§ 7. Der unpersönliche Wert.
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teristischer Weise zugewendet gefunden haben. Charakterisiert man also
die einem Objekte vermöge seines Seins, respektive Nichtseins zu-
kommende Bedeutung etwa durch den Ausdruck Seinsbedeutung", so
kann man auch wohl sagen: der persönliche Wert eines Objektes ist
die diesem nach Beschaffenheit und Position zukommende Seinsbedeu-
tung für ein Subjekt. W. M. Urbans Bestimmung des Wertes als „affektiv-
volitionale Bedeutung "1 steht einer solchen Aufstellung ziemlich nahe,
sofern es nicht auch da auf eine weitere Fassung des Wertbegriffes
abgesehen ist2.
§ 7. Der unpersönliche Wert. [88]
Die im vorangehenden durchgeführten Untersuchungen haben die
ausdrückliche Voraussetzung gemacht, daß der Wert, in dessen Eigen-
art es einen Einblick zu gewinnen galt, der persönliche Wert sei. Es
ist nun an der Zeit, die Frage aufzuwerfen, ob, diese Voraussetzung
zu machen, selbst schon im Wesen des Wertes begründet sei. Wir
gelangen damit zu einem Thema, dem ich bereits an anderem Orte¹
näher zu kommen versucht habe. Auf die dort gewonnenen Ergebnisse
muß hier zurückgegriffen werden, um in betreff der uns jetzt beschäftigen-
den Fragestellung zu einem natürlichen Abschlusse zu gelangen.
Da es uns nicht um die Herstellung einer willkürlichen Definition
des Wertes, sondern um die Beschreibung der im Werte sich dar-
bietenden Tatsächlichkeiten zu tun ist, hierzu aber zunächst möglichst
getreues Festhalten des der wissenschaftlichen Bearbeitung vorgegebenen
Wertgedankens erforderlich erschien, verdient vor allem konstatiert zu
werden, daß diesem Gedanken die Bezugnahme auf ein Subjekt doch
nicht wohl obligatorisch sein kann. Gold, Edelsteine und andere „Kost-
barkeiten" haben für den werttheoretisch Naiven ihren, oft sehr
geheimnisvoll genommenen, Wert in sich. Sie haben dann freilich auch
Wert speziell für den Eigentümer oder Besitzer: das ist dann aber in
der Meinung unseres Naiven nur eine Art abgeleiteten Wertes, abgeleitet
von jenem inneren Werte, den man solchen Dingen vermöge ihrer
besonderen Natur zuschreibt. Solche Betrachtungsweise muß sich dann
freilich auf ökonomischem Gebiete recht weitgehende Richtigstellungen
gefallen lassen. Diese betreffen am Ende aber doch nur die Anwendung
unseres Wertgedankens, nicht diesen selbst, und auch in betreff der
Anwendung stellen sich die Dinge wesentlich anders, wo es sich um
den Wert des Wahren, Schönen und (ethisch) Guten handelt. Durchaus
auf gleicher Linie freilich rangieren die Glieder dieser altehrwürdigen
Trias nicht. Wahres und Schönes leitet seinen Wert davon ab, wahr,
respektive schön zu sein, indes der Wert des Guten direkt dadurch
ausgemacht wird, daß es gut ist. Darin aber zeigt sich volle Überein-
1 Vgl. „Valuation", S. 26.
2 Vgl. a. a. O., S. 31 ff.
3 Vgl. oben S. 12.
4 Vgl. „Über emotionale Präsentation", § 13.
5 Vgl. Über emotionale Präsentation" [§ 11, § 15] [39].
Meinong, Zur Grundlegung der allg. Werttheorie.
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