§ 4. Beschaffenheit und Position beim Wertobjekt. Faktischer und 135
hypothetischer Wert.
Teil des Werttatbestandes aufzufassen, falls es nicht natürlicher erscheint,
den Wert als von diesen Umständen zwar abhängig, aber nicht durch
sie geradezu mit ausgemacht anzusehen.
Es steht zu Unsicherheiten dieser Art in beachtenswertem Kontrast,
daß das, was wir unter dem Namen des „Anlasses" den drei anderen
Momenten an die Seite gestellt haben, in Betreff seiner thetischen Ein-
beziehbarkeit in den Wertgedanken nicht den leisesten Zweifel auf-
kommen läßt, indem es eine derartige Einbeziehbarkeit sozusagen a
limine ausschließt. Es ergibt sich dies aus einer einfachen Erwägung.
Der „Anlaß“, den man ja oft auch die „letzte Ursache" genannt hat,
kommt natürlich erst zur Geltung, wenn alle übrigen Teilursachen für
den in Frage kommenden Erfolg verwirklicht sind: das Gegebensein
des Anlasses" führt also die Existenz der Wirkung unmittelbar mit
sich. Die Wirkung wäre in unserem Falle das betreffende Werterlebnis:
den Anlaß zum thetischen Konstitutivum des Wertes zu machen, hieße
also einfach zum Aktualwertbegriff zurückkehren. Soll also der Wert-
gedanke nicht allen potentialen Charakter verlieren, so darf der „Anlaß"
in diesen Gedanken nicht eingehen.
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§ 4. Beschaffenheit und Position beim Wertobjekt. Faktischer
und hypothetischer Wert.
Daß von den drei Momenten, die so nach Ausfall des „Anlasses"
noch übrig sind, das Objekt O, das den Wert hat, und das Subjekt S,
für das O wertvoll ist, vor allem von Belang sein müssen, versteht
sich; von diesen beiden aber scheint wieder das Wertobjekt an die erste
Stelle zu gehören. Solchem Schein gegenüber verdient bemerkt zu
werden, daß dem S nun doch etwas wie eine eigenartige Prärogative
vor seinem O zukommt, wie man aus der Stellung entnehmen kann,
die der Wert gemäß dem eben Festgestellten in der Zeit einnimmt. Da
nämlich der Wert sich zunächst als eine Art Eigenschaft des Wert-
objektes O darstellt, könnte man meinen, gegenwärtig, vergangen oder
künftig werde ein Wert heißen, sofern er einem gegenwärtigen, ver-
gangenen oder künftigen Objekte eigen ist, und zu einer Zeit, da das
Objekt nicht existiert, werde auch nicht von Sein des Wertes geredet
werden können. In Wahrheit reden wir aber, wie schon wiederholt zu
erwähnen war, vom Werte, den vergangene Erlebnisse oder künftige
Schicksale für uns haben, als von einem gegenwärtigen Werte für
uns. Dagegen sind Werte vergangen oder künftig nur, sofern ihre
Subjekte vergangen oder künftig sind: die Wertzeit fällt zusammen mit
der Subjektszeit; Werte entstehen und vergehen mit den Subjekten, für
Idie sie Wert sind.¹
Belangreicher für die uns jetzt beschäftigenden Aufgaben ist es,
daß die drei Momente, die dem Dargelegten zufolge den Wertgedanken
gegenüber den Extremen des Aktual- und des Potentialwertbegriffes zu
bestimmen geeignet sind, sich gegenüber dem, was bereits für den
¹ Die Ausführungen auf S. 70 der „Psych. eth. Unters. z. Werttheorie"
verlangen in diesem Sinne berichtigt zu werden.
