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I. Voruntersuchungen.
nun ganz von selbst auch ein unpersönlicher Wert an die Seite. Den
hohen Wert von Wahrhaftigkeit, Treue oder edler Gesinnung wird nie-
mand in Abrede stellen, aber manchem mag es ganz unnatürlich
erscheinen, nach jemandem zu fragen, für den als Subjekt diese Werte
Geltung haben sollen. Es mag angesichts solcher Werte dann sogar der
Gedanke entstehen, ob nicht vielleicht erst Werte dieser Art, also unper-
sönliche Werte Anspruch darauf erheben dürften, Werte im eigentlichsten
Wortsinne zu heißen. Mit wie viel Recht, das muß natürlich vorerst
noch unerwogen bleiben. Ebenso muß das Verhältnis des unter diesen
Gesichtspunkt zu Subsumierenden zu den vorher namhaft gemachten
Gruppen erst späterer Klärung überlassen bleiben: man mag sich immer-
hin vorerst die unpersönlichen Werte den persönlichen möglichst ähnlich
und ihnen gegenüber eben nur durch den Umstand gekennzeichnet
denken, daß das Bezugssubjekt prinzipiell fehlt.
Im Anschluß an die Gruppen der persönlichen und der unpersön-
lichen Werte sei auch noch kurz zweier weiterer Gruppen gedacht, bei
deren Behandlung sich zunächst eine besonders große Unsicherheit
bemerklich macht, die schon im Zweifel darüber zur Geltung kommt,
ob man es da wirklich mit zwei Gruppen zu tun hat oder nur mit einer,
falls beide Gruppen nicht etwa gar ohne weiteres in den Bereich der
persönlichen Werte einzubeziehen sind. Ich meine das Schöne und das
Wahre nebst ihren Gegenteilen, insbesondere also Kunst und
Wissenschaft. Niemand zweifelt daran, daß man es da mit Werten,
eventuell sehr hohen Werten zu tun habe. Unter Umständen gelingt
hier die Subsumtion unter die Betrachtungsweise der persönlichen Werte
so leicht, daß sich dann einem „Kunstgegenstande“ sogar ökonomischer
Wert beimessen läßt. Aber solchem ökonomischen Werte liegt dann
doch meist ein besonderer Kunstwert als Voraussetzung zugrunde, und
dieser tritt in seiner Eigenart noch viel deutlicher hervor, wo er, wie
namentlich bei Dichtung und Musik die Regel ist, sich gar nicht an
Wirkliches gebunden zeigt.¹ Eine gewisse Verwandtschaft der Sachlage
beim Wahren ist nicht zu verkennen; doch soll die Untersuchung an
dieser Stelle nicht weitergeführt werden, da den hier obwaltenden Ver-
hältnissen in späterem Zusammenhange mit leichterer Mühe Rechnung
zu tragen sein wird.2 Unter den Anwendungen des Wortes ,Wert"
jedoch durfte weder das Schöne noch das Wahre unerwähnt bleiben:
kurz könnte man hier etwa von Schönheits- und von Wahrheits-
werten reden.[4]
Zusammenfassend dürfen wir als Ergebnis der hier versuchten Um-
schau nebeneinanderstellen: Größenwert, Wert als Würdigkeit, Leistungs-
wert und persönlichen Wert; außerdem noch Schönheits- und Wahrheits-
wert und es steht zu hoffen, daß wir keinen wichtigen Wertfall dabei
übersehen haben. Können wir uns Gedanken darüber machen, wie diese
sechs so verschiedenen Gruppen dazu kommen, jede in irgend einer Weise
1 Vgl. „Über Urteilsgefühle, was sie sind und was sie nicht sind" im
Archiv f. d. ges. Psychologie 1905, Bd. VI, S. 45. [Ges. Abhandlungen, Bd. I, 1914.]
2 Vgl. unten IV, § 7.
