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 IL Die Werterlebnisse. 
 
 § 7. Inhaltsgefühle nnd Aktgefähle 
 
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 Hauptsache einräumt und dieser Hauptsache auch die Hauptuntersuchung: 
 zuwendet. Wollen wir inzwischen sowohl Ernst- als Phantasiegefühle in 
 Rücksicht ziehen, dann bietet uns die Möglichkeit, Urteilen und Annehmen 
 in dem Ausdrucke „Denken" zusammenzufassend ein Mittel, die Wert- 
 gefühle als Denkgefühle zu charakterisieren. [^^] 
 
 § 7. Iiihaltsgefühle und Aktgeftthle. 
 
 Inzwischen ist durch diese Bestimmung die erforderliche Deter- 
 mination der sich als Werterlebnisse darstellenden Gefühle noch immer 
 nicht erreicht. Sind nämlich auch alle Wertgefühle Denkgefühle, so 
 keineswegs umgekehrt auch alle Denkgefühle Wertgefühle. Auf das 
 Bedürfnis, in der Differentiation noch weiter zu gehen, fand ich mich 
 seinerzeit^ durch die Tatsache hingewiesen, daß manche Urteilsgefühle 
 eine auffallende Gleichgültigkeit gegen den Wechsel in der Qualität 
 der ihnen zu Grunde liegenden Urteile aufweisen, indes andere auf 
 einen solchen Wechsel, wenn man so sagen darf, auch mit einem Wechsel 
 in der Gefühlsqualität reagieren. Nur Gefühle dieser zweiten Art sind 
 Wertgefühle, denen ich die Gefühle erster Art als Wissensgefühle ent- ^ 
 gegengestellt habe.[i^] Ein tieferer Einblick in das Wesen des hier vor- 
 liegenden Gegensatzes ist indes erst zu gewinnen, wenn man, in der 
 Hauptsache dem Vorgange St. Witaseks^ folgend, neben den Urteilen 
 auch die Annahmen in Betracht zieht, andererseits merkwürdige Analogien 
 mit berücksichtigt, die nicht mehr dem Gebiete des Denkens, sondern 
 dem des Vorstellens angehören. Es stellt sich dabei heraus, daß der 
 in Rede stehende Gegensatz auf den Anteil zurückgeht, der in jedem 
 der beiden Fälle einerseits dem Urteilsakte, andererseits dem Urteils- 
 inhalte an dem resultierenden Gefühle zukommt. 
 
 Unterscheiden sich nämlich vor allem Urteil und Annahme von 
 einander durch die Eigenart des dort und hier vorliegenden Denkaktes, 
 indes eventuell nicht nur der zugrunde liegende Vorstellungs-, sondern 
 auch der Denkinhalt ganz wohl übereinstimmen könnend so verrät 
 sich in der eben erwähnten Empfindlichkeit der Wertgefühle für den 
 Wechsel von Ja und Nein an dem Urteile, auf das sie gegründet sind, [' 'j 
 ein wesentlicher Anteil des Urteilsinhaltes, [^^] indes die mindestens 
 relative Unempfindlichkeit dafür bei den Wissensgefühlen auf den Mangel 
 an einem solchen Anteil schließen läßt. Damit kontrastiert bei den 
 'Wissensgefühlen deutlich deren Empfindlichkeit gegen Veränderungen 
 im Denkakte, indem, falls hier das Urteil der bloßen Annahme platz- 
 macht, das Gefühl ganz oder nahezu ganz erlischt, übrigens auch dann 
 schon eine wesentliche Modifikation erleidet, wenn Ungewißheit an Stelle 
 der Gewißheit getreten ist. Die Wertgefühle zeigen sich, was ihre 
 Empfindlichkeit gegen Veränderungen des Denkaktes anlangt, den 
 
 Wissensgefühlen nicht in dem Maße entgegengesetzt, wie inbetreff des 
 Denkinhaltes. Tritt nämlich bei ihnen Ungewißheit an Stelle der Gewiß- 
 heit, so wird aus dem eigentlichen Wertgefühl die emotionale Grund- 
 lage von Hoffnung oder Furcht^; tritt die Annahme an die Stelle des 
 Voraussetzungsurteiles, so verwandelt sich das Ernstwertgefühl in ein 
 Phantasiewertgefühl. Aber den Charakter des Werterlebnisses behält, 
 was so resultiert, immer noch, indes der Annahme gegenüber von 
 Wissensgefühl kaum in irgend einem verständlichen Sinne mehr die 
 Rede sein könnte. 
 
