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IV. Der Wertgedanke.
Unter solchen Umständen ist es der oben gegebenen Bestimmung
gegenüber in mehr als einer Hinsicht ein Gewinn, zu sagen: der
persönliche Wert eines Objektes besteht in dessen Eignung, vermöge
seiner Beschaffenheit und Position Gegenstand des Interesses an seinem
Sein und Nichtsein seitens eines Subjektes zu sein. Daß man hier nicht
etwa so formulieren dürfte: Wert ist die Eigenschaft eines Objektes,
vermöge deren dieses das in Rede stehende Interesse auf sich zieht",
ist nach dem Obigen klar: das Interesse beruht eben nicht nur auf der
Beschaffenheit, sondern auch auf der Position des Objektes.
"
"
Nicht ohne Nutzen kann man nun, um das Wesen des persön-
lichen Wertes zu kennzeichnen, auch den Gedanken der Bedeutung
heranziehen, wie dies neuerlich wiederholt geschehen ist. Man muß dabei
nur der ohne Zweifel bestehenden Gefahr begegnen, sich durch das
Wort irreführen zu lassen. Im allgemeinen kann ja nämlich nichts
klarer sein, als daß man nur dann von der Bedeutung einer Sache
reden wird, wenn man den Bereich intellektuellen Erfassens in der
Richtung des Emotionalen überschreitet. Dies wird aber nicht wenig
durch die Ausnahme verdunkelt, die sich in dem besonderen Falle ein-
stellt, daß von der „Bedeutung" sprachlicher Ausdrucksmittel, etwa der
Wörter und Sätze gesprochen wird. Denn da fallen die Bedeutungen
zusammen mit den Gegenständen der ausgedrückten Erlebnisse¹, so daß
ein Verlassen des Bereiches intellektueller Betrachtungsweise vorerst
noch gar nicht geboten erscheint. Ob freilich durch solche Anwendung
des Wortes „Bedeutung" nicht eben gerade das an sprachlichen Aus-
drücken in besonderem Maße Bedeutsame herausgehoben sein und so
das emotionale Moment am Ende auch da zur Geltung gelangen soll,
wie sich andererseits solches Bedeuten" etwa zum Hindeuten ver-
hält, darüber ist natürlich nur die Sprachwissenschaft kompetent. Für
unsere Zwecke genügt es auf alle Fälle, Bedeutungen" in diesem
besonderen Sinne ausdrücklich auszuschließen. Nur ist freilich, was dann
übrig bleibt, trotz seiner Beschränkung auf das emotionale Gebiet für
unsere Zwecke insofern immer noch zu allgemein, als man ganz wohl
auch von einer theoretischen oder einer ästhetischen Bedeutung" reden
mag, so daß in das Anwendungsgebiet des Wortes außer den Wert-
gefühlen auch die ästhetischen, logischen, ja wohl selbst die hedonischen
Gefühle einbezogen erscheinen. Wirklich kann auch, wer das Wort
,Wert" weit genug verstehen will, nach dem Vorgange J. Kl. Kreibigs2
den Wert als „Gefühlsbedeutung" definieren. Es ist indes bereits darauf
hingewiesen worden, warum es sich, ohne dem erweiterten Wert-
begriffe jede Berechtigung abzusprechen, doch empfiehlt, im gegen-
wärtigen Zusammenhange den engeren Wertbegriff festzulegen. Dazu
ist natürlich eine Einschränkung des Bedeutungsbegriffes erforderlich,
die aber leicht genug dem Umstande zu entnehmen ist, daß es das Sein
und Nichtsein der Objekte ist, dem wir die Wertbetrachtung in so charak-
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"
1 Vgl. „Über Annahmen" 2, S. 25.
2 „Psychologische Grundlegung eines Systems der Werttheorie", Wien 1902.
