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 I. Voruntersnchungen. 
 
 § 5. Rückblick. Die Beziehungen zum Subjekte. 
 
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 gewiesene Antinomie läßt erkennen, daß auch der negative Anteil, sofern 
 er bei der Ersetzbarkeit vom Betrage selbst den Betrag aufweist, 
 wie immer er zu verstehen sein mag, jedenfalls nicht auf die Opfer 
 zurückzuführen ist. 
 
 An letzter Stelle wäre nun noch des Momentes zu gedenken, das 
 unter den eingangs erwähnten Instanzen zugunsten der Opfertheorie für 
 besonders greifbar gelten mochte: ich meine den Preis, dessen Zusammen- 
 hang mit Mühe und Kosten so leicht darzutun ist. Aber dem liegt vor 
 allem eine Verwechslung zugrunde, die dem Denken des täglichen Lebens 
 zwar immer noch ganz gewöhnlich, der ökonomischen Theorie aber 
 längst als Verwechslung bekannt ist: Wert (wenigstens in dem für uns 
 maßgebenden Sinne des ,,persönlichen'' Wertes) ist etwas anderes als 
 Preis. Hat eine Ware einen bestimmten Kaufpreis erzielt, das heißt, ist 
 das Kaufgeschäft wirklich abgeschlossen worden, so beweist das durch- 
 aus nicht, daß das Objekt des Geschäftes beiden Kontrahenten so viel 
 wert ist wie die als Kaufpreis vereinbarte Geldsumme, sondern ganz 
 im Gegenteil, daß dem Käufer die Ware, dem Verkäufer aber das Geld 
 das wertvollere ist. Keiner von beiden Teilen hätte unter normalen 
 Umständen den Kauf abgeschlossen, meinte er nicht, durch denselben 
 gewonnen zu haben. Der Gewinn mag manchmal unbeträchtlich sein; 
 um wie viel höher aber unter Umständen die Ware für den Konsumenten 
 im Werte stehen kann als die dem üblichen Marktpreis entsprechende 
 Geldsumme, das beweist zum Beispiel die Höhe, zu der die Lebend 
 mittelpreise etwa in einer belagerten Stadt oder einem belagerten Land 
 ansteigen: niemals, auch nicht im Falle größter Not, zahlt man für ein 
 Brot so viel, daß dem Käufer das Geld mehr wert wäre, als das, was 
 er dafür zu erhalten erwartet. — Nehmen wir nun aber selbst vorüber- 
 gehend an, Preis und Wert fielen zusammen, so ist der Zusammenhang 
 zwischen Preis und Opfern, soweit die Erfahrung ihn antrifft, durchaus 
 nicht nur unter Voraussetzung einer Opfertheorie und unter deren Vor- 
 aussetzung auch nicht wesentlich leichter verständlich als ohne diese. 
 Wer insbesondere für den Verkauf produziert, wird vorbedachter Weise 
 auf die Herstellung des Artikels nicht mehr aufwenden, als er herein- 
 zubringen hofft, und beim Verkaufe nicht weniger verlangen, als er 
 ausgelegt hat. Dennoch ist auch unter diesen besonderen Voraussetzungen 
 die Werttheorie der gebrachten Opfer, die der bevorstehenden kommt 
 ja hier außer Frage, noch einmal ad absurdum zu führen. Wären die 
 Kosten der Wert oder ein integrierender Bestandteil desselben, dann 
 wäre es einfach ausgeschlossen, daß je einmal jemand unter dem Selbst- 
 kostenpreise verkautte. Daß dies nun tatsächlich vorkommt, zeigt neuer- 
 lich, wie man es im Werte doch mit etwas ganz anderem zu tun 
 
 haben muß. 
 