 Was sich so in betreff eines herrschenden Anteils von Voraus- 
 setzungsakt, respektive Voraussetzungsinhalt herausstellt, findet nun auch 
 in der Tatsache seine Bekräftigung, daß eine analoge Anteilsverschieden- 
 heit wie an den psychologischen Voraussetzungen der Denkgefühle so 
 auch an jenen der Vorstellungsgefühle vermutet werden muß. Dies 
 ergibt sich, wenn man hier die ästhetischen Gefühle den sinnlichen 
 gegenüberstellt. Dabei kann die Frage, ob alle ästhetischen Gefühle 
 als Vorstellungsgefühle zu betrachten sind^, unerwogen bleiben: ohne 
 Zweifel sind zum Beispiel die ästhetischen Gefühle an Raumgestalten, 
 Farben, Tönen und andere Vorstellungsgefühle [^^]. Bei ihnen ist es 
 selbstverständlich, daß für ihren Ausfall die vorgestellten Gegenstände 
 und sonach die dem Erfassen dieser Gegenstände zugrunde liegenden 
 Inhalte^ wesentlich sind, indes die relative Gleichgültigkeit des Vor- 
 stellungsaktes hier daraus erhellt, daß Melodien oder Ornamente gün- 
 stigen Falles nicht nur gefallen, wenn man sie hört, respektive sieht, 
 sondern auch, wenn man sie in der Phantasie vergegenwärtigt. Ganz 
 anders verhalten sich die sinnlichen Gefühle zur Abänderung des Voraus- 
 setzungsaktes von der Ernst- in die Phantasievorstellung: sie gehen, 
 falls sie nicht ganz verschwinden, in so wenig deutliche Phantasie- 
 gefühle über, daß es meist recht schwer ist, selbst heftige sinnliche 
 Schmerzen in der Erinnerung auch nur mit einiger Anschaulichkeit 
 festzuhalten. Das hat dann zugleich noch darin seinen Grund, daß die 
 Gegenstände dieser Gefühle oft auch unter den für die Gefühle gün- 
 stigen Umständen, nämlich wenn die Voraussetzungsvorstellungen durch 
 die Beschaffenheit ihrer Akte als Ernstvorstellungen charakterisiert sind, 
 so wenig deutlich hervortreten und dadurch die relative Unwesentlich- 
 keit ihrer Inhalte verraten. So kommt es auch, daß man selbst bei 
 heftigen sinnlichen Schmerzen so leicht einen ihnen eigenen Gegenstand 
 vermißt, dort aber, wo man einen solchen doch herausfinden zu können 
 meint, ein Verständnis dafür, warum gerade er von solchen Schmerzen 
 begleitet ist, in besonders geringem Maße aufzubringen vermag. Anderer- 
 seits würde man bei lustvollen Körper- oder Temperaturempfindungen 
 vergebens eine Luststeigerung dadurch herbeizuführen versuchen, daß 
 
 1 Vgl. St. Witasek, „Gnmdlinien der Psychologie", Leipzig 1908. 
 
 2 Vgl. „Psych, eth. Unters, usw.". . 
 
 3 Vgl. „Grxindzüge der aUgemeinen Ästhetik", S. 195 ff., auch „Grundlinien 
 der Psychologie", S. 322 ff. 
 
 * Vgl. „Über Annahmen" 2, § 59. 
 
 1 Vgl. „Psych, eth. Unters, usw.", S. 56 ff., vgl. auch unten II, § 9. 
 
 2 Vgl. ,Über emotionale Präsentation". Sitzungsberichte d. Akad. d. Wiss., 
 Wien 1917, Fhilos. bist. Kl., Bd. CLXXXIII,.S. 87 f. 
 
 3 Über Inhalt und Gegenstand vgl. „Über Möglichkeit und Wahrschein- 
 üchkeit" [Register]. 
 
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