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 I. Voruntersuchungen. 
 
 § 4. Wert und Opfer, Kosten, respektive Arbeit. 
 
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 lieh weit abliegen kann. Sieht man also selbst ganz davon ab, daß so 
 vieles wertvoll ist, das man schwer als nützlich bezeichnen kann, so 
 ist, auch wenn man durch Begrififsverschiebungen „nützlich" und „wert- 
 voll" sollte zu einer Art Deckung bringen können, der Einsicht in das 
 Wesen der Sache nicht gedient. Selbst wenn die Nützlichkeitsdefinition 
 des Wertes zu halten wäre, so hätte die Werttheorie durch sie nicht 
 das Geringste gewonnen. 
 
 § 4. Wert und Opfer, Kosten, respektive Arbeit. 
 
 Durchaus frei von dieser Gefahr, ins Tautologische zu geraten, 
 ist ohne Zweifel ein dritter Gedanke, der hier gleichfalls schon um 
 seiner Stellung in der Geschichte der ökonomischen Werttheorie willen 
 nicht ungewürdigt bleiben darf, wobei indes das Hervorheben einiger 
 Hauptgesichtspunkte ausreichen wird, da die Akten über ihn bereits vor 
 dem Forum der Nationalökonomie ihren Abschluß gefunden haben dürften. 
 In dem Maße, in dem der Nützlichkeitsgedanke seinen Dienst zu ver- 
 sagen schien, hat sich immer wieder die Tendenz geltend gemacht, 
 die Tatsache des Wertes damit in Zusammenhang zu bringen, daß das 
 Wertvolle zur Hervorbringung, Herbeischaffuug sowie zur Erhaltung 
 allerlei Opfer an Mühe und Kosten in Anspruch zu nehmen pflegt. Auf 
 Erfahrungen dieser Art ist die in einer spezielleren Gestalt sozialpolitisch 
 immer noch so aktuelle Ansicht aufgebaut,^ die man schematisch etwa 
 in den Satz zusammendrängen mag: Der Wert eines Gegenstandes besteht 
 in den auf ihn gewendeten Opfern. Wir haben diesem Satze hier eine, 
 wenn auch möglichst kurze, Erwägung zu widmen, durch die die im 
 weiteren eingehaltene Stellung zu dieser Auffassung hoffentlich aus- 
 reichend motiviert sein wird. 
 
 Eben weil dieser Gedanke ganz und gar nicht tautologisch ist, 
 ist hier die Frage, was denn eigentlich auf ihn führen und für ihn 
 sprechen mag, um vieles dringender als bei den beiden bisher abge- 
 handelten werttheoretischen Grundthesen. Historisch verdient in dieser 
 Hinsicht vielleicht vor allem der Umstand Beachtung, daß die Berufung 
 auf die Opfer ein Mittel zu bieten schien, das Paradoxon des Aus- 
 einanderfaliens von Nützlichkeit und Wert begreiflich zu machen. Das 
 Paradoxon besteht, wie wir sahen, darin, daß das Nützlichere geringereu 
 Wert haben kann als das minder Nützliche. Dies kann eintreten, wenn 
 das minder Nützliche zugleich das Seltenere ist. Es ist ja klar, daß es 
 um so schwieriger sein wird, etwas zu erwerben, je seltener es ist: 
 das Mittel, derlei Schwierigkeiten zu überwinden, ist entweder, das 
 betreffende Objekt durch Arbeit herzustellen oder es zu kaufen; Arbeit 
 oder Kosten sind denn in der Tat auch die beiden Formen, in denen 
 
 1 Eine neue Art theoretischer Aktualität könnte ihr, wenn die Zeichen 
 nicht trügen, aus der suggestiven Kraft des Energiegedankens oder -wertes 
 erwachsen. Ist alles Energie, so doch auch jedenfalls der Wert ; bei den engen 
 Beziehungen zwischen Energie und Arbeit kommt solchen theoretischen Inten- 
 tionen eine Arbeitsweittheorie zwar recht äußerlich, am Ende aber doch auf 
 halbem Wege entgegen. 
 
 die durch die in Rede stehende Auffassung verlangten Opfer bestehen 
 können. Je seltener also etwas ist, desto mehr Opfer müssen seiner 
 Herbeischaffung gebracht werden, und es entspricht dann dieser Auf- 
 fassung durchaus, daß auch der Wert umso größer ist. 
 
