§ 3. Wert und Nützlichkeit.
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Natürlich genügt das aber auch vollauf, eine Rückführung des
Wertgedankens auf den Bedürfnisgedanken auszuschließen. Man könnte
nur noch etwa versuchen, das Reduktionshindernis durch Modifikation
des Bedürfnisgedankens zu beseitigen. Es führt ja in der Tat kein allzu
großer Schritt vom Leid der Abwesenheit zur Freude an der Anwesen-
heit. Faßt man den Sinn des Wortes „Bedürfnis" so weit, daß neben
Fällen der ersteren auch Fälle der letzteren Art darunter zu subsu-
mieren sind, dann dürfte in der Tat, wie der Fortgang dieser Unter-
suchungen dartun wird,' gegen das Zusammengehen von Bedürfnis und
Wert kaum mehr Erhebliches beizubringen sein. Nur hat dann der
Bedürfnisgedanke sein eigentlich charakteristisches Moment, das für
mein Sprachgefühl wenigstens von jenem „Abgehen" des Mangelnden
nicht zu trennen ist, ganz und gar verloren. Bedürfnis" ist dann
kaum mehr als ein Name für sozusagen eine andere Seite eben jenes
Tatbestandes, den wir Wert" nennen, noch dazu ein Name, für
den, wie noch zu berühren sein wird,2 etwa „Interesse“ eine viel natür-
lichere Bezeichnung abgeben dürfte. Selbstverständlich ist aber dieser
letzte Umstand für eine Untersuchung, der es nicht um die Worte,
sondern um die Sache zu tun ist, von geringem Belang; um so wich-
tiger ist, daß wenn man Bedürfnis" in dieser Weise bestimmt und
daraufhin den Wert durch Berufung auf das Bedürfnis" charakterisiert,
man im wesentlichsten Punkte doch nur ein Wort durch ein anderes
in der Hauptsache gleichbedeutendes ersetzt hätte, womit einer theore-
tischen Erfassung der zu untersuchenden Tatsachen wenig gedient wäre.
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Belassen wir also dem Worte Bedürfnis" seine natürliche Be-
deutung, so mag um so nachdrücklicher der Umstand Berücksichtigung
verlangen, daß es ja nun doch noch einen Gedanken gibt, dem jene
Einschränkung auf die Fälle des Mangels gar nicht wesentlich ist, und
den man denn auch wirklich mit dem Werte stets in engste Verbin-
dung gebracht hat. Es ist der Gedanke der Nützlichkeit, dem darum
in diesem Zusammenhange ebenfalls einige Erwägungen gewidmet sein
müssen.
§ 3. Wert und Nützlichkeit.
Auf den ersten Blick läßt sich die Behauptung: „Wert hat ein
Ding, sofern es nützlich ist" wie etwas ganz Selbstverständliches an,
am Ende gar wie eine Tautologie. Abfälle an Papier, Holz, Eisen oder
Stein gelten für wertlos, sobald sie zu nichts mehr nütze sind; dagegen
ist der Kompaß dem Schiffer, das Mikroskop dem Physiologen
oder Histologen wertvoll um des Nutzens willen, den ihm das Instru-
ment gewährt. Die empirischen Belege sind hier also mit größter Leich-
tigkeit beigebracht; aber man hat gar kein Bedürfnis nach ihnen, so
selbstverständlich scheint die Sache. Um so deutlicher hatte es und
hat es auch heute noch für jedermann den Charakter des Paradoxons,
1 Vgl. unten III, § 2.
2 Vgl. unten III, § 2.
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