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 11. Die Werterlebnisse. 
 
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 unbedenklich Wert im natürlichsten Wortsinne zuschreibt. Den Wert in 
 diesem Sinne muß, so scheint mir, die Werttheorie in erster Linie in 
 Untersuchung ziehen. Zeigt sich dann, wie ich ja sicherlich nicht bestreite, 
 eine gewisse Analogie zwischen ihm und den übrigen Dignitativen, so 
 ist dagegen, dem Worte „Wert" einmal auch einen weiteren Sinn zu 
 erteilen, nichts einzuwenden ; die Einsicht in die charakteristische Eigen- 
 art des engeren Wertgebietes wird dabei aber nicht ohne Schaden ab- 
 handen kommen können. 
 
 Wie weitgehend die Bedeutungsverschiebung ist, die durch den 
 in Rede stehenden abgeänderten Wortgebrauch inauguriert würde, erhellt 
 besonders deutlich aus dem Sinn und aus dem Umfang, in dem Th. Haering 
 von logischen oder Wahrheitswerten redet. Nicht nur wahr und falsch 
 selbst, sondern auch wahrscheinlich, möglich, notwendig, real, gegen- 
 ständlich erscheinen da als , Wertprädikate" ^, und im Grunde genügt 
 hier schon, wenn ich recht sehe, die bloße Aufzählung, davon zu über- 
 zeugen, daß unter dem Zwange solcher Zusammenorduung alle Teile 
 Schaden nehmen müßten. Zwar belegt der Autor die „Fruchtbarkeit" 
 seiner Aufstellung durch die Behauptung, daß im Begriff der Annahme 
 ,ein Erkenntniswerturteil . . .' enthalten ist.^ Ist aber, was bislier zur 
 Beschreibung der Annahmetatsaclien von mir und anderen beigebracht 
 worden ist, nicht von Grund aus verfehlt, so ist die Annahme als solche 
 ein besonders auffälliges Spezimen der vielen Dinge, mit denen der 
 Wert, außer etwa sozusagen per accidens, nicht das allermindeste zu 
 tun haben dürfte. Fragt man ferner nach dem Motiv, das über das 
 Unnatürliche solcher Aufstellungen hinwegtäuschen konnte, so dürfte die 
 Antwort in der Weise zu finden sein, in der unser Autor das Wesentliche 
 des Wertungsvorganges zu kennzeichnen versucht. Wir wissen bereits, 
 daß er unter „Wertung" nur das „Innewerden" eines Wertes versteht 
 .Jedesmal werden wir . . . des Verhältnisses der Zugehörigkeit (Sub- 
 sumierbarkeit) eines indifferenten Etwas (des Wertungsgegenstandes) 
 unter (inj eine »Wertsphäre« inne ... Im Wertverhältnis (das heißt als 
 »Wert«) tritt dieses Etwas zu einer bestimmten psychischen Struktur in 
 Beziehung (ordnet sich ilir ein), welche ich eben als »Wertsphäre« bezeich- 
 net habe . . . Dies gilt für alle Wertarten in derselben Weise. Etwas wird 
 als schön, gut, wahr, real usw. gewertet, weil oder indem es sich der 
 psychisch-dispositionell-repräsentierten ästhetischen, moralischen, Objek- 
 tivitäts- usw. Wertsphäre, die sich historisch im Individuum gebildet 
 hat und nachweisen läßt, einordnet, beziehungsweise als zugehörig (ein- 
 ordenbar) erlebt wird."' Sehe ich recht, so kommt es hier eben doch 
 überall auf die , Strukturen" respektive „Wertsphären" an und gar 
 nicht auf die „Subsumtion", die vielmelir an und für sich weder für 
 den Wert im allgemeinen, noch für das Wertvorzeichen im besonderen 
 etwas entscheidet. Was aber die Strukturen, Tendenzen, Dispositionen usw. 
 anlangt, deren historisches Werden sicherlich die Beachtung und die 
 
 1 Vgl. „Beiträge usw.", § 1 (bes. S. 5 f.), § 3. 
 
 2 A. a. 0., S. 6. 
 
 ' „Beiträge usw.", S. 49. 
 
 § 5. Wertgeffihle als Seinsgetthle. 53 
 
 anregenden Gedanken verdient, die unser Autor ihnen zuwendet so 
 
 rj,Sl n' T. ''"w '" '"™'''"" ^«'' augenscheinlich nur unter 
 gewissen Umstanden Wertgrundlagen aus. Maßgebend für den Wert in 
 diesen. Smne smd jedoch dann weder hedonisehe, noch ästhetische 
 noch logische Emotionen. Oder genauer: alle diese Emotionen können 
 an den Werttatsachen beteiligt sein, an denen am Ende auch S&i 
 oder Gegenständlichkeit ihren Anteil haben können, obwohl Je anl^S 
 gar nichts Emotionales sind. Aber derlei konstituiert den Wert noch 
 nicht, wenn man so sagen darf, vielmehr sind es nicht schlechthin 
 emoionae, sondern näher in ganz bestimmter Weise charakterisierte 
 emotionale Erlebnisse, auf die dabei alles ankommt. ^ Sie fesSeC 
 muß unsere nächste und wichtigste Aufgabe sein 'esizusteuen, 
 
 Es ist zu diesem Ende unerläßlich, eine Tatsache zu beachten 
 die sich irgendwie der Aufmerksamkeit so ziemlich eines jede', auf-' 
 drangen muß, der unserem Verhalten in Wertangelegenheiten einiger- 
 maßen naher zu treten versucht. Sie ist vielleicht besonders auffallend 
 rrt«7° p^ Werttatsachen vorübergehend noch einmal vom Stand- 
 punkte des Begehrenden aus betrachtet. Bekanntlich ist das Begehren 
 ganz ebenso auf einen Gegenstand gerichtet wie, cum grano salfs ver 
 s anden, alles psychische Geschehen : niemand kann begehren olne 
 
 dlrbier Ä '". ''"« \'''P"^ '' '"'' ^'' ^'"^ genauere Beschreibung 
 tZf.ll ^orl egenden Sachverhaltes, daß das, worauf sich das Begehref 
 zuletzt bezieht, unter normalen Umständen die Existenz (respektive Nicht 
 existenz) des betreffenden Objektes ist. Wünschen die Bewohner i 
 S^adt sich eine Straßenbahn oder elektrische Beleuchtung, so geht dieser 
 Wunsch, genauer ausgedrückt, selbstverständlich dahin daJ5 die Bahn 
 respektive die elektrische Anlage da sei. Manchmal hat esl Anschdn' 
 als handle es sich nicht so sehr um das Dasein als um ein bestimmtes 
 iTZr" bestimmte Beschaffenheit des Objektes. Das ist überalllr 
 i« !f ' • ? ^^'. ^y^' '""^ 2^" *>«« Begehrens^ bereits existiert, eo 
 JaSdel wt T 1 ""^ "f. ''°' Veränderung an diesem Objekte 
 handel . Wer se n stumpfes Messer schleifen läßt, begehrt natiiriich 
 nicht kurzweg die Existenz seines Messers ; auch das Kind, das das 
 Spielzeug seines Gefährten haben möchte, begehrt nicht die ExLenz 
 dieses Spielzeuges. Begehrt wird vielmehr dort die Schärfe des Messers 
 hier der Besitz des Spielzeuges, also jedesmal nicht mehr die Existenz 
 sondern nur eine Bestimmung an dem betreffenden Objekte Aber diese 
 fo'trru"I.Tr"'' f\^^'^^S^^^^^ fiir erfüllt gelten, selbstverständlich 
 
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