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 in. Weiteres zur Wertpsychologie. 
 
 § 2. Die Gegengefühle. 
 
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 und ihm zustimmend, konzediert A. Boltunow^ zwar keine Variabilität 
 in der Intensität, wohl aber eine in der ,, Quantität". Daß überdies ver- 
 schiedenen Wertgefühlen gegenüber Begehrungen verschiedene, also 
 bald größere, bald geringere Motivationskraft [^^J zukomme, wird von 
 keiner Seite bestritten, daraus aber dann freilich eventuell die Konsequenz 
 gezogen, daß, was man zunächst für verschiedene Wertgefühlsstärken 
 zu nehmen geneigt sein mag, eben die verschiedene Motivationskraft 
 sei. Aber es scheint doch um vieles natürlicher, die Verschiedenheit 
 der Motivationskraft eben als Folge der Stärkeverschiedeuheit zu verstehen, 
 als diese Verschiedenheit umgekehrt auf eine Relation zurückzuführen, 
 zu der man keine ihr zu Grunde liegenden Glieder aufzuweisen gewillt 
 ist. Überdies spricht wohl auch die direkte Empirie hier eine ausreichend 
 deutliche Sprache. Wer alles an Habe und Gut verloren hat, reagiert 
 anders, und zwar doch wohl charakteristisch stärker, als wem eine 
 mäßige Geldsumme abhanden gekommen ist. W^er sich fruchtbarer Berufs- 
 tätigkeit erfreut unter angenehmen Lebensumständen, kann doch ohne 
 Zweifel auf jene Tätigkeit mehr Wert legen, das heißt ihr gegenüber 
 ein stärkeres Wertgefühl auslösen als hinsichtlich der sonstigen Unge- 
 störtheit seines Lebens. Man wird also den Wertgefühlen prinzipiell wohl 
 die quantitative Variabilität zuerkennen dürfen, die sonst keiner der 
 Hauptklassen unter den Gefühlen fehlt. 
 
 Wie sich die so einigermaßen aufgewiesenen qualitativen und 
 quantitativen Bestimmungen auf Akt und Inhalt der Wertgefühle ver- 
 teilen, ist durch das Dargelegte natürlich noch ganz unausgemacht. 
 Durch den Gegensatz von Ernst- und Phantasiegefühl, der, wie wir 
 wissen, auch den Wertgefühlen nicht fehlt, ist natürlich auch hier der 
 Akt, durch die Verschiedenheiten der Wertarten, soweit die Voraus- 
 setzungen dabei nicht in Frage kommen, der Inhalt in Mitleidenschaft 
 gezogen. Auch die Verschiedenheiten der Wertgrößen scheinen als quan- 
 titative Bestimmungen zunächst den Inhalten zugeordnet, was einen 
 Parallelismus der Aktstärken immerhin nicht ausschlösse. In all diesen 
 Dingen aber besteht noch größte Unsicherheit, die erst eingehende Einzel- 
 untersuchung zu beseitigen hoffen darf. 
 
 § 2. Die Gegengcfühle, 
 
 Wir wenden uns der näheren Betrachtung einiger gesetzmäßigen 
 Beziehungen zu, die für dasselbe Subjekt zwischen Werthaltungen mit 
 gemeinsamem Objekt (respektive Quasiobjekt) unter der Voraussetzung 
 bestehen, daß die Werthaltungen die typischen Ausgestaltungen erfahren 
 haben, die durch die Polarität einerseits dieser Erlebnisse selbst, anderer- 
 seits durch die Polarität ihrer psychologischen Voraussetzungen ermöglicht 
 sind. Als Gefühle nämlich haben die Werthaltungen, wie bereits zu erwähnen 
 war, allemal entweder Lust- oder Unlustcharakter, wofür namentlich bei 
 Urteilsgefühlen (im Gegensatz zu bloßen Annalimegefühlen) ganz wohl 
 
 1 „Über den Strukturzusamnienhang zwischen dem ästhetischen Wertgefühl 
 und seinen intellektuellen Voraussetzungen", Berliner Dissertation, 1909, S. 28,. 
 vgl. ebenda S. 23, Anm. 6. 
 
