§ 10. Anhang: Wertgefühl als sekundäre Stellungnahme.
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zweiten Schritt ausmachen könnte. Aber Eigenart und Bedeutung der
Urteilsgefühle dürfte unserem Autor kaum näher getreten sein als
manch anderem Bearbeiter der Werttheorie in den letzten 25 Jahren,
- vielleicht schon deshalb, weil er das Charakteristische des Urteils
mehr im Ausdruck als im Erlebnis zu suchen scheint.¹ Daß überdies
nach der Auffassung unseres Autors eher umgekehrt das Gefühl den
ersten, das Urteil den zweiten Schritt ausmachen müßte, das beleuchtet
bestens etwa das Paradigma eines Kunstgegenstandes, auf den man
des Wohlgefallens wegen Wert legt, das er erregt. Ein Bild gefällt
uns, erregt unsere Lust: das ist die primäre Stellungnahme. Zum
ästhetischen Wert wird jedoch die Lust (und damit auch das sie erregende
Bild) erst, indem ich jener Lust meine Aufmerksamkeit zuwende, sie
bejahe, kurz wiederum Stellung nehme. Der negative Fall offenbart die
Doppelheit des Prozesses am deutlichsten. Jenes Bild erregte vielleicht
nur meine sinnliche Lust, schmeichelte niederen Instinkten und wird
darum in sekundärer Stellungnahme als »Kitsch« verworfen".2 „Es ist
richtig", liest man an anderer Stelle³, „daß ich in einer Landschaft nur
solche Gegenstände apperzipiere, die mein »>Interesse«, also eine emo-
tionale Stellungnahme erregen; sie werden indessen erst zu Werten,
wenn ich diese emotionale Stellungnahme besonders bejahe." Man wird
nicht in Abrede stellen können, daß der Analogie solcher Beispiele
ganz außerordentlich viele Erlebnisse des Wertgebietes folgen.
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Nur daß es dem Autor gelungen sein sollte, mit Hilfe des Ter-
minus „Stellungnahme" dem Begriffe seiner „Wertgrundlage" eine All-
gemeinheit zu erteilen, die über das Fühlen und Begehren noch hinaus-
reichte, wird schwerlich zuzugeben sein. Der Verfasser hat dabei „jene
Stellungnahmen" im Auge, „durch die wir einen Vorstellungsinhalt als
>>neu«<, als >>fremd«, als »groß«, als »erhaben«, als wirklich«<, als
>>unreal<, als » denselben << und so weiter charakterisieren", auch wohl
,,Zustände wie die Aufmerksamkeit, das Interesse und verwandte
Phänomene"5. In der Tat kann, daß etwas »neu« oder »alt« ist, ...
öfters ganz verschiedene Bewertungen bedingen", aber näher, wie der
Autor selbst hinzufügt, etwa nur, „je nachdem die »Neuheit«< oder das
>>Alter<< erwünscht sind. Denn auch diese Stellungnahmen verquicken
sich mit Begehrungen "6. Warum könnten dann diese Begehrungen
nicht schon für sich als „Grundlagen" ausreichen? Daß etwas »>wirk-
lich« oder »>unwirklich« ist“, fährt der Autor fort, „ist niemals in der
Empfindung oder der Vorstellung gegeben, ist vielmehr eine Charakte-
risierung derselben durch das Ich, eine »Stellungnahme«. In all' diesen
Fällen käme unser Begriff der Stellungnahme etwa auf eine psycho-
logische Erklärung des erkenntnistheoretischen Begriffs der »Kategorie<
1 A. a. O., S. 327.
2 Vgl. a. a. O., S. 329.
3 A. a. O., S. 349.
4 A. a. O., S. 326.
5 A. a. O., S. 326 f.
6 A. a. O., S. 326.
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