinsleid weist in jedem der beiden Kombinations- 
 fälle das auf, was man in ohne weiteres verständlicher Weise als ent- 
 gegengesetzte Vorzeichen charakterisieren kann. Gefühle von solcher 
 Gegensätzlichkeit habe ich mit Rücksicht auf diese als Gegengefühle 
 bezeichnet* ; die beiden Gegengefühlspaare sind es also, in deren Betrach- 
 tung wir eben eingetreten sind und bei denen wir nun noch ein wenig 
 verweilen müssen. 
 
 Dem Anschein apriorischer Verbundenheit der Gegengefühle stehen 
 nämlich, dies muß zuvörderst anerkannt werden, Erfahrungen in Menge 
 gegenüber, die in Betreff der Möglichkeit gesonderten Auftretens der 
 Glieder je eines Paares keinen Zweifel gestatten. Das ist zunächst für 
 Seinsfreude leicht genug zu belegen. Es gibt Menschen, die ohne irgend- 
 wie abergläubisch zu sein, sich doch freuen, so oft sie vierblättrigen 
 Klee finden: es liegt ihnen aber nichts ferner, als betrübt zu sein, weil 
 sie einmal keinen finden. Eine „Lust", das Wort im engen unpsycho- 
 logischen Sinne verstanden, in dem „Vergnügung" immerhin deutlicher 
 sein mag, läßt man sich, wenn der Zufall dergleichen bietet, „mit 
 Freuden" gefallen ; wer aber nicht etwa vergnügungssüchtig oder sonst 
 ohne inneren Halt ist, macht sich nicht leicht etwas daraus, wenn ein 
 solcher Zufall sich nicht ereignet. Es freut uns, wenn jemand, der uns 
 lieb ist, unerwartet eine hervorragende ethische oder künstlerische 
 Befähigung betätigt; aber wir „verlangen" dergleichen nicht von ihm 
 und sind's zufrieden, wenn er in diesen Hinsichten nicht hinter dem 
 alltäglichen Mittelmaße zurückbleibt. Und wahrscheinlich halten wir es 
 nicht nur unseren Lieben gegenüber so, sondern auch beim „fremden" 
 Mitmenschen ; hervorragende ethische Befähigung schlagen wir hoch an, 
 reagieren aber relativ schwach oder auch gar nicht auf deren Fehlen^. 
 
 Gibt es sonach Seinsfreude ohne Nichtseinsleid, so nicht minder 
 Seinsleid ohne Nichtseinsfreude. Das gilt zumeist von „Schmerzen" im 
 engen, physischen Sinne, ebenso von vielem außerphysischen Ungemach. 
 Dabei würden freilich Vorstellungs-, also insbesondere Empfindungs- 
 gefühle, wie die erwähnten physischen Schmerzen an sich nur ganz 
 äußerlich unter das eben namhaft gemachte Schema fallen: denn daß 
 das bloße Nichtdasein körperlichen Schmerzes nicht schon selbst körper- 
 liche Lust ist, das ist freilich selbstverständlich, wäre aber etwas wesent- 
 lich anderes, als was uns jetzt beschäftigt. Man kann aber bekanntlich 
 sehr wohl über körperliche Schmerzen betrübt sein: und für diesen 
 Fall verdient die Tatsache Beachtung, daß ein Subjekt, das solcher 
 Betrübnis sehr wohl fähig ist, sich über die Abwesenheit von Schmerzen 
 
 Hume-Studien H, S. 88 (658). (Ges. Abhandl., Bd. H, S. 84.) 
 
 \ygl. „Für die Psychologie und gegen den Psychologismus usw.", S. 5, 
 auch „über emotionale Präsentation", S. 126 ff. 
 
 2 Zur Illustration dieses und der sogleich folgenden ethischen Beispiele 
 auf dem von mir unter dem Namen des „MoraUschen" näher untersuchten 
 Spezialgebiete vgl. meine „Psychol.-eth. Unters.", besonders die das „Unter- 
 lassungsgesetz" betreffenden Ausführungen S. 89 f. und sonst. 
 
