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 n. Die Werterlebnisse. 
 
 § 6. Denk- nnd insbesondere Urteilsgefühle. 
 
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 zwar vorliegt, aber kein Wertgefühl auslöst, weil der Ausübende an 
 die Aufrichtigkeit der Beifallsäußerung nicht glaubt; es liegt dies jedoch 
 außerhalb der Sphäre unserer augenblicklichen Interessen, die es ja 
 mit Fällen zu tun haben, wo Wertgefühle erlebt werden und nicht mit 
 solchen, wo diese nicht erlebt werden. 
 
 Hatten es die bisherigen Beispiele mit Werterlebnissen zu tun, 
 denen die Wertobjekte nahe standen bis zur Gegenwärtigkeit, so ist es 
 nun leicht, zwischen beide längere Zeitintervalle zu schieben, was für 
 die Kausalauffassung dann eine entsprechende Verlängerung der Kausal- 
 reihe zu bedeuten hätte. Der Musiker unserer früheren Beispiele hat 
 für sein Instrument nicht nur dann ein Wertgefühl, wenn es ihm sinnlich 
 gegenwärtig ist, sondern auch, wenn räumliche und zeitliche Ferne die 
 Wahrnehmung ausschließen. Eine Kausal Verknüpfung zwischen Wertgefühl 
 und Wertobjekt ist hier mit Hilfe der Erinnerung eventuell noch herzu- 
 stellen; je länger aber so die Kausalreihe wird, desto dringender wird die 
 schon beim Ofenbeispiel aufgeworfene Frage, ob eine so vielvermittelte 
 Relation, wie die in Rede stehende Verknüpfung, einen so unvermittelten 
 Aspekt darbieten kann, und warum unter den nun noch viel zahlreicheren 
 kausalen Antezedentien gerade das bevorzugt ist, was als Wertobjekt auftritt. 
 
 Nun kann aber die Sachlage ganz wohl eine derartige sein, daß 
 das Wertobjekt auch nicht in irgend einem, gleichviel wie zahlreiche 
 Zwisclienglieder einschließenden Sinne als die Ursache des W^ertgefühles 
 betrachtet werden darf. Ich weiß von einem fernen Freunde, mit dem 
 ich nur nicht etwa in telegraphischer Verbindung bin, daß der heutige 
 Tag ihm die Erfüllung einer Lebenshoffnung bringen wird, und herzlich 
 Anteil nehmend begleite ich ilin in Gedanken auf diesem wichtigen 
 Stück seines Schicksalsweges. Daß ich dabei Wertgefühle erlebe, ist 
 hier ebenso außer Zweifel wie die Tatsache, daß, was sich eben erst 
 in der Ferne zuträgt, sich an mir nicht kausal betätigen kann. 
 
 Indessen gibt es nun einen noch viel leichter gangbaren Weg, sich 
 von der Unwesentlichkeit der Kausalverbindung, genauer von deren 
 Entbehrlichkeit für die Werterlebnisse als solche zu überzeugen. Sie 
 muß ja ohne weiteres einleuchten, wenn man Wertgefühle aufzuzeigen 
 imstande ist, die sich weder auf Gegenwärtiges, noch auf unmittelbar 
 Vergangenes richten, wodurch dann mindestens ein unmittelbarer, in 
 vielen Fällen aber auch jeder mittelbare Kausalnexus ausgeschlossen 
 ist. Nun gehören aber Erlebnisse dieser Art zum Allergewöhnlichsten. 
 Schon in seiner eigenen Vergangenheit hat ja jeder Erwachsene einen 
 Besitz, an dem auch dem Ärmsten gar manches, dem vom Glück 
 Begünstigten gar vieles wert sein wird. Noch selbstverständlicher mag 
 es sein, daß dem einigermaßen normal V^eranlagten schon die ferne, 
 noch mehr aber die nahe Zukunft nichts weniger als gleichgültig ist, 
 da sich sein Interesse fast unausgesetzt derselben zuzuwenden pflegt. 
 In solchem Künftigen aber haben wir zugleich die Hauptgruppe jener 
 Fälle vor uns, die den Gedanken an ein Verursachen des ihnen zeitlich 
 vorangehenden Wertgefühles schon vermöge der Natur des Kausal- 
 gedankens nicht aufkommen lassen. 
 
