§ 4. Übertragung und Vermittlung bei Werthaltungen.
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ein solches Erlebnis das Übertragungssupplement nennen. Neben diesen
konstitutiven Nebenvoraussetzungen kann es dann ganz wohl auch noch
solche geben, deren Anteil an der resultierenden Übertragung nur ein
mehr oder minder erheblich modifizierender ist, namentlich was die
Stärke der sich ergebenden übertragenen Werthaltung angeht: die Wert-
haltung wird verschieden ausfallen, je nachdem der Vorrat der bereits
vorhandenen O größer oder kleiner ist, das Hinzukommen weiterer O
für mehr oder weniger wahrscheinlich gelten darf, ebenso das Auftreten
des O eine größere oder geringere Möglichkeit für das Auftreten des P
mit sich führt und so fort.
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Es soll hier solchen Details nicht mehr nachgegangen, sondern
nur noch versucht werden, etwas über die Natur der Relation auszu-
machen, durch die O mit P verbunden sein muß, wenn eine Übertragung
der Werthaltung vom P auf das O sich vollziehen soll. Es fällt sofort
auf, daß man es da nicht mit bloß einer Relation zu tun hat, sondern
mit mehreren. Es ist allgemein bekannt, daß sich die Werthaltung der
Wirkung (des Bedingten) auf die Ursache (die Bedingung), vom Teil
auf das Ganze, von der Eigenschaft auf deren Träger überträgt. Aber
es ist auch schon aufgefallen, daß die Übertragung unter Umständen
sozusagen die entgegengesetzte Richtung einschlägt, so insbesondere im
Falle der Relation zwischen Ganzem und Teil. In Zeiten, da für die
Konservierung ausgegrabener Altertümer noch nicht ausreichend Sorge
getragen war, konnte man oft von Reisenden hören, die sich etwa Stücke
alter Mosaike als „Andenken" mitnahmen: augenscheinlich wurden da
die Stücke um des wertvollen Ganzen willen wertgehalten. Ebenso wird,
wer einer bestimmten Summe Geldes etwa zu einem Kaufe bedarf,
auch jeden Teilbetrag dieser Summe werthalten.
Daß die Werthaltung eines ohne Rücksicht auf seine Eigenschaften
erfaßten Dinges auf dessen Eigenschaften überginge, ist mit Rücksicht
auf die Indifferenz, die einem Dinge eigen sein muß, solange man auf
seine Eigenschaften nicht Bedacht nimmt, kaum zu erwarten; ganz wohl
aber kann eine Werthaltung von dauernden Eigenschaften auf deren
Betätigungen in einzelnen Erlebnissen übergreifen. Man hat sich ja in
der Ethik schon oft genug vor die Alternativfrage gestellt gefunden,
ob ein Mensch gut heißt, weil er, respektive insofern er gut handelt,
oder umgekehrt die Handlung gut, weil der ein guter Mensch sein muß,
der sie setzt. Natürlich wäre nicht ausgeschlossen, hierin zugleich einen
Beleg dafür zu sehen, daß die Werthaltung nicht nur von der Wirkung
auf die Ursache, sondern auch von der Ursache auf die Wirkung über-
gehen kann, und auch andere Belege hierfür sind unschwer zu finden.
So etwa in der verschiedenen Wertstellung, die man leicht demselben
Verhalten gegenüber einnimmt, je nachdem man dem Menschen, der
sich so verhält, geneigt ist oder nicht. Daß übrigens auch mit diesen
Umkehrungen die Mannigfaltigkeit möglicher Wertübertragungen nicht
1 Vgl. „Psych. eth. Unters. z. Werttheorie", S. 60; Chr. v. Ehrenfels,
„System der Werttheorie", Bd. I, S. 75 ff.