 Wli (0-) 
 
 auch Freude und Leid zu sagen sein wird, falls man nur vermeidet, 
 den Gedanken an Komplexe, insbesondere Affekte, in die möglichst 
 elementar gemeinte Betrachtung hineinzutragen. Andererseits hat das 
 Sein, auf das die Werthaltungen bezogen sind, je nach dem für die 
 Wertgefühle (im Gegensatz zu den Wissensgefühlen) so wesentlichen 
 affirmativen oder negativen Charakter des es erfassenden Voraussetzungs- 
 urteils entweder positive oder negative Qualität, so daß man im Hinblick 
 hierauf von Seinsgefühlen (das Wort „Sein" in engerem Sinne als 
 positives Sein verstanden) und Nichtseinsgefühlen reden darf. Ganz 
 äußerlich kombiniert, ergeben diese beiden Gegensätzlichkeiten die vier 
 Klassen : Seinsfreude und Seinsleid, Nichtseinsfreude und Nichtseinsleid, 
 was sich in einfachen Symbolen übersichtlich zusammenstellen läßt, 
 indem man etwa mit Wh die Werthaltung, mit deren Objekt, durch 
 Klammern das Objektiv bezeichnet, das Vorzeichen des Objektivs aber 
 rechts oben am Objektssymbol, das Werthaltungsvorzeichen unter dem 
 Werthaltungssymbol anbringt. Man erhält dann: 
 
 Wh (0+) Wh (0+) 
 
 + 
 Wh (0-) 
 
 + . ~ 
 
 Niemand wird erwarten; daß bei Übereinstimmung im Objekt diese 
 Klassen sozusagen gleichgültig nebeneinander bestehen werden. Was 
 hier zunächst in die Augen fällt, sind gleichsam Störungen in der 
 Möglichkeit des Zusammenseins, kürzer also Unverträglichkeiten, die zu 
 Tage treten, wenn man es mit der Identität des Objektes nur genau 
 genug nimmt. Am Sein eines und desselben Gegenstandes sowohl Freude 
 als Leid zu haben, scheint, für die nämliche Zeit direkt unmöglich^, 
 für verschiedene Zeiten nicht gerade ausgeschlossen, aber inkonsequent 
 und dem Vorwurfe der Launenhaftigkeit ausgesetzt. Die eben gestellte 
 Forderung ausreichender Genauigkeit betrifft die Tatsache, daß etwa 
 ein Ding zugleich sehr verschiedene Eigenschaften hat, deren manche 
 erfreulich, andere sehr unerfreulich sein können. Derselbe Mensch hat 
 neben guten auch schlechte Seiten, ein Apparat kann erhebliche Leistungs- 
 fähigkeit mit geringer Dauerhaftigkeit verbinden. Unter solchen Umständen 
 hat man es eben eigentlich nicht mit einem Werthaltungsobjekte zu tun, 
 sondern mit deren zweien. 
 
 Eine Schwierigkeit bleibt dabei freilich immer noch übrig, aus 
 der die Theorie hoffentlich noch Gewinn ziehen wird, weshalb sie hier 
 angemerkt sei. Sind es auch die Eigenschaften eines Menschen, auf 
 die sich meine Werthaltung zunächst bezieht, so geht die Werthaltung 
 doch im Sinne einer schon oft konstatierten, im folgenden noch näher 
 zu betrachten^den Übertragung von den Eigenschaften auch auf deren 
 Träger über. So ist es am Ende doch derselbe Mensch, den ich positiv 
 
 1 Mehr als einmal ist schon das gleichzeitige Erleben von Lust und Unlust 
 ganz ohne Rücksicht auf den Voranssetzungsgegenstand für unmöglich erklärt 
 worden, vgl. B. Groethuysen, „Das Mitgefühl", Zeitschrift f. Psych., Bd. 34, 
 1904, S. 199, Anm. 5. 
 
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