 Wollen wir die Ergebnisse der im Voranstehenden niedergelegten 
 Erwägungen zusammenfassen, so können wir nun einfach sagen: Die 
 Opferwerttheorie erweist sich als unzureichend, mögen wir die vorher- 
 gehenden oder die nachfolgenden Opfer in Betracht ziehen. Von den 
 vorhergehendeh Opfern hat nur die zur Herstellung und Erhaltung 
 
 erforderte Arbeit einigen Anschein für sich, als ob sie den Wert aus- 
 machen könnte. Aber diese müßte den Wert zu etwas Starrem, Unab- 
 änderlichem, Unpersönlichem machen; zudem gibt es vorhergehende 
 Opfer, die für den Wert irrelevant sind. Als nachfolgende Opfer kämen 
 in erster Linie diejenigen in Frage, die mit dem eventuellen Ersätze 
 zusammenhängen. Aber es gibt auch nachfolgende Opfer, die den Wert 
 nicht berühren, indes Seltenheit, respektive Ersetzbarkeit den Wert 
 niemals konstituiert sondern nur modifiziert. 
 
 Der hier durchgeführte Versuch, den Grundgedanken der Opfer- 
 werttheorie zu widerlegen, hat sich absichtlich fast durchaus auf dem 
 Gebiete der ökonomischen Tatsachen bewegt, auf dem diese Theorie 
 ausschließlich aktuell war und ist. In Betreff der außerökonomischen 
 Werttatsachen genügt wohl der kurze Hinweis, daß der besprochenen 
 Theorie hier auch nicht das Geringste von jenem Anschein zustatten 
 kommt, der dort vor näherer Erwägung für sie einnehmen mochte. 
 Welchen Sinn könnte es auch haben, etwa den Wert von Liebe, Freund- 
 schaft oder Ehre auf Mühe oder Kosten zu beziehen, durch die diese 
 Güter erworben oder im Verlustfalle wieder zu erwerben wären? Es 
 ist dies wohl einer der Fälle, an denen sich der Wert einer über das 
 speziell ökonomische Wertgebiet hinausreichenden Fragestellung, wie sie 
 der allgemeinen Werttheorie gemäß ist, besonders deutlich fühlbar macht, 
 indem sich ihr gegenüber eine Beantwortung fast von selbst verbietet, 
 die im spezielleren Gebiete des Ökonomischen ohne genauere Unter- 
 suchungen doch schwer abzulehnen gewesen wäre. [^] 
 
 § 5» Rückblick. Die Beziehungen zum Subjekte* 
 
 Die drei Grundansichten über das Wesen des Wertes, die wir im 
 Voransteheuden einer genaueren Betrachtung mit gleich negativem Er- 
 gebnisse unterzogen haben, gehören nicht in der Weise einem systematisch 
 gegliederten Ganzen an, daß durch ihre Erledigung etwa ein Restgebiet 
 erübrigt würde, dem der Wert daraufhin nun um so sicherer zuzuweisen 
 wäre. Es wären mithin der Möglichkeit nach vielleicht noch die aller- 
 verschiedeusten Gedanken übrig, die man zur Charakteristik des Wertes 
 zu Hilfe zu rufen versuchen könnte. Tatsächlich aber ist, soviel mir 
 bekannt, den drei besprochenen Versuchen kein vierter von annähernd 
 ähnlicher Scheinbarkeit an die Seite zu stellen. Statt also etwa bloßen 
 Möglichkeiten nachzugehen, empfiehlt es sich nunmehr, den Weg direkter 
 Untersuchung der Werttatbestände einzuschlagen, das heißt, diese auf 
 das sie als Wert kennzeichnende Moment direkt zu befragen. 
 
 Dabei verdient ein Gesichtspunkt ausdrücklich beachtet zu werden, 
 der zugleich noch einen Beitrag abgibt zu nachträglicher Kritik der drei 
 eben betrachteten Beantwortungsversuche, insbesondere des letzten der- 
 selben. Gesetzt, die Opfer gingen wirklich in der Weise mit den Werten 
 zusammen, wie es im Vorangehenden hat in Abrede gestellt werden 
 müssen, würde man sich daraufhin leicht entschließen, in den Opfern 
 wirklich das Wesen dessen zu sehen, was wir beim Worte ,Wert* in 
 dessen persönlicher Deutung im Auge haben? Wir würden an eine viel- 
 
 