 Man hat versucht, die Schwierigkeiten, auf die die Kausalauf- 
 fassung sonach zu führen scheint, durch die Aufstellung zu beseitigen, 
 es komme, „um den Satz auszusprechen: »dies hat Wert«, nicht darauf 
 an, ob man augenblicklich Lust hat, das heißt, augenblicklich Lust- 
 wirkung erfährt, sondern nur darauf, daß man den Gegenstand als 
 lustwirkend kennen gelernt hat, also weiß, daß er Lust wirken kann*.* 
 Und in der Tat kann nicht bezweifelt werden, daß nicht nur tatsächliche, 
 sondern auch mögliche Lustkausation Wert mit sich führt. Aber möglich 
 und wirklich stehen dabei doch nicht etwa auf gleichem Niveau, so daß 
 es etwa nur auf das Kausalmoment ankäme und insbesondere gibt es 
 Möglichkeiten in Menge, die viel zu entlegen sind, um einen nennens- 
 wert ins Gewicht fallenden Wertbetrag zu ergeben. Dem Wertgefühle 
 bei fehlender, eigentlich also nur eingebildeter Ursache, wie wir sie 
 im Beifallsbeispiel angetroffen haben, ist in dieser Weise überhaupt 
 nicht Rechnung zu tragen. 
 
 Wir haben bisher ausschließlich existierende Wertobjekte in Betracht 
 gezogen, wissen aber schon von unseren ersten hierhergehörigen Er- 
 wägungen her, daß es auch Wertgefühle gibt, die sich auf Nicht- 
 existierendes beziehen. Es ist nun ohne weiteres klar, daß jeder solche 
 Fall die Kausalbetiachtung a limine ausschließt. Kausieren kann ja 
 nur, was existiert; wir können aber auch den Fall der Nichtexistenz 
 als Wertfall in Betracht ziehen. Allerdings ist mir das Recht, dies zu 
 tun, in Abrede gestellt worden. Ich hatte behauptet: „Nichtexistenz der 
 Krankheit" könne Wert haben. Dem wird aber entgegengehalten : „»Nicht- 
 existenz der Krankheit« sagt doch zunächst gar nichts, es wird kein 
 bestimmtes Gegebenes getroffen. Daher kann allerdings Nichtexistierendes 
 (Nichtwirkendes, Nichtwirkliches) nicht »Wert« haben, weil das, was 
 »Wert« hat, stets Wirkendes = Wirkliches = Existierendes ist. Meint 
 Meine ng dennoch: Nichtexistierendes habe »Wert«, so meint er unter 
 Nichtexistenz der Krankheit sofort schon ein Bestimmtes, nämlich Gesund- 
 heit, also ein Existierendes, also Wirkliches . . .".^ Hier mit Nichtexistenz 
 der Krankheit Existenz der Gesundheit „gemeint" zu haben, muß ich durch- 
 aus in Abrede stellen. Noch wichtiger scheint mir indes, daß jeder Grund 
 fehlt, warum ich solches etwa hätte meinen sollen. Positiver und negativer 
 Sachverhalt gestatten hier ersichtlich eine völlig gleiche Behandlung. 
 
 Kein günstigeres Schicksal hat die Kausalauffassung von der Seite 
 solcher Wertgefühle zu erwarten, die überhaupt nicht auf Existierendes, 
 sondern auf Bestehendes, respektive Nichtbestehendes gerichtet, wo 
 also die Wertobjekte idealer Nutur sind. Kausalität betrifft ausschließlich 
 Existierendes : was also nicht real ist,^ kann für eine Kausalbetrachtung 
 von vornherein nicht in Frage kommen. 
 
 Kaum mehr als eine nun schon völlig entbehrliche Zugabe ist 
 es, auch auf jene Fälle von Wertstellungnahme hinzuweisen, wo das 
 
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 1,: 
 
 1 E. Hey de, „Grundlegung der Wertlehre*, S. 95. 
 
 2 E. Hey de, «Grundlegung der Wertlehre", S. 106. 
 
 3 Über den Gegensatz zwischen Idealem und Realem vgl. „Über Möglichkeit 
 und Wahrscheinlichkeit" [Register]. 
 
