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 n. Die Werterlebnisse. 
 
 Inhalt" im obigen* Sinne und sonst auf nichts und es fehlt, soviel ich 
 sehe, jeder Grund, ein solches Erlebnis anders als etwa vermöge will- 
 kürlicher Konvention für ein bloß unvollständiges Werterlebnis zu 
 nehmen. [^'^] 
 
 Was so die Berücksichtigung des gegenständlichen Momentes 
 ergibt, findet bei direkter Betrachtung der Erlebnisse selbst seine volle 
 Verifikation: die „Stellungnahme zur Stellungnahme", so gewiß sie ein- 
 treten kann, fehlt doch ebenso gewiß in tausend Fällen, denen niemand 
 den Charakter der Werterlebnisse abspricht. Und selbst wenn man von 
 der Formierung einer bestimmten Relation der zweiten Stellungnahme 
 zur ersten absieht, möchte schon die bloße Zweiheit der Stellungnahmen 
 mit der Etnpirie nicht in Einklang zu bringen sein. Auf den Schatz 
 mag man noch immerhin Wert legen um des Wertes willen, den man 
 auf die Macht legt, die der Reichtum mit sich bringt. Minder unge- 
 zwungen ergibt sich aber die Zweiheit der Stellungnahmen schon bei 
 dem wiederholt gebrauchten Beispiel vom Andenken an den teuren 
 Verstorbenen. Oder S(»llte hier die Wertschätzung des Verstorbenen eine 
 Art „Grundlage" für die Bewertung der Reliquie abgeben? Aber zum 
 mindesten ist die Werthaltung des Verstorbenen selbst eben auch eine 
 Werthaltung, und man wird leicht genug in Verlegenheit kommen, wenn 
 man etwa das Verhältnis zu ihm auf bestimmte Eigenschaften zurück- 
 führen soll, deren Werthaltung der Werthaltung der Person vorher- 
 gegangen wäre und jedenfalls wird die den Tatsachen entsprechende 
 Reduktion bald genug ihr Ende finden. Im Gesagten liegt bereits ein- 
 geschlossen, wie es mit den Gefühlen der Liebe, Freundschaft, Ver- 
 ehrung ganz im allgemeinen bewandt ist: sie sind gewiß nicht bloß 
 Wertgefühle, schließen aber ohne Zweifel WertgeCühle in sich; diese 
 können unter Umständen auch „interessiert" sein, wie man zu sagen 
 pflegt, und aus den so zur Geltung gelangenden Interessen heraus ihre 
 Begründung finden. Aber oft genug wird, wenn man dem Zeugnis der 
 Empirie trauen darf, solche Begründung fehlen und dann fehlt in letzter 
 Linie auch die Zweiteiligkeit. 
 
 Noch durchsichtiger, weil einfacher, steht es mit vielen altrui- 
 stischen Werthaltungen^, denen, wie noch näher darzulegen sein wird, 
 eigen ist, daß sie seitens des E^o deshalb auf ein Objekt gerichtet 
 werden, weil der Alter dieses Objekt wen hält. Das sieht auf* den 
 ersten Blick immerhin wieder wie Wertgrundlage und Wertsetzung aus. 
 Aber für die beiden „Stellungnahmen* im Sinne Müller- Freienfels', ist 
 doch sicher die (höchstens durch „Spaltung" abgeschwächte) Identität 
 des stellungnehmenden Subjektes erforderlich: diese fehlt hier jedoch, 
 so daß seitens des allein maßgebenden Ego jedenfalls nur eine einzige 
 „Stellungnahme* vorliegt. Daß es dann bei ethischen Werten, nicht 
 minder beim Werte, den man darauf legt, geliebt, geehrt, verstanden 
 
 1 Natürlich mit dem hier und sonst von mir eingehaltenen Wortgebranche 
 nicht übereinstimmenden 
 
 2 Vielen, nicht allen, weil es anch bei ihnen eventnell Wertbaltungs- 
 übertragnng gibt, von der weiter nnten die Rede sein wird. (III, § 4.) 
 
