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I. Voruntersuchungen.
leicht hochbedeutsame Relation glauben, durch die Wert und Opfer an
einander geknüpft sein könnten; daß der Wert jedoch durch die Opfer
direkt ausgemacht werde, das würden wir uns deshalb schon nicht leicht
zu eigen machen können, weil eines jeden Erfahrung deutlichst bezeugt,
daß wir, wo wir uns des Wortes,,Wert" bedienen, an Arbeit oder
sonstige Opfer tatsächlich nicht zu denken pflegen. Ein schlechthin
stringentes Gegenargument ist hierin freilich nicht gelegen: kein Naiver
denkt beim Worte „Kreis" an die Gleichheit des Abstandes vom Mittel-
punkte, er denkt an die eigentümliche Kreisgestalt. Dennoch hat die
Geometrie die Gestaltvorstellungen zugunsten künstlicher, dafür aber
präziser¹ Definitionen aufgegeben und so anerkannt, daß man das, was
man bei den betreffenden Worten tatsächlich denkt, vor dem Forum
der Geometrie aus leicht anzugebenden Gründen nicht denken soll. Aber in
der Notwendigkeit, das tatsächliche Denken so dem Denkensollen² gewisser-
maßen zu opfern, liegt ein hoch genug anzuschlagender Mangel, um uns zu
veranlassen, wo möglich von der Definition eines Gegenstandes fern zu
halten, was eventuell besser der Theorie des betreffenden Gegenstandes
vorbehalten bleibt. So hat man im speziellen Falle des Wertes kein Recht,
den natürlichen Wertgedanken, wenn es sich vermeiden läßt, durch ge-
dankenfremde Momente zu verdrängen, möchten diese übrigens auch noch
so festhaltenswürdige Eigenschaften des Wertes ausmachen. Insbesondere
brauchten die alten Versuche, etwa Selbst- und Arterhaltung, oder neue
Versuche, namentlich Gesichtspunkte der Energetik für die Werttheorie
nutzbar zu machen, der Werttheorie keineswegs verlorenzugehen, wenn
man vorzieht, bei definitorischer Bestimmung des Wertes dem der Theorie
vorgegebenen Wertgedanken näher zu bleiben.
Blicken wir unter diesem Gesichtspunkte noch einmal auf die drei
oben näher untersuchten Konzeptionen zurück, so ist durch das eben
Dargelegte bereits gesagt, daß diejenige darunter, die günstigen Falles
die greifbarste Belehrung über das Wesen des Wertes versprochen hätte,
die Opfertheorie, doch zugleich die am wenigsten natürliche Bestim-
mung zur Diskussion gestellt hat. Dagegen sind die beiden anderen,
viel farbloseren Theorien, die, wenn man sie einigermaßen ungenau
nimmt, nicht viel mehr besagen, als daß Wert eben Wert ist, doch auf
alle Fälle die weitaus natürlicheren. Sie machen, nebeneinander gestellt,
darauf aufmerksam, daß es sich beim Werte um einen Tatbestand
handelt, der sich sozusagen von zwei Standpunkten aus betrachten läßt,
in denen zugleich die zwei charakteristischen Seiten dieses Tatbestandes
zum Vorschein kommen. Es gibt nichts und kann nichts geben, das in
einigermaßen verständlichem Sinne nützlich heißen könnte, ohne daß
dabei auf irgend jemand Bedacht genommen würde, dem es nützlich
ist. Und niemand hat ein Bedürfnis oder kann eines haben, das nicht,
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1 Über Präzisionsgegenstände vgl. Über die Stellung der Gegenstands-
theorie im System der Wissenschaften", Leipzig 1907, S. 84, 88, auch „Zeit-
schrift für Philosophie und philosophische Kritik", Bd. 129, S. 48 ff., 155 ff. und
Bd. 130, S. 1 ff.
2 Vgl. oben S. 3 auch „Über Annahmen“ 2, S. 325 f.