 Aber es scheint doch noch viel greifbarere Belege zu geben. Das 
 Zusammengehen von Wert und Kosten macht sich in den Erfahrungen 
 des täglichen Lebens so auffällig, daß keine einfachere und zugleich 
 exaktere Weise der Wertbestimmung gefunden werden zu können scheint 
 als die Preisangabe, und nicht leicht ein Zweifel daran begegnet, daß 
 der höhere Preis den höheren Wert bedeutet. Und auch die Preisbildung 
 selbst zeigt sich wesentlich durch die Opfer bestimmt: was mehr Arbeit 
 verlangt und kostbareres, das heißt teureres Material aufweist, ist selbst 
 teurer und Herabsetzung oder Steigerung dieser Opfer führt normaler- 
 weise auch Herabsetzung oder Steigerung des Kaufpreises mit sich. 
 Solchen Erfahrungen stellen sich dann andere zur Seite, die, obwohl 
 sie Anspruch auf ähnliche Stringenz nicht mögen erheben können, ihrer 
 Tendenz nach, wie es scheint, in keiner Weise zu verkennen sind. 
 Wer wüßte nicht, wie anders man ein Gut zu schätzen weiß, das man 
 durch eigene Arbeit und Entbehrung erworben hat, als eines, das ererbt 
 oder sonst mühe- und kostenlos erworben worden ist? Darin scheint 
 doch deutlich zutage zu kommen, wie den Wert einer Sache doch 
 eigentlich nur derjenige richtig erfassen kann, der die Opfer sich 
 gehörig zu vergegenwärtigen vermag, die sie gekostet hat. Und es gibt 
 einen allerdings relativ speziellen Fall, wo der Zusammenhang des 
 Wertes mit der aufgewandten Mühe dem Urteil des täglichen Lebens 
 ganz geläufig ist. Es wird zwar immer seltener, daß das Kind seinen 
 Eltern oder die Freundin ihrer Freundin durch der eigenen Hände 
 Arbeit eine Freude zu bereiten versucht; und es wird gewiß in mehr 
 alsL einer Hinsicht „vernünftig" sein, wenn dergleichen immer seltener 
 wird. Aber wo ein solches Geschenk gegeben und genommen wird, 
 da besteht in der Regel die ganz sichere Meinung, das Geschenk sei 
 in dem Maße wertvoller, in dem es den Gebenden mehr Arbeit ge- 
 kostet hat. 
 
 Versucht man nun aber für das, was so gewissermaßen von außen 
 her ziemlich gut belegt scheint, nun auch eine Art Verständnis von der 
 Innenseite her zu gewinnen, so kann man sich vor allem des Eindruckes 
 nicht erwehren, daß der Opfertheorie eigentlich genau das Gegenteil 
 dessen zugrunde liegt, was man als das Natürliche weil in sich Ver- 
 ständliche erwarten möchte. An einem Zusammenhange zwischen Wert 
 und Opfern wird ja niemand zweifeln; aber jedermann denkt sich ihn 
 zunächst so, daß man eventuell Opfer bringen wird für etwas, weil es 
 von Wert ist, nicht aber so, daß etwas deshalb wertvoll ist oder wird, 
 weil eventuell Opfer dafür gebracht wurden oder werden. Es sieht eben 
 ganz so aus, als wäre der Wert den Opfern gegenüber das natürliche 
 Prius, dessen Identifizierung mit den Opfern oder gar Reduktion auf 
 diese dann selbstverständlich außer Betracht bleiben müßte. Vielleicht 
 wäre es indes ein allzu summarisches Verfahren, sich durch diesen 
 
 
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