 III. Weiteres znr Wertpsycbologie. § 1. Zur Beschreib ong der 75 
 
 Werthaltungen. 
 
 zu werden, Recht zu haben und so fort ebenso bestellt ist, versteht 
 sich von selbst. 
 
 Schließlich ist hier auch der , übernommenen* Wertungen noch 
 einmal zu gedenken.* Wie erwähnt, sind das, soviel ich ermessen kann, 
 zunächst überhaupt keine Werterlebnisse, sondern bloß Urteile über 
 einen Wert. Aus ihnen pflegen aber, worauf noch zurückzukommen sein 
 wird, durchaus lebendige Werthaltungen hervorzugehen^: das, von dem 
 ich weiß, respektive zu wissen glaube, daß es Wert hat, werde ich 
 leicht genug auch selbst werthalten. Soll also in solchen Fällen nicht 
 etwa eben dieses Werturteil die eine (näher die primäre) ^Stellung- 
 nahme" sein, so haben wir es auch da nur mit einer einzigen Stellung- 
 nahme zu tun; dennoch ist an der Vollständigkeit auch eines unter 
 solchen Umständen auftretenden Werterlebnisses nicht zu zweifeln. 
 
 Das Dargelegte scheint mir zum Erweise dafür auszureichen, daß 
 Müller-Freienfels' Anforderung einer doppelten „Stellungnahme" keines- 
 wegs bei allen Werthaltungen erfüllt ist. Auch eine einzige „Stellung- 
 nahme" reicht aus und damit kommen wir wieder auf das in den voran- 
 gegangenen Untersuchungen herausgearbeitete, relativ einfache Wert- 
 gefühl, die Werthaltung zurück. Den Ausführungen Müller-Freienfels' 
 kommt aber gleichwohl das Verdienst zu, auf einen wichtigen Unter- 
 schied an diesen Werthaltungen besonders nachdrücklich aufmerksam 
 gemacht zu haben. Wir werden auf diesen Unterschied zurückkommen, 
 wenn wir, wie im folgenden geschehen soll, den psychologischen Vor- 
 aussetzungen der Werthaltungen näher zu treten versuchen. 
 
 IIL Weiteres zur Wertpsychologie, 
 
 § 1, Zur Beschreibung der Werthaltungen. 
 
 Es ist auch bei denjenigen Forschern, die als unser eigentlich 
 charakteristisches Verhalten in Wertangelegenheiten das Gefühl an- 
 erkennen, nicht eben gebräuchlich, dann noch zwischen Gefühlen ver- 
 schiedener Art zu unterscheiden und nur ganz bestimmte Ausgestaltungen 
 unseres Gefühlslebens den Werten spezifisch zuzuordnend Im obigen 
 ist dies durch Herausarbeitung des Begriffes des Wertgefühles und 
 insbesondere des Begriffes der Werthaltung zu leisten versucht worden. 
 Es wird sich unter solchen Umständen empfehlen, die Eigenart der 
 unter diese Begriffe fallenden Erlebnisse in möglichst helles Licht zu 
 rücken, indem hier zusammengestellt wird, was eine erste psychologische 
 Analyse an diesen Erlebnissen zu ergeben scheint. Es kann dabei 
 vorerst nur der Weg direkter Analyse beschritten werden, unbeschadet 
 des primitiven Charakters einer solchen, — immerhin in der Hoffnung, 
 daß namentlich das psychologische Experiment sich auch in dieser 
 Sache recht bald hilfreich erweisen möchte. 
 
 1 Vergl. übrigens R. Mftller-Freienfels selbst, a. a. 0., S. 331 ff. 
 
 2 Eine Ausnahme macht, wie sich gezeigt hat, R. Müller-Fr ei enfeli 
 
